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Treatment:

 

 

XDASXVIERTEXGEBOTX

 

von

Peter Patzak  & Michael Nöhrig

 

nach Motiven aus dem Volksstück von

Ludwig  Anzengruber

 

 

 

GENRE:  Drama / Tragikomödie

FORMAT:  TV-Movie oder Kino / 90 min.

SCHAUPLATZ:  Wien oder beliebige Großstadt

EPOCHE:  Gegenwart

 

© Filmhaus Peter Patzak, A-3400 Klosterneuburg / Kontakt:  mail@noehrig.at

 

 

 

PROJEKTBESCHREIBUNG:

 

Beziehungs- und Familiendrama im Wiener Milieu. Persönliche, psychologische und soziale Entwicklung, Scheitern, Absturz, aber auch charakterliche Reifung und Befreiung mehrerer Mitglieder aus drei unterschiedlichen Wiener Familien, deren Lebenswege sich in parallelen Erzählsträngen überschneiden und schicksalhaft beeinflussen. Motive und Charaktere streckenweise an Anzengrubers gleichnamiges Drama angelehnt und zeitgemäß an das Wien der Gegenwart adaptiert.  (Handlung kann optional in jede beliebige andere westliche Großstadt verlegt werden.)

 

 

 

CHARAKTERE:

 

FAMILIE  SCHELLANDER:

 

HELMUT  SCHELLANDER

ca. 50, kleiner Frächter für Speditionsunternehmen, Transportunternehmerkrise (EU-Osterweiterung) betrifft seine Firma, er kämpft ums wirtschaftliche Überleben. Unbeherrschtes herrisches Wesen, Alkoholiker, hat deshalb Führerschein verloren, realitätsverlustig. Hat mittlerweile nur mehr 1 Lkw und 1 Fahrer in der Firma.

 

BARBARA  SCHELLANDER

Ende 40, seine Frau, früher nicht unattraktiv, überspielt ihre familiäre Lebenskrise durch Überdrehtheit und sexuelle Affären. Trinkt ebenfalls. Arbeitet als Disponentin in der Transportfirma.

 

MARTIN  SCHELLANDER

Anfang 20, Schulkollege von Robert Frey, aber im Gegensatz zu diesem ein unsteter Charakter. Hat Mittelschule und Mechanikerlehre abgebrochen, erweist sich als Fahrer in der Firma seines Vaters unverlässlich. Ein Hallodri, aufbrausend, neigt zu Jähzorn, veranstaltet mit seiner Gang nächtliche halsbrecherische Auto-Action.

 

SANDRA  SCHELLANDER

Anfang 20, seine nur wenig jüngere Schwester, hübsch, lebensdurstig, gelernte Kosmetikerin. Ein vorerst strebsames, tüchtiges Mädel. Obwohl so verschieden, ver­bindet die Geschwister Schellander von Kindheit an ein sehr inniges Verhältnis. 

 

 

FAMILIE  BULVARI:

 

ANATOL  BULVARI

Ende 40, Unternehmer im Wiener Pratermilieu, ethnischer Türke seit 3. Generation in Wien, assimiliert. Selbstbewusst, Durchsetzungsvermögen gegenüber Konkurrenz, im Geschäftsverkehr repräsentiert er den modernen westlichen Manager und Businessman, hält im familiären Bereich an den rigiden traditionellen moslemisch-orientalischen Autoritätsstrukturen fest. Der Familienpatriarch.

 

SYRA  BULVARI

40, seine Frau. Attraktiv, tritt nach außen hin modern und modisch auf, im häuslichen Bereich ihrem Mann widerspruchslos ergeben, musste eigene musische Interessen und persönliche Freiheiten in der Ehe zurückstecken, projiziert sie nun auf ihre Tochter:

 

FABIENNE  BULVARI

18, Schülerin im Maturajahrgang auf Vienna Int. School, Stolz ihres Vaters, musisch begabt, lernt aus eigenem Willen Saxophon zu spielen. Tritt nach außen hin wie ein typischer westlicher Teenager aus wohlhabendem Elternhaus auf, ist aber in ihrem innersten Wesen gefestigten Moral- und Kulturtraditionen verhaftet. 

 

 

DR.  REINHARD  STOLZENTHALER

Anfang 30, Gewinnertyp, attraktiv, erfolgreich, skrupelloser Zyniker, Top-Manager in verantwortlicher Stellung in der Großkredit-Abteilung einer Bank.

 

DR.  FRITZNER

Managerkollege und Freund Stolzenthalers, mit diesem gemeinsam in hochriskante Investmentspekulationen verwickelt. 

 

 

FAMILIE  FREY:

 

ROBERT  FREY

Anfang 20, stammt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Strebsam und integer, hat sein Jusstudium mit Saxophonspielen finanziert und in kürzester Zeit beendet, Konzipient in einer Anwaltskanzlei. Gibt Fabienne Bulvari als privater Musiklehrer Saxophon-Unterricht.

 

FRANZ  FREY, sein Vater. Mitte 50, braver kleiner Beamter, arbeitsam, redlich.

 

ANNA  FREY,  seine Mutter. Anfang 50, fleißige brave Hausfrau. Um ihrem Sohn das Studium zu ermöglichen, hat sie nebenbei als Putzfrau geschuftet.

 

 

DR. SCHÖN

Anfang 60, Anwalt, Eigentümer der Anwaltskanzlei wo Robert Frey Konzipient ist.

 

SCHWED

Mitte 30, Angestellter der Leasing-Firma, über die Schellander seinen Lkw-Fuhrpark finanziert, etwas windige Type.

 

MICHL DUNKER

Mitte 20, junger Fahrer in Schellanders Firma, zurückhaltend, introvertiert, heim­lich in Sandra Schellander, die Tochter des Chefs verliebt, von seiner Chefin Frau Schellander sexuell bedrängt.

 

VESELY

Journalist bei einem auflagenstarken Nachrichtenmagazin.

 

SCHANTL

Veselys Chefredakteur.

 

 

 

HANDLUNG  SZENENABFOLGE:

 

 

INT. CLUBBING – NACHT 

Sandra und Stolzenthaler begegnen einander erstmals, sie tanzen  exzessiv.

 

EXT. STRASSE – NACHT  

Martin und seine Kumpane betreiben halsbrecherische Mutproben mit ihren auf­frisierten Autos: nach Art von Russischem Roulette blindlings über rote Ampeln zu brausen.

 

INT.  CLUBBING – NACHT 

Sandra versucht ihren Bruder Martin vergeblich am Handy zu erreichen, entgegen der Abmachung holt er sie nicht vom Clubbing ab. Sandra entschließt sich spontan mit Stolzenthaler mitzufahren: in seinem teuren Sportwagen.

 

EXT. STRASSE – NACHT  

Martin und seine Autogang geraten in eine Polizeikontrolle. Martin, aufbrausend und jähzornig, leistet Widerstand gegen die Polizei und wird festgenommen.

 

INT. TIEFGARAGE STOLZENTHALER – NACHT

Stolzenthaler rauscht mit seinem Sportwagen in die Tiefgarage. Sandra am Bei­fahrersitz, berauscht vom Tempo und seinem lässigen Auftritt.

 

INT. PENTHOUSE STOLZENTHALER – AUFZUG

Schon im Aufzug kommt es zu Intimitäten zwischen den beiden.

 

INT. PENTHOUSE STOLZENTHALER – NACHT

Sandra und Stolzenthaler beim Sex, sie verbringen eine heiße Nacht.

 

INT. EXT. PRATER CASINO – NACHT

Unternehmer Bulvari verlässt seinen Spielsalon, er gibt seinem Personal knappe, bestimmte Anweisungen, er ist der “Prater-King“.  Er steigt in seine Luxuslimousine ein, während der Fahrt telefoniert er wegen eines weiteren Kredits für ein großes Geschäft, es geht um enorme Summen. Er fährt an Riesenrad vorbei, sein Blick  erklärt uns: offenbar geht es bei seinem geplanten Geschäft darum.

 

INT. EXT. SPEDITION  SCHELLANDER – TAG 

Barbara Schellander, spärlich bekleidet im Nachtgewand, beobachtet aus dem Speditionsbüro, welches an das Wohngebäude anschließt, wie der junge Fahrer Michl Dunker draußen am Speditionshof seinen Lkw wäscht. Auf anlassige Weise will sie ihn zum Kaffeetrinken locken, er sträubt sich und will seine Arbeit fertig machen. Also bringt sie ihm den Kaffee nach draußen, ihr Nachthemd wird nass, sie ganselt ihn ganz offensichtlich sexuell auf, er sträubt sich zunächst und weicht vor ihr zurück. Aber immerhin ist sie ja seine Chefin.

 

EXT. POLIZEI-WACHZIMMER – TAG

Vater Schellander und Martin kommen aus dem Kommissariat, Martin wurde in der Nacht von der Polizei eingesperrt, deshalb also konnte ihn seine Schwester Sandra nicht am Handy erreichen. Sein Führerschein wurde ihm abgenommen. Vater Schellander macht seinem ungeratenen Sohn darüber heftige Vorwürfe und tachtelt ihn ab. Martin kontert: er wäre um nichts schlechter als der Vater selber, der habe ja seinen Führerschein ebenfalls bereits wegen Trunkenheit verloren. Sie gehen in ein Stehcafe um gemeinsam zu trinken.

 

INT. PENTHAUS STOLZENTHALER – TAG

Sandra hat die Nacht mit Stolzenthaler verbracht. Sie bewundert seine teure Uhr, er schenkt sie ihr lässig zum Abschied, quasi als Bezahlung, sie dagegen empfindet es als wertvolle Liebesgabe.

 

INT. EXT. SPEDITION SCHELLANDER – TAG 

Barbara Schellander ist es gelungen ihren jungen Angestellten Michl Dunker zu verführen. Sie trinkt bereits in der Früh Kaffee mit Cognac. Michl Dunker trinkt strikt keinen Alkohol. Ihre Intimitäten werden unterbrochen, denn:

 

Stolzenthalers Sportwagen biegt auf den Hof ein, er bringt Sandra nach hause. Barbara Schellander reagiert aufgekratzt auf die tolle Eroberung ihrer Tochter. Michl Dunker scheint davon tief betroffen dass Sandra einen Lover hat, offensichtlich ist er in Sandra heimlich verliebt. Ihre Mutter bemerkt die teure Uhr, Sandra ist sehr stolz darauf. Die Mutter redet Sandra zu, Herrn Stolzenthaler ihr Zimmer zu zeigen, wo Sandra vorübergehend wieder bei ihren Eltern eingezogen ist, um dort ihre Kosmetik-Kundinnen empfangen zu können. Das laszive Milieu fasziniert Stolzenthaler, er geht mit Sandra auf ihr Zimmer. Mutter Schellander erkennt die Vorteile und neuen Möglichkeiten, die sich aus der Eroberung ihrer Tochter ergeben könnten.

Michl Dunker rennt überstürzt und verzweifelt auf den Hof hinaus.

 

INT. STEHCAFE – TAG

Schellander und Martin trinken. Ihr Gespräch dreht sich um Martins Versagen. Er hat die Mittelschule abgebrochen, Mechanikerlehre abgebrochen, sich als Fahrer in der Firma seines Vaters ebenfalls als unverlässlich erwiesen. Im Gegensatz zu seiner Schwester Sandra: sie hat ihre Kosmetikerlehre brav fertig gemacht, will sich nun beruflich verbessern zur Visagistin.

 

INT. ZIMMER SANDRA – TAG

Stolzenthaler erregt durch die Atmosphäre in Sandras früherem Mädchenzimmer, etwas abgewohnt, ihre beruflichen Kosmetiksachen: es macht ihn scharf. Er wird mit Sandra wiederum intim.

 

EXT. SPEDITION SCHELLANDER – TAG 

Michl Dunker wäscht in wütender Verzweiflung seinen Lkw, weil er Sandra und Stolzenthaler in ihrem Zimmer weiß.

 

INT. STEHCAFE – TAG

Vater Schellander vergleicht Martins Werdegang mit dem seines ehemaligen Schul­freundes Robert Frey, mit dem er ehemals gemeinsam in einer Band gespielt hat. Die Band ist damals auseinander gegangen, weil sich Robert Frey auf sein Studium konzentriert hat, Martin dagegen immer tiefer versumperte.

Mit zunehmendem Alkoholgenuss wird Martins Versagen immer mehr herabge­spielt. Nach Vater Schellanders verzerrter Sichtweise ist sein eigener missratener Sohn allemal noch besser als sein studierter Schulfreund Frey aus der Kleinhäusler­familie, auf die er verächtlich herabblickt.  

 

INT. WOHNUNG BULVARI – TAG

Bulvari und seine Frau beim Frühstück, Hauspersonal. Saxophonspiel ist zu hören.

 

INT. ZIMMER FABIENNE – TAG

Robert Frey gibt Fabienne Bulvari Saxophon-Unterricht. Die beiden jungen Leute verstehen sich sichtlich gut.

Bulvari hat seiner Tochter den häuslichen Saxophon-Unterricht gestattet, aus Prestigegründen und um sie daheim zu halten anstatt unterwegs herumzuflattern. Ein anständiges türkisches Mädchen hat daheim zu bleiben. Mutter Bulvari ist ebenfalls sehr musisch, im Gegensatz zu ihrem Mann, der sich dafür überhaupt nicht interessiert. Bulvari spricht mit ihr nicht über seine geschäftlichen Probleme.

Fabienne verabschiedet Frey sehr herzlich, offensichtlich besteht zwischen den beiden bereits ein zärtliches, aber unschuldiges Einvernehmen. Frey und Mutter Bulvari verkehren höflich miteinander. Die Mutter weiß den Musiker zu schätzen.

 

EXT. INT. - SPEDITION SCHELLANDER – TAG

Martin und sein Vater kommen übernachtig und angeheitert heim, als Stolzenthaler mit seinem Sportwagen vom Hof fährt. Mutter Schellander erklärt ihnen dass es sich um Sandras neuen Verehrer handelt. Martin und Vater Schellander gehen ihren Rausch ausschlafen.

Mutter und Sandra Schellander beim Kaffee. Michl Dunker kommt ins Büro, er ist draußen fertig und will sich fürs Wochenende abmelden. Er ist bisher der einzige, den wir in der Firma arbeiten gesehen haben. Er muss mit anhören wie die beiden Frauen über Stolzenthaler schwärmen. Er ist kurz angebunden, die Frauen machen sich über seine Gekränktheit (wegen seiner enttäuschten Liebe zu Sandra) lustig, Michl verlässt das Büro und braust mit seinem Motorrad vom Hof.

 

INT. ANWALTSKANZLEI DR. SCHÖN – TAG

Robert Frey eilt ins Büro, sein Saxophon hat er dabei, sein Chef Anwalt DR. SCHÖN und KLIENTEN warten bereits auf ihn. Besprechung über Medien- und Kartell­rechtliche Fragen, es geht um enorme Summen, Fristen für Eingaben, juristische Spitzfindigkeiten. Robert Frey ist in dem Fall sehr wichtig, weil er die erforderliche Fachkompetenz dafür aufweist.

 

INT. WOHNUNG BULVARI – TAG

Fabienne und Mutter, Fabienne will heute abends ausgehen (tatsächlich will sie sich mit ihrem Saxophonlehrer Robert Frey treffen). Sie schiebt einen Kinobesuch mit Freundinnen vor.

 

INT. BRUNCH IM PALMENHAUS – TAG

Stolzenthaler und Dr. FRITZ, beide Bankmanager, beim Brunch. Sie haben eigen­mächtig mit riskanten Spekulationsgeschäften große Verluste gemacht und stellen nun Überlegungen an, wie sich die Defizite kaschieren lassen. Sie thematisieren Bulvaris Großkredit und beschließen ohne Gewissensbisse dem politisch lobbylosen Prater-King seinen Millionenkredit (Bulgari will sich ja das Riesenrad aneignen) kurzfristig fällig zu stellen. Stolzenthaler hat heute abend ohnehin einen lästigen Termin im Sacher für ein Geschäftsessen mit Bulvari. Damit ist das Problem für die beiden Bankmanager erledigt, zwei TUSSIS kommen hinzu, Themenwechsel, für den Nachmittag wird ein exklusiver Clubsauna-Besuch beschlossen.

Der Journalist VESELY führt an einem anderen Tisch ein Interview. Er tritt an ihren Tisch hinzu und spricht Stolzenthaler und Dr. Fritz auf Gerüchte über Millionen­verluste in ihrer Bank an. Sie streiten ab, kein Wort daran wahr, und behandeln ihn herablassend.

 

INT. EXT. - SPEDITION SCHELLANDER – TAG

Frau Schellander im Büro. SCHWED, ein Leasingmensch, pumpert ans Bürofenster: die Leasingraten für Schellanders Lkw sind fällig, sonst wird gepfändet. Er wird zum Mittrinken animiert, insistiert dennoch weiterhin auf die fälligen Zahlungen. Sandra kommt hinzu, bei ihrem Auftreten schlägt der Leasingmensch konziliantere Töne an: was Mutter Schellander natürlich bemerkt. Sie fädelt ein abendliches Rendezvous der beiden ein, der Leasingmensch stundet ihnen daraufhin die Zahlungsfrist, das drohende Ultimatum der Leasingfirma ist damit vorerst vertagt. 

Schellander hat seinen Rausch ausgeschlafen, er kriegt die letzten Gespräche mit dem Leasingmenschen mit. Verständlicherweise will er ihm nicht begegnen. Als der weg ist, beginnt er wütend über ihn zu schimpfen.

 

INT. CLUBSAUNA – TAG

Stolzenthaler und Dr. Fritz vergnügen sich mit den leichtlebigen Party-Tussis.

 

EXT. VOR  ANWALTSKANZLEI DR. SCHÖN – TAG 

Abend. Fabienne wartet auf der Straße gegenüber auf das vereinbarte Treffen mit Robert Frey. Ihre Reserviertheit gegenüber einem FREMDEN der sie anspricht gibt uns Einblick in ihre traditionelle Zurückhaltung gegenüber fremden Männern.

Frey kommt aus der Kanzlei, sie besteigen Freys billigen Kleinwagen und fahren ins Birdland zu einem Joe Zawinul-Konzert.

 

EXT. INT. SACHER – NACHT

Das beim Brunch im Palmenhaus angesprochene Geschäftsessen. Stolzenthaler macht Bulvari auf sarkastische Art dessen ausweglose Kreditsituation klar. Bulvaris Verachtung gegenüber dem verhassten aalglatten Bankmanager ist spürbar, jedoch erkennt er völlig klar, dass er ihm  finanziell und geschäftlich ausgeliefert ist.

 

INT. JAZZLOKAL

Jazz-Livemusik. Fabienne und Frey kommen einander in ihrer gemeinsamen Liebe zur Musik näher, als Fabiennes rigorose Erziehung ihr eigentlich gestatten dürfte. Es wird deutlich, dass zwischen den beiden ein tiefes Gefühl besteht.

 

EXT. INT. BOWLINGBAHN – MULTIPLEX – NACHT

Martin und seine Gang beim Bowling thematisieren rückblickend die Polizei-Aktion in der vergangenen Nacht. MÄDCHEN sind dabei. Martin kompensiert seine Unsicherheit gegenüber Mädchen durch übertriebenes Imponiergehabe und Trinken, sein Aggressionspotential ist beim Bowlingspiel ständig zu spüren.

An der Bar im Lokal wartet der Leasingmensch Schwed vergeblich auf Sandra. Martin kommt von der Bowlingbahn an die Bar, aggressiv gerät er mit Schwed aneinander, der ihn wegen des Verbleibes seiner Schwester zur Rede stellt. Martin stellt sich als aufbrausender Verteidiger seiner Schwester dar.

 

EXT. INT. U-BAHN

Sandra fährt mit der U-Bahn zur Innenstadt, ihr Ziel ist jedoch gar nicht das vereinbarte Treffen mit dem Leasingmenschen im Multiplex, sie will zu Stolzen­thaler um ihn mit einem Besuch zu überraschen.

 

EXT. VOR PENTHOUSE STOLZENTHALER – NACHT

Sandra klingelt, keiner ist da. Sie will gehen. In dem Moment fährt Stolzenthaler mit seinem Sportwagen in die Tiefgarage, Sandra läuft ihm nach.

 

INT. TIEFGARAGE  STOLZENTHALER – NACHT

Stolzenthaler ist sichtlich nicht besonders über Sandras Auftauchen erfreut, was will sie hier? Sandra davon sehr betroffen. Stolzenthaler wimmelt sie ab, er habe noch zu tun und jedenfalls keine Zeit für sie. Sandra ist darüber zwar enttäuscht, nimmt es aber gefügig hin. Stolzenthaler lässt sie vor dem Aufzug stehen und fährt in sein Penthouse, Sandra verlässt die Tiefgarage allein, zu Fuß.

 

INT. WOHNUNG BULVARI – NACHT

Fabienne kommt spätnachts heim. Vater Bulvari ist noch auf, grübelnd, starrend. Es kommt zu Vorwürfen und Streit, ihre Aussage im Kino gewesen zu sein erweist sich als haltlos, sie gibt zu, mit Frey im Jazzkonzert gewesen zu sein. Mutter Bulvari wird wach und kommt hinzu, sie beschwichtigt den Streit.

 

EXT. SPEDITION SCHELLANDER – TAG

Schellander und seine Frau. Schellander ist gerade aufgewacht und will wissen, warum Michl Dunkers LKW noch am Hof steht, wieso fährt der nicht längst? Es stellt sich heraus, dass der junge Fahrer heute nicht zur Arbeit gekommen ist, dabei ist er doch sonst so verlässlich. Wenn die Tour nicht gefahren wird, droht Schellanders Firma eine teure Pönale-Zahlung.

 

INT. SPEDITION SCHELLANDER – TAG

Eine KUNDIN von Sandra kommt ins Büro, wegen eines Kosmetiktermins. Auch Martin ist mittlerweile aufgewacht, er behandelt sie rüde. Sandra will ihre Kundin beschwichtigen, aber die verlässt wutschnaubend das Speditionsbüro. Grund genug für einen heftigen Streit zwischen Sandra und Martin. Martin konfrontiert Sandra mit dem gestrigen nicht eingehaltenen Treffen mit dem Leasingmenschen. Sandra verteidigt sich: es war nicht ihre Idee, sondern die ihrer Mutter.

Vater Schellander macht seiner Frau und Tochter lautstarke Vorwürfe über die unanständige Kupplerei mit dem Leasingmenschen. Martin geht auf den Vater los weil der seine Schwester beschimpft. Es kommt zu Handgreiflichkeiten. Die beiden Frauen trennen die Männer.

 

EXT. AUTO BULVARI – TAG

Bulvari und Fabienne. Bulvari muss zur Bank um dort Unterlagen abzugeben, bevor er seine Tochter bei ihrer Schule absetzt. Versuch eines versöhnlichen Vater-Tochter-Gespräches, freilich liebt Bulvari seine Tochter trotz seiner Strenge.

 

EXT. PARKPLATZ VOR BANK – TAG

Zufällig kommt auch Stolzenthaler gerade an. Er wird auf Fabienne im Auto ihres Vaters aufmerksam: wieso der ihm sein reizendes Fräulein Tochter bisher nicht vorgestellt habe? Nun zeigt er einen ganz anderen Umgangston gegenüber Bulvari. Fabienne ist von Stolzenthalers Komplimenten durchaus nicht unbeeindruckt.

Bulvari erkennt das Potential in der Situation, als ihm Stolzenthaler seiner Tochter wegen auf einmal weniger arrogant gegenübertritt als sonst. In gewisser Weise eine Parallele zu der Geschichte mit Mutter Schellander, als sie ihre Tochter Sandra als Werkzeug benützte um den Leasingmenschen ruhig zu stellen.

 

EXT. VOR ANWALTSKANZLEI SCHÖN – TAG

Martin passt Frey vor der Anwaltskanzlei ab, als dieser von der Arbeit kommt. Sie reden über alte Zeiten und ihre gemeinsame Band. Martin hat sein Schlagzeug versetzt. Frey spielt noch immer Saxophon und gibt Privatunterricht.

Martin bittet seinen alten Schulfreund um juristische Hilfe wegen seiner Schwierig­keiten mit der Polizei (drohendes Verfahren wegen Widerstandes gegen Staatsgewalt, Führerscheinentzug) Frey verspricht sich um die Sache zu kümmern. Martin bietet ihm einen Gegengefallen an, und Frey beauftragt Martin daraufhin einen Schrift­satz zu seinen Eltern zu bringen, für eine Versicherungsangelegenheit, den er für sie ausgearbeitet hat.

 

INT. BÜRO STOLZENTHALER – TAG

Stolzenthaler teilt Dr. Fritz mit, die Causa Bulvari noch etwas zu verzögern und Schonfrist zu gewähren, Dr. Fritz versteht nicht warum. Sie sprechen über Bulvaris schöne Tochter. Stolzenthaler würde ihr gern mal näher kommen. Dr. Fritz erklärt ihm das sei wohl unmöglich: eine “türkische Jungfrau“ kriege er erst ins Bett, wenn er sie heirate. Stolzenthaler schmähreißend: na und, warum soll ich sie nicht heiraten. Er nimmt die Sache auf die leichte Schulter. Gegen ihr eigenes Debakel mit den geplatzten Finanztransaktionen beschließen sie, statt Bulgari halt einen anderen Kreditkunden aufzublatteln. Blanker Zynismus spricht aus ihrer Unterhaltung.

 

INT. WOHNUNG ELTERN FREY – TAG

Mutter und Vater Frey warten bereits auf das Versicherungsschreiben, welches von Martin überbracht wird. Er wird zum Kaffee eingeladen. Martin wird die Diskrepanz zwischen dieser intakten, respektvollen und warmherzigen Familie Frey und seiner eigenen bewusst, in der er nichts als Alkoholismus, Handgreiflichkeiten und sexuelle Laszivitäten erlebt.

 

EXT. INT. PRATERCASINO BULVARI – TAG

Martin und seine Gang beim Automatenzocken, Martin prahlt großspurig vor seinen Kumpanen: mit seiner Polizeisache wäre nun alles im Griff,  sein persönlicher Anwalt kümmere sich darum.

Bulvari führt türkische Geschäftspartner durch sein Casino. Ihre Gespräche drehen sich um Geschäftsbeteiligungen und Investitionen.

 

INT. ZIMMER SANDRA – TAG

Sandra hat eine Kundin zur Kosmetik, sie sprechen über Beziehungen, und Sandras noble neue Bekanntschaft aus dem Bankenmanagement.

 

INT. EXT. SPEDITION SCHELLANDER – TAG

Martin soll Michl Dunkers Tour fahren weil dieser nicht gekommen ist, wo könnte der sein? Vater Schellander muss gestehen, dass sie dem Sohn Martin nun auch den Führerschein abgenommen haben. Mutter Schellander nötigt ihn, dann müsse er eben selber Michl Dunkers Tour fahren weil die Firma sonst ruiniert wäre.

Schellander in Michl Dunkers Lkw. Der Leasingmensch kommt auf den Hof, wütend weil ihn Sandra gestern im Multiplex versetzt hat, er will jetzt den Lkw endgültig gnadenlos einziehen, aber Schellander fährt vom Hof und lässt den Leasingmenschen einfach stehen.

 

EXT. LKW – TAG

Schellander fährt auffällig, unfallträchtige Verkehrssituationen.

 

INT. SPEDITION SCHELLANDER – TAG

Der wütende Leasingmensch und Mutter Schellander. Sandra kommt mit ihrer Kundin aus ihrem Zimmer. Mutter Schellander schenkt Kaffee und Alkohol aus.

 

EXT. VOR VIENNA INT. SCHOOL – TAG

Als Fabienne mit ihren Klassenkameradinnen aus der Schule kommt, wartet Stolzenthaler mit seinem Sportwagen davor. Fabienne fühlt sich geschmeichelt, um ihren Freundinnen zu imponieren steigt sie ein und lässt sich von Stolzenthaler nach hause bringen.

 

INT. WOHNUNG BULVARI – TAG

Bulvari und Frau im Gespräch über ihre unterschiedlichen Ansichten, was die Freiheiten und die Lebensführung ihrer Tochter betrifft.

Fabienne kommt mit Stolzenthaler heim. Frau Bulvari lädt ihn ein, zum Essen zu bleiben.

Als Stolzenthaler zur Toilette geht, ruft er Dr. Fritz am Handy an und prahlt mit seinem bisherigen Erfolg bei der schönen Tochter des “türkischen Prater-King“.

Die eisige Verachtung zwischen Bulvari und Stolzenthaler baut sich allmählich ab. Stolzenthaler charmiert und lässt wissen, dass sich für Bulvaris Bankprobleme mit gutem Willen von beiden Seiten durchaus eine Lösung finden lasse. Bulvari fädelt eine Verabredung zwischen Fabienne und Stolzenthaler ein. Jetzt ist der Fall eingetreten, wo er praktisch genau dasselbe getan hat wie die verkommene Mutter Schellander: die Tochter aus materiellen Überlegungen zu verkuppeln.

Als Stolzenthaler weg ist, kommt Frey zum üblichen Saxophon-Unterricht. Aber Bulvari schmeißt ihn raus, Frey soll nicht mehr kommen. Fabienne protestiert, aber ihr Vater bestimmt kategorisch, sie habe diesen Hungerleider nicht mehr zu treffen, Ende der Debatte. Fabienne schließt sich heulend in ihrem Zimmer ein.

 

INT. TIEFGARAGE STOLZENTHALER – NACHT

Stolzenthaler kommt, er fährt mit seinem Sportwagen in die Garage. Steigt er aus? Nein. Er beschließt spontan wieder wegzufahren.

 

EXT. SPORTWAGEN – NACHT

Stolzenthaler im Sportwagen braust durch die Nacht.

 

INT. ZIMMER SANDRA – NACHT

Stolzenthaler und Sandra sind miteinander intim.

 

INT. SPEDITION SCHELLANDER – TAG

Frau Schellander sieht Stolzenthalers Sportwagen draußen am Hof geparkt. Sie ist über die Sachlage, dass Stolzenthaler wieder mit ihrer Tochter zusammen ist, äußerst befriedigt. Sie trinkt, prostet sich quasi selber auf ihren Erfolg zu.

 

EXT. VOR VIENNA INT. SCHOOL – TAG

Bulvari bringt Fabienne wie stets zur Schule, er versucht ein versöhnliches Gespräch mit seiner Tochter, sie verweigert jegliche Antwort. Als Bulvari abgefahren ist, geht sie nicht zum Unterricht.

 

EXT. VOR ANWALTSKANZLEI SCHÖN – TAG

Fabienne ist mit Taxi gekommen, sie eilt in die Anwaltskanzlei.

 

INT. ANWALTSKANZLEI BÜRO FREY

Fabienne eilt in Robert Freys Büro. Sie macht ihm die neue Situation klar, dass ihr Vater sie mit Stolzenthaler verkuppeln will. Sie will ihn überreden mit ihr zu fliehen, natürlich fehlt ihm die Begeisterung und der Mut für solche spontanen Pläne. Das geht doch nicht so einfach. Er misst ihrer Lage bei weitem nicht den gleichen Ernst bei, wie Fabienne selbst dies tut.

 

EXT. FIRMA LADEHOF – TAG

Schellander im Lkw an seiner Abladestelle. Er ist völlig erledigt. Er führt sichtlich einen Kampf gegen den Abstieg, den er nimmer gewinnen kann.

 

INT. ZIMMER SANDRA– TAG

Sandra schneidet Martin die Haare. Sie macht ihm Vorhalte über seine versumperte Lebensführung. Martin zeigt zwar Einsicht, kennt aber selber keine Perspektive. Sandra redet ihm zu, er solle es doch bei seinem Freund Frey versuchen, der sicher etwas für ihn tun könne. Zum Trinken aufhören, sich einen anderen Umgang suchen, seine Strafe absitzen usw. um endlich einen neuen Anfang zu finden. Martin schwört ihr sich zu bessern, sie umarmen sich.

 

INT. RESTAURANT – NACHT

Stolzenthaler und Fabienne. Sie hat sich dem Willen ihres Vaters gefügt und ist mit Stolzenthaler verabredungsgemäß ausgegangen. Stolzenthaler lässt sie en passant wissen, wie sehr ihr Vater und seine Existenz von seinem Wohlwollen abhängen. Er präsentiert sich ihr als Retter ihres Vaters aus dessen geschäftlicher Notlage, gleichzeitig lobt er ihn als großartigen Menschen und tüchtigen Unternehmer. Fabienne ist verwirrt und erschüttert zugleich, über die existenziellen Schwierig­keiten ihres Vaters erfährt sie ja durch Stolzenthaler erstmals.  Ihr Vater hat mit seiner Familie darüber nie gesprochen.

 

INT. PENTHOUSE STOLZENTHALER – AUFZUG

Stolzenthaler hat Fabienne dazu überredet in sein Penthouse mitzukommen. Im Aufzug benimmt er sich ihr gegenüber noch korrekt. Er gibt ihr keinen Anlass für Bedenken, in sein Penthouse mitzukommen.

 

INT. PENTHOUSE STOLZENTHALER – NACHT 

Stolzenthaler nähert sich Fabienne, ihr Verhalten ist ambivalent, er legt es sichtlich darauf an sie ins Bett zu kriegen. Noch nie in ihrem Leben ist Fabienne ein Mann so nahe gekommen. Sein Verhalten ist zwischen charmant und brutal.

 

INT. PENTHOUSE STOLZENTHALER – BADEZIMMER

Fabienne unter der Dusche, weinend.

 

INT. PENTHOUSE STOLZENTHALER – NACHT 

Es klingelt, Stolzenthaler öffnet. Sandra steht vor der Tür.

 

EXT. PRATER – TAG

Bulvari hat sein Riesenrad-Projekt verwirklichen können. Feierliche Eröffnung mit geladenen GÄSTEN. Seine türkischen Geschäftsfreunde, Gäste aus Kultur & Politik, Stolzenthaler und Fabienne sind mittlerweile ein Ehepaar: Sie ist hochschwanger.

Sandra und Martin kommen als ungeladene Gäste dazu. Sandra beobachtet das vor­getäuschte Glück zwischen Stolzenthaler und Fabienne.

 

INT. AUTOMATENHALLE – TAG

Sandra und Martin beim aggressiven Automatenspiel. Sandra reißt sich mit Kalkül einen der TYPEN dort auf, schleppt ihn zu Bulvaris Veranstaltung.

 

EXT. PRATER – TAG

Sandra, Martin und der Typ fallen durch provokant zur Schau gestellten Austausch von Intimitäten unangenehm auf. Stolzenthaler fordert Sandra höflich aber scharf zur Zurückhaltung und zum Verlassen der Veranstaltung auf, um einen Eklat zu vermeiden. Fabienne wird Zeugin dieser Szene. Sandra gibt Stolzenthaler zu verstehen, dass er ihr überhaupt nichts anzuschaffen habe, so könne er höchstens mit seiner eigenen Frau umgehen. Stolzenthaler will sie mit festem Handgriff vom Gelände wegführen. Martin greift sofort ein und will auf Stolzenthaler losgehen.

Bulvari wird auf den Tumult aufmerksam, er gibt knappe Anweisungen an sein Personal: Sandra, Martin und Typ werden aus der Veranstaltung rausgeworfen.

 

EXT. PRATERLOKAL – TAG

Sandra, Martin, und der Typ schweigend beim Trinken, rundum Ausgelassenheit. Typ schmust Sandra an, sie lässt es teilnahmslos geschehen. Martin entdeckt seine Kumpane von der Autogang, setzt sich zu ihnen. Sandra schnappt den Typen spontan am Handgelenk und schleppt ihn Richtung Toiletten.


INT. PRATERLOKAL – TOILETTEN

Sandra hat mit dem Typ auf grimmig-verzweifelte Weise Verkehr. Als ob sie sich selber demütigen und wehtun möchte.

 

INT. WOHNUNG ELTERN FREY – TAG

Frey und sein Angestellter Martin bei Freys Eltern zu Besuch. Gugelhupf, Kaffee. Gespräche über die gemeinsamen Jugendjahre Robert und Martins. Nachdem Martin nun Roberts Mitarbeiter ist, wird er bestimmt wieder in geregelte Bahnen zurückfinden. Eltern Frey sind optimistisch, alles wird gut werden.

 

INT. RINGSTRASSEN PALAIS – TAG

Fabienne, und ihr türkisches Kindermädchen mit dem Baby im Kinderwagen, sie sind beim Shopping.

 

INT. RINGSTRASSEN PALAIS – CAFETERIA 

Frey, mittlerweile Anwalt, bei einer geschäftlicher Besprechung mit KLIENTEN. Die wollen gerade aufstehen und gehen. Frey telefoniert nach seinem Kanzleiboten.

Fabienne erblickt Frey, geht auf ihn zu. Setzt sich zu ihm. Befangener Smalltalk, Frey erzählt dass er inzwischen selber als Anwalt tätig ist. Langsam aber doch stellt sich Fabiennes unglückliche familiäre Situation dar. Ihr Mann behandelt sie wie einen Besitz, es ist keine glückliche Ehe. Und das Kind? Sie sagt Frey auf den Kopf zu, dass alles anders gekommen wäre, wenn er damals mehr Mut bewiesen hätte und mit ihr geflohen wäre. Frey weiß natürlich, dass sie recht hat.

Freys Kanzleibote kommt: es ist Martin. Martin erkennt aus dem Gespräch zwischen Frey und Fabienne, dass beide eine gemeinsame Geschichte verbindet.

Martin ab, Frey und Fabienne tauschen ihre Handynummern aus und versprechen einander, sich bei Gelegenheit wiederzutreffen.

 

INT. BANK – BÜRO STOLZENTHALER

Dr. Fritz und Stolzenthaler bei einer Besprechung. Obwohl heute Stolzenthalers Hochzeitstag ist, verabreden sie sich trotzdem: heute abend genauso wie an jedem anderen beliebigen Tag zum Besuch der Clubsauna.

 

EXT. INT. SPEDITION SCHELLANDER – TAG

Schellanders Transportfirma ist mittlerweile zugrunde gegangen, der Platz ist an einen polnischen Gebrauchtwagenhandel vermietet. Schellander und Frau haben nur mehr Wohnrecht. Schellander ist vom Alkohol zugrunde gerichtet und leidet am Korsakoff-Syndrom. Unter seinen Augen führt seine Frau eine Beziehung mit dem POLNISCHEN AUTOHÄNDLER.

Martin kommt mit Sandra im Cherokee ihres Chefs auf den Platz gefahren, sie holen ein paar Sachen aus ihrem Zimmer, weil Sandra daheim auszieht.

Sandra übersiedelt in ein Personalzimmer in der Clubsauna, wo sie als Animierdame arbeitet. Ihre Berufsutensilien, ihre Kosmetiksachen lässt sie zurück, die braucht sie nimmer. Ihre Mutter soll damit machen was sie will.

Schellander und seine Frau räsonieren darüber, wie sie das bloß verdient hätten, dass sie mit so missratenen Kindern geschlagen sind: der Sohn ein Taugenichts, die Tochter im Rotlichtmilieu. Vollkommen uneinsichtig, dass der Werdegang ihrer Kinder auf das Verschulden und Versagen der Eltern begründet ist.

 

EXT. VOR CLUBSAUNA – NACHT

Sandra und Martin bringen Sandras Sachen, sie wohnt inzwischen dort.

Dr. Fritz und Stolzenthaler kommen gerade aus dem Etablissement. Stolzenthaler spricht Sandra drauf an, ob sie denn mittlerweile Prostituierte geworden sei. Martin reagiert sofort aufbrausend und geht auf Stolzenthaler los, Sandra beschwichtigt ihn: ach, er solle den ruhig gehen lassen, der wäre ihr inzwischen wurscht. Martin realisiert, dass dieser arrogante Stolzenthaler offenbar derjenige ist: der Grund für den Weg ins Rotlichtmilieu, für den seine Schwester sich entschieden hat.

 

INT. CLUBSAUNA – NACHT

Martin und Sandra. Er erfährt von Sandra endgültig die wahren Gründe für ihre Entscheidung, der ganze Zusammenhang mit Stolzenthaler wird ihm klar. Martin fassungslos, er kann das nicht so einfach hinnehmen.

 

INT. WOHNUNG STOLZENTHALER – NACHT

Fabienne wacht auf, Stolzenthaler kommt spät nachts heim. Fabienne “dankt“ ihm in bitteren Worten für den Hochzeitstag. Stolzenthaler kontert ungerührt, warum sie nicht mit ihrem Vater gefeiert habe. Es entsteht immer heftigerer Wortwechsel, zuletzt wird Fabienne von ihrem Mann gewaltsam zum Verkehr gezwungen, eine abgrundtiefe Demütigung.

 

INT. TIEFGARAGE STOLZENTHALER

Fabienne fährt in völlig aufgelöstem Zustand mit ihrem Auto aus der Garage, am Handy telefonierend. Es ist eine Flucht, endgültig.

 

EXT. VOR PENTHOUSE STOLZENTHALER – NACHT

Als Fabienne aus der Tiefgarage rausfährt, steht da der Cherokee mit Martin. Der ist unentschlossen, ob er hinauf soll Stolzenthaler zur Rede stellen, oder ob er Fabienne folgen soll.

 

INT. NACHTCAFE

Fabienne trifft sich mit Frey.  Sie eröffnet Frey das ganze Drama und Unglück ihrer Ehe. Frey tröstet sie, sie weint sich bei ihm aus. Frey bietet ihr an, Stolzenthaler zu verlassen und mit ihm zu leben, aber Fabienne schließt diesen Weg definitiv aus. Frey erkennt dass er seine Chance gehabt aber aus mangelndem Mut damals nicht genützt hat.

Auch Martin ist da und beobachtet das Treffen seines Chefs Frey mit Fabienne ins­geheim. Er sieht sie gemeinsam wegfahren.

 

EXT. AUTO FREY – NACHT

Frey bringt Fabienne heim, inzwischen hat er ein größeres Auto. Als er sie vor ihrem Elternhaus absetzt, ist klar dass die beiden einander nicht wiedersehen werden.

 

EXT. VOR PENTHOUSE STOLZENTHALER – TAG

Stolzenthaler will mit seinem Sportwagen aus der Garage fahren, Martin im Cherokee von Sandras Chef blockiert die Ausfahrt: er hat die Nacht dort im Auto verbracht.

Martin steigt aus und konfrontiert Stolzenthaler mit dem nächtlichen Verbleib seiner Frau Fabienne. Ob er überhaupt wisse wo sie nachts war. Stolzenthaler ist das egal. Martin nennt Freys Namen. Stolzenthaler kennt Frey und belächelt die Angelegenheit. Martin beschuldigt ihn, seine Schwester Sandra auf die gleiche niederträchtige Weise behandelt zu haben. Stolzenthaler lässt es auf keine weitere Konfrontation ankommen, kaltlächelnd weicht er Martins im Weg stehenden Cherokee über den Gehsteig aus und fährt davon.

 

INT. WOHNUNG BULVARI – TAG

Fabienne ist nachts von Frey in die Wohnung ihrer Eltern gebracht worden, weil es ihr unmöglich war, ins eheliche Penthouse zu Stolzenthaler zurückzukehren. Fabienne spricht erstaunlich sachlich und cool. Ihr Entschluss steht fest, in Zukunft keine Demütigungen mehr hinzunehmen, weder von ihrem Ehemann, noch von ihrem Vater. Sie wird ihren Ehemann verlassen. Die Mutter soll Fabiennes Baby aus Stolzenthalers Wohnung holen.

Bulvari steht mittlerweile finanziell nicht mehr unter Stolzenthalers Abhängigkeit. Fabienne setzt ihrem Vater sachlich auseinander, dass ihr ganzes persönliches Drama aus seiner Manipulation heraus entstanden ist. Er hat sich die ganze Verantwortung dafür selber zuzuschreiben. Bulvari lässt allmählich Einsicht erkennen, ohne explizites Schuldeingeständnis. Fabiennes Entschluss steht fest, sie wird Wien verlassen um in London ein Studium zu beginnen. Mutter Bulvari stellt sich erstmals entschlossen hinter den Wunsch ihrer Tochter. Bulvari muss resignierend nachgeben. Für Fabienne ist es ihre persönliche Befreiung, ihr Loslösen aus der patriarchalen Autorität.

 

INT. BANK – BÜRO STOLZENTHALER

Der Journalist Vesely konfrontiert Dr. Fritz und Stolzenthaler damit, dass er in der nächsten Ausgabe in einer Titelstory ihre jahrelangen kriminellen Finanz­trans­aktionen auffliegen lassen wird. Die beiden Bankmanager reagieren zynisch, ohne jegliches Unrechtsbewusstsein.

 

INT. CLUBSAUNA – TAG

Sandra kommt mit einem beliebigen Freier aus einem Separee, an der Bar sitzt Michl Dunker, er trinkt. Sandra erkennt den früheren Fahrer ihres Vaters, erschrocken über seinen Zustand: was ist aus Michl bloß geworden! Michl liebt Sandra noch immer auf seine naive Weise, seine Replik ist bitter: sie solle doch schauen, was aus ihr geworden sei, um nichts besser als er. Aber Sandra belächelt ihn, Sandra ist gar nicht unglücklich wie er vermeint, sie hat sich arrangiert mit ihrem Leben als Prostituierte. Michl steht auf und geht. Sandra scherzt unbefangen mit Kolleginnen, kaum dass er draußen ist.

 

INT. REDAKTIONSBÜRO – TAG

Vesely mit seiner brandheißen Enthüllungsreportage über den Sumpf und Finanz­debakel in Stolzenthalers Bank. Aber sein Chefredakteur SCHANTL möchte die sensationelle Story nicht veröffentlichen. Er steht von Herausgeberseite unter Druck, weil die Bank, einer der Haupt-Inseratenkunden des Nachrichtenblattes, mit der Stornierung aller Aufträge droht und sie damit in massive finanzielle Probleme kämen. Veselys Reportage wird nicht erscheinen, die ganze Sache unter den Tisch gekehrt.

  

EXT. STRASSE – NACHT

Martin ist wieder bei seinem alten Hasardspiel mit seiner Autogang gelandet, an genau dem Punkt wo er vor einem Jahr war. Wieder gerät er in eine Polizeikontrolle, aber diesmal sollen sie ihn nicht kriegen: Martin rast mit seinem auffrisierten Auto davon, um der Polizei zu entkommen.  

 

INT. WOHNUNG BULVARI – NACHT

Bulvari ruft seinen Schwiegersohn Stolzenthaler an: eine dringende Verabredung zu einem endgültigen Gespräch, um über alles reinen Tisch zu machen. Über ihr Familienverhältnis, die Situation und Zukunft seiner Tochter.

 

EXT. STRASSE – NACHT

Stolzenthaler fährt mit seinem Sportwagen durch die Nacht, während er mit Bulvari telefoniert. Dessen bestimmtes und unnachgiebiges Beharren auf einem unverzüglichen Treffen veranlasst Stolzenthaler, sein Fahrziel spontan zu ändern und umzukehren, um sich mit Bulvari zu treffen.

Er wendet und fährt wieder zurück: der schicksalhafte und unausweichliche Moment. An der nächsten Ampel wird er von Martins Auto in voller Fahrt gerammt: der finale Crash.

 

– ENDE –

 

 

zum Ausdrucken:  Treatment download als Word. doc (25 Seiten)

 

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