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Falsche Franzosen

 

                               von

                         Michael Nöhrig

 

 

Drehbuch 90 min.                                  © epo-film 2006

 

 

 

int. cafe bea – sonntag

Vorstadtcafe. Diverse Porzellan-Kitschfiguren auf einem Bord.

THEO GONSKY und LEO ("ELLI") SCHELLAK beim Dartspielen.

Gonsky raucht.

gonsky

Und, was war weiter. Triffst du sie wieder.

schellak

Ich weiß nicht.

gonsky

Was heißt, du weißt nicht.

schellak

Ich glaub nicht.

gonsky

Du hast ein Rendezvous mit einem Mädel und du weißt nicht ob ihr euch wieder trefft?

schellak

Sie wollte wissen was ich für ein Sternzeichen bin.

gonsky

Wenn dich ein Mädel einmal nach deinem Sternzeichen fragt, dann hast du bei ihr quasi schon gewonnen.

schellak

Und ich sag noch zu ihr: keine Ahnung, dieser ganze Astro-Hokuspokus geht mir eigentlich sonstwo vorbei.

gonsky

Elli, du bist ein echtes Genie.

schellak

Sie ist dann ziemlich bald gegangen.

gonsky

Du bleibst ein hoffnungsloser Fall.

Gonsky wirft einen Dartpfeil, draußen geht eine fesche BLONDINE vorbei, das lenkt ihn ab. Er schießt den Pfeil versehentlich auf eins von den Porzellansachen, das fällt vom Bord runter, kaputt.

BEA, die Chefin. Gonskys ältere Schwester.

bea

Theo! Was habt ihr zwei jetzt wieder angestellt.

gonsky

Kleines Missgeschick.

bea

Das schöne Stück. Ich könnte heulen.

gonsky

Solche Staubfänger kriegt man auf jedem Flohmarkt.

bea

Ein wertvolles Sammlerstück war das. Und ihr zwei Deppen ruiniert das. Ich könnte dich durch den Mond schießen.

Gonsky

Soviel kann doch das nicht wert sein, der alte Kitsch.

bea

Um das gehts doch gar nicht, da gehts doch um den ideellen Wert.

gonsky

Ich ersetze dirs, Bea.

bea

Erwürgen könnte ich dich. Wenn du nicht mein Bruder wärst hätt ich das eh schon lang getan, glaub mir.

gonsky

Du kriegst ja ein neues von mir, jetzt mach nicht so ein Theater deswegen.

bea

Ich bin stinksauer, Theo, hast du verstanden, stinksauer.

gonsky

Jetzt komm, beruhig dich wieder.

bea

Nein lass mich. Am besten du verschwindest jetzt aus dem Lokal Theo, schau dass du rauskommst.

gonsky

Bea, Schwesterchen. Morgen kriegst du eins wieder, versprochen.

bea

Raus mit dir, ich will dich-

gonsky

Ich habs dir versprochen, hast du gehört.

bea

Ja ja meinetwegen. Aber heute will ich dich nimmer sehen. Verschwinde jetzt bevor ich ernsthaft bös werde.

Gonskys Sonntagssakko an der Garderobe, Bea schnappt es und drängt es Theo auf. Sie schubst ihn aus dem Lokal.

Schellak mit der kaputten Porzellanfigur.

schellak

Könnte man vielleicht kleben, wenn man-

bea

Und du hältst deinen Schnabel, sonst schmeiß ich dich auch raus. Gib das her.

Sie schmeißt die Scherben weg, sie ist ernsthaft böse wegen der kaputten Porzellanfigur.

 

ext. flohmarkt

Gonsky im Sakko. Ein Verkaufsstand mit Porzellan-Kitschfiguren. Gonsky kauft eins von den Stücken. Er schäkert mit der Flohmarkt-HÄNDLERIN. Die Händlerin packt das Stück in Zeitungspapier ein.

Gonsky bummelt mit dem Paket unterm Arm über den Flohmarkt. Er will rauchen, aber seine Zigaretten sind aus.

Ein Würstelstand. Zwei französische TOURISTINNEN mit Stadtplan fragen den WÜRSTELMANN um Auskunft aber der kennt sich nicht aus.

Gonsky kommt hinzu, er stellt das Paket ab um beim Würstelmann Zigaretten zu kaufen.

touristin 1

Pardon monsieur, parlez-vous français?

gonsky

Parlewuh, sivo pläh.

touristin 1

Savez-vous où se trouve le musée d'art?

UNTERTIEL: "WO GEHT’S ZUM KUNSTMUSEUM?"

gonsky

Enchenté. Merci bokuh.

touristin 2

Ce monsieur ne te comprend pas du tout.

UT: "DER VERSTEHT DICH ÜBERHAUPT NICHT."

Offenkundig kann Gonsky gar nicht Französisch und möchte mit den Touristinnen nur schäkern.

touristin 1

Vous me comprenez? Le musée d'art.

touristin 2

Aimez-vous faire l'amour avec nous?

UT: "MÖCHTEN SIE MIT UNS LIEBE MACHEN?"

gonsky

Voulez-vous d’amour, merci beaucour.

touristin 2

Connaissez-vous ma tante qui est décédée l'année passée?

UT: "KENNEN SIE MEINE TANTE, DIE LETZTES JAHR GESTORBEN IST?"

GONSKY

Wui madame, mercie passée.

Die Touristinnen sind über Gonsky amüsiert. Sie stecken die Köpfe über dem Stadtplan zusammen.

gonsky

Ah, verstehe schon. Ihr wollt zum Kunstmuseum, ihr zwei Schönen. Museum dell’arte, comprie?

touristin 1

Oui, le musée d'art.

touristin 2

Le musée d'art, oui.

gonsky

So ein Zufall, da wollte ich auch grade hin. Mademoiselle, sivo pläh. Darf ich bitten. Taxi für die Damen.

Gonskys Auto steht neben dem Würstelstand, im Halteverbot. Gonsky hält die Tür auf und will sie einsteigen lassen.

touristin 1

Ceci est un taxi? No.

gonsky

Logisch ist das ein Taxi, pass auf-

Er holt eine Taxi-Leuchte aus dem Kofferraum, und stellt sie aufs Autodach. Sie hält mit Magneten.

gonsky

Le taxi, voilà.

touristin 2

No. Ceci n'est pas de taxi.

touristin 1

No, nous mieux va.

Die Touristinnen finden Gonsky witzig, aber in sein Auto wollen sie ganz bestimmt nicht einsteigen. Da gehen sie lieber zu Fuß.

gonsky

No? Nix Taxi?

Er wirft die Taxi-Leuchte wieder in den Kofferraum.

gonsky

C'est siboh, gehen wir halt zu Fuß. Ist eh nicht weit. Messjöh Dam, es ist mir ein Vergnügen.

Gemeinsam mit den Touristinnen spaziert er los. Jetzt fällt ihm ein dass er das Zeitungspaket mit der Porzellanfigur am Würstel­stand vergessen hat. Er eilt noch mal zurück und holt sichs um es mitzunehmen.

 

ext. vor kunstmuseum St. Marenten

Museumsplatz in St. Marenten. Kunstmuseum, gegenüber Naturmuseum.

Gonsky, die zwei Touristinnen.

gonsky

Questa naturélle, questa la kunst.

Sie gehen ins Kunstmuseum. An der Museums-Fassade steht ein Baugerüst.

 

int. museumssaal – tag

Gonsky und Touristinnen schauen sich die ANDROMEDA VON PIERLUIGI CASSINI an, eine kitschige kleine Goldstatuette in einer Glasvitrine.

gonsky

Die würde meiner Schwester gefallen.

Die steht auf solche alten Kitschsachen.

Gonsky stellt sein Zeitungspaket mit der Flohmarktfigur auf einem Fensterbrett ab, er zündet sich eine Zigarette an um heimlich zu rauchen. Ein Feuerlöscher, ein Schild RAUCHVERBOT.

MUSEUMSDIREKTOR SCHÖPS kommt mit hohen ausländischen GÄSTEN in den Saal, er führt ihnen die Andromeda vor. Touristinnen müssen beiseite treten.

Gonsky geht beiseite, er sieht sich um wo er seine brennende Zigarette loswerden kann.

direktor schöps

Meine Herren, ich bitte sehr. Die Andromeda von Pierluigi Cassini, Mitte sechzehntes Jahrhundert, der Stolz unserer Sammlung. Eine Pretiose von unermesslichem Wert.

Ein MUSEUMSWÄCHTER sperrt die Vitrine auf, den Schlüsselbund hat er an einer Kette am Hosenbund. Damit die Gäste die Andromeda genauer betrachten können.

auslÄNDISCHER gast

Oh, how tiny. It’s pretty small.

direktor schöps

Ja, klein aber fein.

(zum Museumswächter)

Sie, Schranz. Haben Sie schon wieder

im Dienst geraucht. Ich warne Sie.

MUSEUMSwächter

Ich schwöre Ihnen, Herr Direktor, sowahr ich-

direktor schöps

Ich kann es doch riechen, lügen Sie mich nicht an. Hier ist geraucht worden.

Gonsky macht ein Fenster auf und will seine Zigarette hinaus werfen. Vor dem Fenster draußen ist das Baugerüst.

direktor schöps

(zu Gonsky)

Sie! Sie unterstehen sich und rauchen

in meinem Museum.

(zum Museumswächter)

Schranz, schmeißen Sie den Mann raus. Aber unverzüglich.

 

ext. vor kunstmuseum

Museumswächter kommt mit Gonsky raus, er hat ihn aus dem Museum hinausbegleitet. Gonsky muss das Museum verlassen.

MUSEUMSwächter

Tschüss und Wiederschaun.

Gonsky geht. Er zündet sich eine neue Zigarette an.

 

Int. MUSEUMssaal

Direktor Schöps und Gäste gehen in den nächsten Saal. Die zwei französischen Touristinnen schauen sich die Andromeda an. Eine versucht beiläufig, ob die Vitrine aufgeht: tatsächlich, sie ist nicht abgesperrt. Weil der Museumswächter mit dem Schlüsselbund von Direktor Schöps mit Gonsky hinausgeschickt wurde.

touristin 1

Ces Viennois sont encore plus désordonnés que nous Français.

UT: "DIESE WIENER SIND NOCH SCHLAMPIGER ALS WIR FRANZOSEN."

 

ext. flohmarkt

Der Flohmarkt ist vorüber, STRASSENKEHRER räumen Mist weg.

Gonsky kommt zu seinem Auto zurück, ein Strafzettel steckt dran. Jetzt fällt ihm ein, dass er sein Zeitungspaket mit der Flohmarkt­figur im Museum vergessen hat:

gonsky

(zu sich)

Oi. Das Geschenk für die Bea-

 

ext. vor kunstmuseum

Museum ist bereits geschlossen. Gonsky liest eine Tafel mit den Öffnungszeiten:

"DIENSTAG - SONNTAG 10 BIS 18 UHR. MONTAG GESCHLOSSEN"

gonsky

Morgen ist zu, so ein Mist. Und ich hab es der Bea aber versprochen.

 

int. museumssaal – nacht

Eine PUTZFRAU findet Gonskys Zeitungspaket mit der Flohmarktfigur am Fensterbrett, sie wirft es achtlos in ihr Müllwagerl.

 

ext. vor kunstmuseum - nacht

Oben auf dem Baugerüst ist einer, er schmeißt einen Zigaretten-stummel runter. Er steigt durch das Fenster ins Museum ein.

ALARMSIRENE HEULT LOS.

 

int. museum - portierloge – nacht

Der Museumswächter schläft, die ALARMSIRENE weckt ihn. Er drückt einen Schalter um den Alarm abzustellen. Er schaut auf die Überwachungs-Monitore: nichts zu sehen. Er schaut auf seine Armbanduhr und schläft weiter.

 

int. museumsaal – nacht

Die Glasvitrine ist leer, die Andromeda weg. Ein Fenster offen.

 

ext. vor kunstmuseum

Der Unbekannte klettert von dem Baugerüst herab, er hat irgendwas unterm Arm. Ein Sonntags-Zeitungsstand von gestern, er nimmt eine Zeitung raus und wickelt das Ding damit ein. Er spaziert davon.

Keine Reaktion auf den Alarm.

St. Marenten bei Nacht. Frühsommer.

 

Ext. neubau haus marina – MONtag

Ein Wohnsilo-Neubau, außen ein provisorischer Baustellen-Aufzug.

Lieferwägen von verschiedenen Handwerksfirmen. Auch Gonskys Auto.

 

int. neubau

Lauter identische Wohnungen, alle schauen gleich aus, Einheitsbauweise.

HANDWERKER erledigen diverse Finish-Arbeiten, Türnummern anschrauben, Telefone anschließen usw. in den verschiedenen Wohnungen, demnächst bezugsfertig. Ein BAULEITER weist die Handwerker an.

bauleiter

Pronto pronto, dawei dawei. Weitermachen Leute, am Wochenende muss alles picobello bezugsfertig sein.

Gonsky und Schellak mit Werkzeugtaschen, mit einer Ladung Klodeckel und Putztürchen auf einer Lieferrodel.

bauleiter

Was habt ihr zwei da.

gonsky

Klodeckel und Putztürln.

bauleiter

Dann gebt Gummi, hopp hopp. Am Samstag haben wir Übergabe, dann ziehen die Leute ein und wollen aufs Klo gehen. Pronto.

Irgendwo ein RADIO.

 

int. neubau - wohnung

Gonsky und Schellak gehen von Wohnung zu Wohnung. Sie setzen in allen Badezimmern die Installationstürchen unter den Badewannen ein, Gonsky montiert die Klodeckel. Alle Badezimmer sind gleich.

im Radio

-heute weitere Einzelheiten über den spektakulären Einbruch bekannt, bei dem in der Nacht auf Sonntag die weltbekannte Andromeda aus dem Kunstmuseum Sankt Marenten gestohlen wurde-

gonsky

Das war überhaupt kein Einbruch, was erzählen die für Blödsinnn. Was glaubst du, wer die hat. Elli.

schellak

Wer was hat?

gonsky

Wer das Dings hat, die Andromeda. Darfst raten.

 

ext. VOR neubau 

Pkw und Streifenwagen fahren herbei. BEAMTE und POLIZISTEN gehen ins Haus.

 

int. neubau - wohnung

gonsky

Die hab ich.

schellak

(ironisch)

Eh klar. Die Andromeda. Du hast sie aber nicht zufällig dabei, oder.

 

int. neubau

Beamte zeigen dem Bauleiter ihre Dienstausweise.

Ein HANDWERKER 1 läuft übers Stiegenhaus rauf.

 

int. neubau - wohnung

Schellak fassungslos. Gonsky zeigt ihm die Andromeda: in seiner Werkzeugtasche, in Zeitungspapier eingewickelt.

schellak

Das ist die Andromeda aus dem Radio?

DIE Andromeda?

gonsky

Na wie viele Andromedas gibts denn. Klar die aus dem Radio, welche denn.

 

int. neubau

Handwerker 1 rennt von Wohnung zu Wohnung und warnt alle Kollegen. Alle Wohnungstüren schauen gleich aus, in allen Stockwerken.

HAndwerker 1

Arbeitsinspektorat! Kontrolle! Alle ohne Aufenthalts und Arbeitsberechtigung rauf unters Dach! Subito!

Die Handwerker lassen alles fallen und liegen und verschwinden schleunigst.

 

ext. neubau

Eine Palette Zementsäcke hängt an dem Baustellenaufzug. Plötzlich gestoppt, Zementsäcke pendeln in der Luft.

 

int. neubau - wohnung

Ringsum Stille, alle Handwerker sind verschwunden. Nur Gonsky und Schellak, sie betrachten die Andromeda.

schellak

Du musst ja übergeschnappt sein. Wieso hast du das gemacht?

gonsky

Für die Bea. Weil ich ihr Lieblings-Porzellanstück ruiniert habe. Weil ich

ihr versprochen habe, dass sie heut ein

neues kriegt.

schellak

Theo, bist du noch zu retten-

gonsky

Ist ja nur vorübergehend. Ich hab ihr eins gekauft aber das haben die im Museum irgendwo verschustert.

schellak

Und stattdem hast du einfach die Andromeda mitgehen lassen? Bist du übergeschnappt.

gonsky

Wenn ichs der Bea aber für heute versprochen hab. Damit sie sieht, dass ich mein Wort einhalte. Morgen bring ichs ins Museum zurück und hol mir mein Flohmarktzeugs wieder, das ich dort liegenlassen hab.

schellak

Theo du spinnst.

gonsky

Ist ja quasi nur ausgeborgt. Damit die Bea halt einstweilen einen Ersatz zum aufstellen hat, bis morgen. Versprochen ist versprochen.

schellak

Viel schöner als das alte ist das auch nicht grad. Was kann denn so ein Stück in etwa wert sein, übern Daumen?

Gonsky

Wasweißich. Recht groß ist es ja nicht.

im radio

-als Versicherungssumme werden über

50 Millionen Euro veranschlagt. Der tatsächliche Materialwert ist dagegen vergleichsweise gering, da das Innere der Skulptur aus Wachs besteht und lediglich oberflächlich vergoldet ist.

gonsky

Innen aus Wachs, und nur vergoldet. Eigentlich ein ganz schöner Beschiss, typisch. Jetzt frag ich dich was daran so viel wert sein soll.

 

int. Neubau

Beamte Polizisten Bauleiter halten in den verschiedenen Wohnungen Nachschau, überall das gleiche Bild: unterbrochene Arbeit, liegen gelassenes Werkzeug. Sämtliche Handwerker spurlos verschwunden.

 

int. neubau - wohnung

beamter 1

Gewerbe-Inspektorat, MA 43.

Gonsky und Schellak werden überrascht.

beamter 2

Finanzverwaltung. Ausweiskontrolle.

Gonsky muss sich ausweisen. Der Beamte kontrolliert seinen Ausweis. Schellak mit der Andromeda-Werkzeugtasche ab ins Bad.

beamter 1

Gonsky. Ihner Name kommt mir bekannt vor. Kennen wir uns nicht schon?

Schellak verstaut Gonskys Werkzeugtasche mit der Andromeda unter der Badewanne. Er setzt den Installationsdeckel ein und sperrt ihn mit einem Vierkantschlüssel zu.

beamter 1

Gewerbsmäßige Schwarzarbeit nennen wir das. Das Werkzeug ist vorläufig beschlagnahmt.

Beamte beschlagnahmen Schellaks Werkzeugtasche. Gut, dass Gonskys Tasche mit der Andromeda rechtzeitig versteckt ist.

POLIZIST 1 überprüft Gonskys und Schellaks Ausweise mit einer Fahndungsliste.

POLIZIST 1

Stehen alle beide auf der Fahndungsliste. Die zwei Herrschaften.

 

ext. neubau – tag

Gonsky und Schellak kommen mit den Beamten und Polizisten aus dem Haus. Sie müssen mitfahren.

Die baumelnde Palette mit Zementsäcken rasselt abwärts, unten zerplatzen sie, riesen Zementwolke.

 

INSERT ZEITUNGS-SCHLAGZEILEN:

"ANDROMEDA VERSCHWUNDEN" "DREISTER KUNSTRAUB" "DRITTGRÖSSTER KUNSTDIEBSTAHL DER GESCHICHTE" usw.

 

ext. vor KUNSTmuseum

Direktor Schöps bedrängt von Fernseh-Teams, zwängt sich hindurch, verweigert jeden Kommentar, verschwindet im Museum.

 

ext. neubau haus marina – eine woche später

Der Bauaufzug ist weg. Hinter den Fenstern Vorhänge: die neuen Wohnungen sind mittlerweile bewohnt.

 

int. wohnung – tag

Die Wohnung ist grad erst neu bezogen, Umzugskartons stehen herum.

MARINA, in Joggingkleidung. Sie füttert ihre Katze. Schneidet sich bissel am Finger an der Katzenfutterdose.

 

INT. neubau - STIEGENHAUS

Marina kommt in Joggingkleidung raus, sie hat einen Walkman.

KITTY, ebenfalls in Joggingkleidung, ebenfalls mit Walkman. Schusselig. Läuft Marina durchs Stiegenhaus hinterher.

kitty

Hi. Wir sind Nachbarn.

marina

Ich weiß. Hallo.

kitty

Bist du auch allein eingezogen?

marina

Ja, ich-

Kitty sieht Marinas Pflaster am Finger.

kitty

Autsch. Hast du dir wehgetan.

marina

Hab meine Katze gefüttert, und-

kitty

Katzen mag ich. Ich heiße Kitty.

marina

Weingart, äh- Marina.

Kitty schnappt sich Marinas Kopfhörer weil sie reinhören will, sie verwurstelt die Kabel mit ihrem. Marina hört Klassik im Walkman, Kitty Krawallmusik.

KITTY

Krass, was ist das.

marina

Rossini.

kitty

Ich steh auf Italiener. Kann deine Katze füttern, wenn du mal nicht da bist. Ich mags lieber fetzig. Willst du mal hören.

Sie nötigt Marina ihren Kopfhörer auf. Massiv laut.

marina

Ja, äh. Schön. Dings- Laut.

 

ext. neubau - tag

Kitty und Marina kommen raus. Ihre Kopfhörer-Kabel haben sich miteinander verheddert. Sie wursteln herum.

kitty

Wo läufst du.

marina

Im Stadtpark, denk ich.

kitty

Wir könnten zusammen laufen. Toll, dass wir uns kennengelernt haben.

marina

Wenn Sie wollen- wenn du willst.

Warum nicht.

kitty

Ist echt irre. Jetzt sind wir grad erst eingezogen, und sind schon Freundinnen. Krass. Was machst du?

marina

Was ich mache-

kitty

Beruflich. Was für Job.

marina

Ich bin bei der-

kitty

Ich bin Schauspielerin. Also, noch nicht wirklich berühmt oder so. Am Abend muss ich zu einem Casting.

marina

Für eine Rolle.

kitty

Hauptrolle. Romeo und Julia. Rat mal für welche.

Sie laufen gemeinsam davon. Der Bauaufzug vor dem Neubau ist weg.

 

INT. CAFE BEA – TAG 

Bea, Schellak, Gonsky raucht.

bea

WO wart ihr, im Arrest? Ich bin vor lauter Sorgen beinah verrückt geworden.

schellak

Vorübergehende Festnahme ist nicht Gefängnis, das war quasi nur eine reine Formsache.

bea

Und wieso kommt ihr dann erst tagelang später wieder? Was habt ihr wieder ausgefressen.

gonsky

Wir haben bei denen noch eine Rechnung offen gehabt, nicht bezahlte Geldstrafe für unbefugte Gewerbe­ausübung.

schellak

Uralte Geschichte, wir haben das längst vergessen gehabt. Hat mich gewundert, dass die sich noch daran erinnern.

gonsky

Dann noch paar Strafzettel fürs Falschparken nicht bezahlt, schon läppern sich ein paar Tage Ersatzarreststrafe zusammen. Nix aufregendes.

schellak

Die Unterbringung war tadellos, kann man eigentlich nicht klagen.

gonsky

Nein, hat eigentlich keinen Anlass zu meckern gegeben.

bea

Mein eigener Bruder ist ein Knastbruder, Theo es ist wirklich eine Schande mit dir verwandt zu sein.

gonsky

Ich hab ein Geschenk für dich, leider habs ichs nicht da. Muss es erst morgen holen gehen. Eine Überraschung.

bea

Ja, deine Überraschungen kenn ich.

Wollt ihr was essen, ihr zwei Sargnägel.

schellak

Die Bea ist wie eine Mutter zu uns.

bea

Und was seid  ihr. Zwei dumme Buben.

schellak

Ich hab die Bea schon in der Volksschule gefragt, ob sie mich heiraten will. Fünfundzwanzig Jahre ist das jetzt her.

gonsky

Und. Was hat sie gesagt.

bea

Ich hab gesagt: wenn du erwachsen bist.

schellak

Seit damals warte ich drauf.

bea

Da wirst du noch lange warten müssen. Ihr werdet ja nie erwachsen, ihr zwei.

gonsky

Der Elli, unser Romeo. Wenn die Bea nicht will, musst du deine Julia halt woanders suchen.

 

int. studio

Beim Casting: Kitty und ein Schauspieler ROMEO. Sie albern herum.

ROMEO

Die Nachtigall wars, nicht die Lerche.

kitty

Und ich schau dir in die Augen, mein kleines Kanarivogerl.

ROMEO

Ja, aber nur weil du auf einem Schemel stehst, sonst würdest du mir ganz woanders hinschaun, mein Täubchen.

Kitty steht auf einem Schemel weil sie einen Kopf kleiner ist.

castingmensch 1

Kinder das geht so nicht, bissel mehr Ernst wenn ich bitten darf.

castingmensch 2

Der lange Bamschabl als Romeo und die Mickimaus als Julia, also nein, wie soll denn das gehen. Die kommen ja daher wie Don Quichotte und Sancho Pansa.

kitty

Der Romeo muss sich ja nicht extra so lang machen, schaun Sie der streckt ja seinen Hals aus wie ein Storch, der macht das extra. Macht auf Vogel Strauss.

castingmensch 1

Schatzilein, nicht bös sein, aber ich fürchte mit der Größe werden wir ein Problemchen kriegen.

kitty

Ich hätt auch noch ein Paar mega-hohe High-heels daheim, die könnt ich doch-

castingmensch 1

Na ich weiß nicht, die Julia mit Stilettos das wär vielleicht doch ein Haucherl zu avantgardistisch.

castingmensch 2

Wir können den Romeo doch nicht die ganze Zeit auf der Bühne knien lassen, damit ihm die Julia nicht beim Hosentürl reinschaut. Danke, die nächste bitte.

kitty

Ich hab schon mit dem Herz-Karasek gedreht, beim Film. Wenn ihr echte Profis nicht von Amateuren unterscheiden könnt, seid ihr selber schuld.

castingmensch 2

Jaja, danke danke. Nächste!

 

Ext. neubau – tag 

Gonsky, Schellak kommen einher. Schellak mit Werkzeugtasche. Sie sehen, dass der Bauaufzug vor dem Haus weg ist.

Schellak hat einen Haustor-Generalschlüssel. Sie gehen rein.

 

int. neubau - stiegenhaus

Oberes Stockwerk. Schellak und Gonsky sehen verschiedene Wohnungstüren: alle schauen gleich aus.

schellak

Wo genau war das jetzt?

gonsky

Keine Ahnung. Weißt du es nimmer?

schellak

Schöner Schmarrn. Was machen wir jetzt.

gonsky

Nachdenken.

Erdgeschoß. Gonsky und Schellak wollen rausgehen.

Eine Hausbewohnerin MADAME CHANTAL kommt rein, mit einem kleinen Hündchen. Gonsky hält ihr das Haustor auf.

gonsky

Madame. Entree, si wuh pleeh.

madame chantal

Trés charmooh. Mercie.

schellak

Seit wann kannst du französisch.

gonsky

Hast ja gehört dass ichs kann.

schellak

Wenn du französisch kannst, dann

sag mir was die gesagt hat.

gonsky

Das spielt doch überhaupt keine Rolle

WAS eine Frau sagt.

schellak

Nein. Sondern?

gonsky

Wie sie’s sagt. Was die Wörter im einzelnen heißen ist bedeutungslos.

 

EXT. VOR neubau

schellak

Was machen wir jetzt. Alle Türen abklappern wie die Sternsinger und überall fragen: grüß Gott, dürfen wir ein Sprüngerl ins Bad, was nachschauen.

gonsky

Verdächtig machen dürfen wir uns nicht.

schellak

Was ist, wenn die Andromeda schon einer gefunden hat.

gonsky

Ja eben. Dann warten die schon auf uns und sperren uns gleich wieder ein, diesmal aber für länger.

Schellak

Wer macht sich nicht verdächtig, wenn er da drin im ganzen Haus von einer Tür zur anderen dackelt und überall anläutet.

 

Ext. vor postamt – tag

BRIEFTRÄGER mit Postwagerln rücken ein, darunter eine fesche BRIEFTRÄGERIN, Uniformbluse. Gonsky hat vor dem Postamt gewartet, mit einer Rose. Er kennt die Briefträgerin, sie freut sich.

 

ext. auto gonsky – tag

Irgendwo geparkt. Schellak und Gonsky sitzen drin. Gonsky zwängt sich in die Uniformbluse der Briefträgerin, viel zu klein.

gonsky

Wie schau ich aus.

Schellak schüttelt nur den Kopf. Gonsky wurstelt sich wieder raus.

gonsky

Probier ob du reinpasst.

schellak

Theo ich bitte dich. Das ist eine Damenuniform.

Er zwängt sich in die Uniformbluse, passt mit knapper Not.

gonsky

Was hättest du denn geglaubt. Dass ich mir einen POSTLER anlache weil ich mir sein Hemd ausleihen will. Bin ja keiner vom andern Ufer.

schellak

Wie ICH ausschau fragt keiner. Schau mich an. Ich komm daher wie die Christl von der Post.

Schellak steckt in der engen Bluse wie eine Knackwurst. Gonsky gibt ihm auch eine Briefträgermütze.

gonksy

Sitzt wie angemessen, perfekt. Du bist der geborene Uniformträger-Typ, schon von der Statur her.

OFF: TÜRKLINGEL

 

int. neubau - wohnung frau pribil - tag

FRAU PRIBIL linst durch den Türspion. Draußen ist Schellak mit Bluse und Briefträgermütze und Werkzeugtasche. Sie macht auf.

schellak

Ich müsste aufs Klo bitte. Dringend.

Er drückt Frau Pribil ein paar wertlose Reklamezettel in die Hand, als wäre es die Post die er ihr bringt.

FRAU PRIBIL

Schuhe abputzen! Dass Sie mir ja die Klobrille raufklappen.

 

int. Bad von frau pribil

Schellak zieht die KLOSPÜLUNG. Mit einem Vierkantschlüssel öffnet er das Installationstürl unter der Badewanne. Er leuchtet mit einer Taschenlampe rein. Nichts drin.

 

OFF: TÜRKLINGEL, HUND BELLT

 

int. stiegenhaus

Schellak vor anderer Wohnungstür. Madame Chantal macht auf, ihr Hündchen auf dem Arm:

MADAME CHANTAL

Ins Bad? Hereinspaziert, mein fescher Postillion.

 

int. wohnung madame chantal - tag

KLOSPÜLUNG. Schellak kommt aus dem Bad. Er steckt seinen Vierkantschlüssel wieder ein. Madame Chantal mit Likörflasche.

schellak

Schönes Bad haben Sie, Kompliment. Schöne Fliesen.

madame chantal

Trinkens ein Stamperl Cointreux mit mir, junger Mann.

Madame Chantal nimmt ihm die Briefträgermütze weg und setzt sie selber auf. Offenkundig will sie ihm Avancen machen. Schellak strebt mit Fluchttendenz zur Tür raus. Mit dem Likörglas.

madame chantal

Wollen Sie einmal zu mir baden kommen nach Dienstschluss, Missjöh?

TÜRKLINGEL, HUND BELLT

 

int. stiegenhaus

Schellak hat nochmal bei Madame Chantal geläutet: er hat seine Briefträgermütze vergessen. Madame Chantal hat sie ihrem Hündchen aufgesetzt. Schellak kriegt sie zurück. Er gibt ihr das leere Likörglas zurück und schaut dass er wegkommt.

madame chantal

Au revoir, Cherie.

TÜRKLINGEL

 

INT. WOHNUNG KITTY – TAG

Kitty macht Aerobic-Training. Weil sie den Walkman aufhat hört sie die TÜRKLINGEL nicht gleich.

Kitty öffnet: draußen Schellak als Briefträger. Bei Kittys Anblick verschlägt es ihm die Rede, Liebe auf den ersten Blick.

schellak

Kann ich aufs Bad, dings- Klo, ihre Fliesen, dings– ihre Post.

kitty

Habs nicht gleich gehört, haben Sie lang läuten müssen? Wau, ist ja krass was die Post da bringt. Darauf warte ich schon mein ganzes Leben.

Sie meint die wertlosen Reklamezettel, Schellak überlässt sie ihr. Er kann den Blick nimmer von Kitty abwenden.

schellak

Der Postler klingelt immer-

Kitty

Zweimal, Bingo. Der Mann geht ins Kino.

schellak

Könnte ich einen Schluck dings, Wasser-

kitty

(amüsiert)

Zum Wassertrinken wollen Sie aufs Klo? Wo kommen denn SIE her.

schellak

Nein. Ja. Nein. Ich mein- aufs Klo wollte ich dings, und- Wasser auch.

kitty

Hätte auch ein Bier im Eiskasten.

Schellak steht in der Tür wie ein Depp.

schellak

Ich b- bin. Jungfrau. Im Stern- dings. Zeichen-

kitty

Na und. Muss ja nicht so bleiben. Jetzt kommen Sie schon rein, bevor Sie gelbe Augen kriegen. Erste Tür links.

Schellak darf reinkommen aufs Klo.

kitty

Sie, Ihre Uniform sitzt aber knackig. Haben Sie die zu heiß gewaschen oder machen Sie Bodybuilding.

schellak

Äh-

kitty

Und. Haben Sie sich schon entschieden.

schellak

Ich- weiß nicht genau-

kitty

Wasser oder Bier. Ihre Entscheidung.

 

EXT. VOR neubau

Gonsky vor dem Haus, Schellak kommt raus.

gonsky

Und. Hast du’s? Wieviel waren daheim.

schellak

Drei.

gonsky

Drei. Für drei Wohnungen brauchst du da drin einen halben Tag zum Postaustragen. Hast du einem jeden die Post VORGELESEN?

schellak

Hab ein Bier gekriegt.

gonsky

Ein Bier. Das hat solang gedauert.

schellak

Vorher ein Stamperl Cointreux.

gonsky

Hast du einen Schwips oder was.

schellak

Bei der Hunderlmadame könnte man sogar

baden, wenns einem einmal pressiert.

gonsky

Hauch mich einmal an.

schellak

Mich hat gerade der Blitz erwischt.

gonsky

Da drin im Haus? Hast du irgendwo in den Stromkreis gegriffen?

schellak

Bei mir hats eingeschlagen.

gonsky

Elli, wieviel Stamperln waren das wirklich.

Schellak ist völlig neben der Spur, nach der Begegnung mit Kitty. Hals über Kopf verliebt.

 

INT. TV-STUDIO

Moderatorin INGE TÜRMER, Studiogäste Museumsdirektor Schöps und ein Versicherungsmensch MAGISTER BONIGL kriegen Ansteckmikros, MASKE pudert Gesichter, schnippelt Nasenhaare usw.

regie

Auf drei, auf zwei, auf eins.

inge türmer

Guten Abend bei der ZiB 3. Zu Gast im Studio sind heute der Chef des Sankt Marentener Kunsthistorischen Museums Herr Direktor Schöps, und Herr Magister Bonigl von der XY-Versicherung, guten Abend.

direktor schöps

Gunn abend.

bonigl

Schönen guten Abend.

inge türmer

Herr Direktor Schöps, die Andromeda ist nach wie vor verschwunden. Wie kann so was überhaupt passieren. Haben die Sicherheitsvorkehrungen versagt.

direktor schöps

Nein die Sicherheitsvorkehrungen im Museum sind auf dem höchsten Stand der Technik, aber die Dreistigkeit und Raffinesse der internationalen organisierten Bandenkriminalität wird halt immer Mittel und Wege finden auch die ausgeklügeltsten Schutzmechanismen zu überwinden, da wird man immer machtlos dagegen sein. Es kommt ja immer der menschliche Faktor auch dazu, muss man auch berücksichtigen, nichtwahr.

inge türmer

Herr Magister Bonigl, wie sehen Sie das. Von Seiten der Versicherung sind ja heftige Vorwürfe gekommen, dass es im Sicherheitsbereich gravierende Versäumnisse gegeben hat.

bonigl

Wenn sich unsere Vermutung bestätigen sollte, dass bei der Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen massiv geschlampt worden ist, befreit das die Versicherung selbstverständlich von jeglicher Leistungspflicht.

 

int. cafe bea - nacht

Fernseher läuft, Gonsky Schellak Bea schauen zu. Gonsky im Sakko.

bea

Hätte mich eh gewundert, wenn eine Versicherung einmal nicht auf stur machen würde, wenns ums Zahlen geht.

inge türmer

(im Fernseher)

Was wird dagegen unternommen, dass sich so ein Fall in Zukunft nicht wiederholen kann?

bea

Prämien einzahlen dürfert man brav, aber wenn man dann wirklich einmal einen Schaden hat, schaut man durch die Finger.

direktor schöps

So ein Fall wird sich in Zukunft garantiert nicht wiederholen, jedenfalls was die Andromeda betrifft, das kann ich garantieren.

gonsky

Da kann er drauf wetten.

Bea

Kannst du dich erinnern, wie ich den Wasserschaden im Lokal gehabt hab mit dem Gläserspüler, und was hab ich von der Versicherung gekriegt? Einen Schmarrn. Prämien kassiert haben die von mir, aber wie ich den Schaden gehabt habe, da haben die  mich im Regen stehen lassen. Was mich das damals gekostet hat, das hängt mir heute noch nach.

GÄSTE kommen rein. Bea ab, sie hat zu tun.

gonsky

Hast du das gehört: Bandenkrimineller sagt der zu mir, ist denn das zu fassen. Was fällt denn dem ein.

inge türmer

Für die Wiederbeschaffung der Andromeda wurde mittlerweile eine Prämie von 70.000 Euro ausgesetzt.

gonsky

Was glaubt denn der, der kann mich als Verbrecher diskriminieren? Ein Skandal.

schellak

70.000 Eier, ich wird verrückt. Theo, wenn du das Dings zurückbringst bist du reich. Soviel verdienen wir zusammen in zwei Jahren nicht.

inge türmer

In einem Zeitungsinserat wird unter dem Aufruf "Andrea komm heim" und dem Hinweis auf eine Telefon-Hotline versucht mit den Unbekannten welche die Andromeda derzeit in Besitz haben, Kontakt aufzunehmen. Sie sehen die Nummer in der Einblendung.

INSERT im Fernsehen: Zeitungsinserat "ANDREA BITTE KOMM HEIM" und eine Telefonnummer.

Schellak schnappt einen Kellnerblock und schreibt die Nummer auf.

gonsky

Auf fünfzig Millionen ist die versichert, du hast es im Radio gehört. Fünfzig Millionen, soviel muss die Versicherung für das Dings abbuttern.

Schellak gibt ihm den Zettel mit der "Andrea komm heim"-Nummer. Gonsky steckt sie ungeschaut in seine Sakkotasche.

schellak

Brauchst nur anzurufen. Und die siebzig Tausender gehören dir.

gonsky

Und mich wollen die mit läppische 70 Tausend abspeisen damit ichs ihnen zurückbringe und die Versicherung aus dem Schneider ist.

Schellak

Ja der Versicherung wärs sicher lieber wenn die für den Spaß nur 70 Tausend ablegen müssten. Statt fünfzig Millionen.

gonsky

Und jetzt kannst du mir verraten: warum soll ausgerechnet ICH der Versicherung eine Freude machen. Die Andromeda kriegt die Bea, und aus. Die Versicherung soll ruhig blechen. Die sind der Bea eh noch was schuldig für ihren Wasserschaden. Diesmal kommen die nicht so billig davon.

 

MONTAGE:

Verschiedene TYPEN rufen bei der Andrea-Komm-heim-Hotline an.

 

int. wohnung Madame chantal – nacht

Madame Chantal im Schaumbad, sie trinkt Cointreux. Ihr Hündchen KLÄFFT sein eigenes Spiegelbild am Installationstürl an.

 

int. wohnung kitty – nacht

Kitty in der Badewanne, sie hat ihren Walkman auf.

 

int. wohnung marina - bad – nacht

Marina in der Badewanne. Sie liest ein Buch über Kunstgegenstände.

Ihre Katze schleicht vor dem Installationstürchen unter der Wanne herum. Marina hat eine Lesebrille auf.

marina

Karo was suchst du denn da unten. Glaubst du gar da wären Mäuse drin.

 

ext. neubau – tag

Gonsky und Schellak kommen einher. Schellak als Briefträger.

schellak

Was hättst du denn gesagt.

gonsky

Irgendwas charmantes halt, was nonchalantes. Ganz spontan, ein kleines Komplimenterl undsoweiter.

schellak

Wenn einen grad der Blitz erwischt hat, wie soll man da was nonchalantes sagen.

gonsky

Locker und nonchalant dahingesagt, aber nicht oberflächlich.

schellak

Schon gar nach einem Stamperl Cointreaux, das klebrige Zeugs, dass man den Schnabel gar nimmer ordentlich aufbringt.

gonsky

Man muss halt einfach cool bleiben, immer die Kontrolle über die Situation behalten. Das ist das ganze Geheimnis.

schellak

Immer cool, immer locker. Das ist das ganze Geheimnis.

gonsky

Nur auf die Art kannst du bei der Damenwelt punkten. Glaub mir das.

 

INT. WOHNUNG MARINA - TAG 

Marina stellt Futter für die Katze hin. Schick angezogen, sie hat es bissel eilig.

TÜRKLINGEL

Marina öffnet, Schellak mit Briefträgermütze und Werkzeugtasche gibt ihr paar Reklameprospekte.

schellak

Könnt ich- dürfte ich, kurz auf ihr dings, ein Sprüngerl nur.

marina

Was kann ich für Sie tun? Ich habs bissel eilig.

 

int. bad marina

Schellak hat das Installationstürchen unter der Wanne mit einem Vierkantschlüssel aufgemacht, er leuchtet mit einer Lampe rein: Gonskys Werkzeugtasche ist drin. Er werkelt daran herum, aber er kriegt sie nicht unter der Wanne hervor.

Die Katze ist auch im Bad, sie schlüpft in das Türl rein.

Marina (OFF)

Bitte! Ich hab einen Termin.

Schellak will die Katze unter der Wanne rausziehen. Die FAUCHT.

 

Int. wohnung marina

KLOSPÜLUNG. Schellak kommt mit der Katze aus dem Bad, Arme und Gesicht von der Katze zerkratzt. Marina bugsiert ihn zur Wohnungstür.

marina

Ich hab schon befürchtet Sie wollen bei mir einziehen.

Sieht Schellaks zerkratztes Gesicht.

marina

Was haben Sie da drin angestellt. Haben Sie sich rasiert?

 

int. stiegenhaus

Marina die Treppen runter, sie hats eilig. Schellak folgt später.

Erdgeschoss. Marina raus, Frau Pribil kommt grad rein.

 

Ext. vor neubau

Gonsky wartet vor dem Haus, Marina kommt raus. Gonsky, als er Marina zum erstenmal erblickt ist er völlig sprachlos:

gonsky

Sch- sch. Sch-

marina

Was?

gonsky

Sch-schickes Kostüm..

Diesmal hat es Gonsky erwischt: er ist von Marina auf Anhieb fasziniert. Marina lässt ihn einfach stehen und eilt weiter.

marina

Taxi!

 

int. neubau

Ein Altpapier-Container neben dem Haustor, Schellak schmeißt die Reklamezettel rein. Frau Pribil ist grad reingekommen.

frau pribil

Gestern haben Sie es mir noch bis zur Wohnungstür gebracht. Das Post-Service lässt auch immer mehr nach.

 

EXT. VOR neubau

Gonsky vor dem Haus, Schellak kommt raus.

schellak

Ich hab sie.

Gonsky

Hast du die gesehen.

schellak

Hast du gehört. Hab sie gefunden.

Gonsky

Die Frau. Da vorn, die ist- die ist-

Sie sehen Marina in ein Taxi einsteigen, und davonfahren.

schellak

Das Trumm hat sich irgendwie verspießt, man kriegts nicht raus.

gonsky

Ich hab geglaubt mich trifft der, der-

schellak

Hast du was zu ihr gesagt?

gonsky

Gesagt. Was.

schellak

Was nonchalantes. Cool und locker.

gonsky

Ich hab zu ihr gesagt: sch.. Scheisse.

schellak

Du hast "Scheisse" zu Ihr gesagt? Cool.

gonsky

Nein, ich hab.. ich weiß nimmer.

Er sieht Schellak zerkratzt von der Katze.

gonsky

Wie schaust du aus. Bist du da drin überfallen worden. Posträuber?

 

 

ext. vor bezirksamt – tag

HOCHZEITSGESELLSCHAFT vor dem Bezirksgericht.

Marinas EXMANN im Sakko wartet ebenfalls vor dem Bezirksgericht, er raucht. Marina kommt mit dem Taxi. Exmann schmeißt seine Zigarette weg.

Marina

Hallo.

Er will ihr ein Bussel geben, aber sie wendet sich ab und lässt sich nur auf die Wange küssen.

eXemann

Schick schaust du aus.

Marina

Du stinkst nach Rauch.

Sie geht zielstrebig ins Bezirksamt, Ehemann folgt.

eXmann

Was rennst du denn so. Hast du einen

Käfer im Hintern.

marina

Ich möchte das einfach hinter mir haben, endlich. Ein für alle mal.

eXmann

Mara, wieso können wir nicht noch einmal drüber reden, so wart doch-

marina

Ich sag: Nein.

Beide ins Bezirksamt.

marina (OFF)

Du hast WAS? Vergessen?

Beide kommen wieder raus, Marina wütend.

marina

Kein Mensch ist so ein Schwachkopf, dass er aufs Gericht zum Scheidungstermin kommt und keinen Ausweis mithat!

Die Hochzeitsgesellschaft schaut etwas unbehaglich. Ein KIND kleckert mit seinem Eis herum und kriegt dafür eine Watschen.

exmann

Hab mein Führerschein im Auto lassen.

marina

Ja, und? Wo ist das Auto? Dann hol den Führerschein.

exmann

Ja weißt du, das Auto- ich habs momentan grad nicht, dings. Zur Verfügung. Vorübergehend.

marina

Du hast das Auto versetzt?!

Exmann

Nicht direkt versetzt. Sicherstellung quasi als Kredit. Nur vorübergehend, gewissermaßen.

Marina  

Ich glaube es nicht. Ich kanns nicht glauben. Du Scheißkerl gehst einfach her und versetzt MEIN Auto!

Sie lässt ihn einfach vorm Bezirksamt stehen und geht davon.

marina

Ich kanns einfach nicht glauben ..

 

ext. vor würstelstand

Gonsky, Schellak mit Briefträgermütze und Werkzeugtasche.

Schellak

Stromzähler-Ablesung. Gaskassier. Zeugen Jehovas mit dem Wachturm. Pizza-Express, Hauszustellung.

gonsky

Was glaubst du, wer sich eine Pizza ins Badezimmer liefern lässt. Wenn er gar keine bestellt hat.

schellak

Bei der Madame mit dem Hund könnt ich mirs schon vorstellen.

Wieso knacken wir die Tür nicht auf und holens uns. Hab einen Film gesehen, da ist der mit einer Kreditkarte durch alle Türen bis ins Pentagon. Nein, bis ins Schlafzimmer von der Queen.

gonsky

Spinnst du. Wir sind doch keine Einbrecher.

schellak

"Wir sind keine Einbrecher" sagt der. Der meistgesuchte Spinner seit Mission Impossible oder wasweißich. Der Andrea-komm-heim-Spinner.

gonsky

Elli, nerv mich nicht mit deinem Film-Zeugs.

Gonsky zwinkert einer attraktiven PASSANTIN zu. Passantin lächelt zurück.

schellak

Möchte wissen wie das hergeht. Dass die Frauen auf so jemand wie dich fliegen.

gonsky

Ich krieg jede.

schellak

Du kriegst jede. Möchte ehrlich gern wissen wie das hergeht.

gonsky

Jede. Also, fast jede.

Sie gehen. Sie kommen an einer Elektrohandlung vorbei, Fernseher in der Auslage. Ein Polizei-Video: wie grad einer verhaftet wird.

schellak

Wie kommt man in ein fremdes Bad, ohne dass man wegen Einbruch dran ist.

GONSKY

Wenn man gar nicht einbrechen muss. Weils kein fremdes Bad ist. Wenn man dort zum Beispiel auf Besuch ist.

schellak

Besuch, wie denn. Glaubst du, die wird dich zum Besuch einladen wenn sie dich gar nicht kennt.

gonsky

Noch nicht kennt. Das muss ja nicht so bleiben.

 

EXT. STADTPARK – TAG 

Schellak lugt hinter einer Statue im Stadtpark hervor. Gonsky in Jogging-Kleidung, Handtuch über der Schulter. Er zündet sich eine Zigarette an. Jetzt verhustet er sich, weil ihm Schellak auf den Rücken haut, zum Startsignal:

schellak

Gib Gummi. Du kriegst jede.

Gonsky schmeißt die Zigarette weg und läuft los.

Marina beim Joggen. Sie hat den Walkman auf. Da ist auf einmal Gonsky neben ihr und versucht Schritt zu halten.

Gonsky

Hallo-

will er grüssen, aber bevor Marina von ihm Notiz nimmt kriegt er einen Hustenanfall und muss zurückbleiben.

SPÄTER. Neuer Versuch: Marina kommt einher gelaufen. Gonsky passt sie hinter der Statue ab und läuft neben ihr einher.

Gonsky

Hallo.

Er hat Mühe, Marinas zügiges Tempo mitzuhalten.

gonsky

Laufen Sie auch jeden Tag da?

Marina

(nimmt Kopfhörer ab)

Was?

gonsky

(atemlos)

Ob Sie- schnauf- auch- laufen?

Rossini, hab ich recht.

Hört er aus Marinas Walkman.

marina

Was soll das werden, wollen Sie mich anbaggern?

Gonsky fällt immer weiter zurück, Marina läuft ihm mühelos davon. Er schnauft. Er kramt eine zerknitterte Zigarettenpackung aus seiner Jogging-Hose: leer, er schmeißt sie fort.

Marina

(läuft davon)

Tschüss!

Gonsky muss stehen bleiben, atemlos. Da ist Schellak, er gibt ihm das Handtuch zum Schweißabwischen.

schellak

Und. Nonchalant locker-flockig geplaudert?

gonsky

(schnauft)

Unmotorisiert wird das nix.

 

ext. vor neubau – auto gonsky - tag

Marina im Kostüm. Taxi hält an, sie steigt ein.

schellak (off)

Der Cassini hat dreimal weinen müssen?

Gonsky und Schellak sitzen im Auto nahe dem Haus geparkt. Sie beobachten Marina wie sie in das Taxi steigt und wegfährt. Sie essen Pizza vom Pappendeckel.

gonsky

Rossini, der Komponist. Ich habs gelesen. Erstens als Baby, wie er auf die Welt gekommen ist, logisch. Zweitens wie er einmal den Caruso ein hohes C versemmeln hört. Und drittens: wie ihm einmal aus Versehen sein Gabelfrühstück in den Gardasee geplumpst ist.

schellak

Rossini kenn ich. Da gibts einen Film über den.

gonsky

Elli, die Welt besteht noch aus paar anderen Sachen als nur aus Film.

schellak

Aus was für Sachen denn.

 

ext. vor neubau – anderer tag

Marina in anderem Kostüm wartet vor dem Haus. Sie hat ihren Laptop dabei. Ein Taxi kommt heran. Plötzlich schert ein zweites Taxi davor ein und schnappt den Fahrgast weg: es ist Gonskys Auto, mit der Taxi-Reklameleuchte am Dach. Marina steigt ein.

 

EXt. auto gonsky - fahrt

Marina am Rücksitz ist gleich nach dem Einsteigen mit ihrem Laptop beschäftigt. Sie nimmt ihre Lesebrille heraus.

marina

Pappenheimerring sieben.

Der Taxifahrer ist Gonsky, mit Sonnenbrille getarnt.

gonsky

Marina Ricci, hab ich recht.

Marina

(ohne aufzublicken)

Wie bitte.

gonsky

Ihr Parfüm, das riecht hinreißend.

Wenn man das sagen darf.

marina

Ich bin ein bissel spät dran, wenns

Ihnen nix ausmacht.

Weil sie mit ihrem Laptop konzentriert ist nimmt sie keine Notiz, wer der Fahrer ist. Gonsky beobachtet sie heimlich im Rückspiegel. Auf dem Autodach hat er wieder seine falsche Taxi-Leuchte.

 

EXT. VOR AMTSGEBÄUDE – TAG 

Gonskys Auto vor einem Gebäude BUNDES-POLIZEIDIREKTION.

Marina gibt Gonsky einen Geldschein nach vorn ohne ihn anzuschauen, sie hat es eilig. Sie steigt aus.

marina

Stimmt schon, danke.

Gonsky schaut Marina nach, wie sie in das Polizeigebäude geht. LEUTE grüßen Marina, sie ist im Haus offenkundig bekannt.

Gonsky steckt das Geld ein.

 

Int. xy-versicherung

MAG. BONIGL, MAG. MALINGER, beide vom Versicherungsvorstand. HILLARY und TENSING, Versicherungsdetektive. Sie hören die Anrufe von der Andrea-komm-heim-Hotline ab.

anrufer 1

Wir haben die Andrea in unserer Gewalt, und wir verlangen den sofortigen Stopp von Tiertransporten und das Verbot von Käfigtierhaltung und wenn unsere Forderungen nicht unverzüglich erfüllt werden, dann wird die Andrea vernichtet.

anrufer 2

Ecco, wir haben Andrea in die Gewalt verstehst du und Sie können haben zurücke aber wir nehmen nix Schecke ey, nurre Bargeld cash ey gebrauchte Scheine verstehst du ey?

anrufer 3

Sie, eins kann ich Ihnen gleich sagen mit 70 lumpigen Scheinen brauchen Sie mir nicht daherkommen aber mit sagen wir einer Million, in der Größenordnung, da könnte man schon eher ins Gschäft kommen, da lass ich eventuell mit mir handeln. 

bonigl

Lässt sich von dem Schmarrn da irgendwas zurückverfolgen.

hillary

Manche ja, manche nein.

tensing

Praktisch nix ernst zu nehmendes dabei.

bonigl

Ernst nehmen müssen wir vorerst einmal alle Hinweise, das brauche ich Ihnen sicher nicht extra zu erklären.

malinger

Wir nehmen die Sache äußerst ernst. Sehr, sehr ernst ist das, nichtwahr. Die ganze Sache.

hillary

Irgendwann ruft vermutlich auch derjenige an der die Andrea tatsächlich hat. Einer von den Anrufern kann theoretisch der echte sein. Fragt sich nur welcher.

tensing

Den muss man halt herausfiltern.

hillary

Den müssen wir herausfiltern.

bonigl

Herausfiltern, schön. Sehr schön. Und wie wollen wir da vorgehen. Wie schaut unsere Strategie im einzelnen aus.

malinger

Unsere Vorgehensweise, im Detail, wie wird das ausschauen, konkret.

hillary

Indem wir ALLE Anrufer abchecken. Jeden einzelnen. Auf die Weise stoßen wir dann irgendwann unweigerlich auf den echten, so geht uns keiner durch die Finger.

tensing

Flächendeckende Ermittlungen quasi, um die Spreu vom Weizen zu trennen. So wird der echte Täter von den anderen Spinnern herausgefiltert.

hillary

Das ist unsere Strategie.

bonigl

Das wird massiv dauern.

malinger

Das könnte unter Umständen sehr sehr zeitaufwendig werden.

hillary

Ja dauern könnte es allerdings ein bissel.

 

ext. vor cafe bea – tag

Gonsky und Schellak. Die Taxileuchte auf dem Dach von Beas Auto ist nur provisorisch. Gonsky nimmt sie runter und tut sie in den Kofferraum.

schellak

Die muss nicht unbedingt selber eine Polizistin sein. Gibt auch Zivile.

 

INT. CAFE BEA – TAG 

schellak

Sekretärin oder sowas.

gonsky

Nein die muss was Höheres sein. Die ist dort von allen gegrüßt worden.

-

Jetzt haben wir fünfzig Millionen hinter den Kacheln, und wo? Im Bad von der Frau Polizeidirektor. Ein echter Witz ist das.

schellak

Also vom Typ her ist die ja eher die klassische Fehlbesetzung. Für eine Polizistin.

gonsky

Dafür gewinnst du einen Oscar als Postler.

 

int. xy-versicherung

Hillary und Tensing allein.

tensing

Wo fangen wir an. Mit dem Ausfiltern.

hillary

Der eine Anruf, das war doch was ziemlich konkretes, lass noch einmal hören. Von wo hat der angerufen?

Tensing spielt die Aufnahme nochmal ab.

Die diversen Anrufer von der Andrea-komm-heim-Hotline:

anrufer 5

Und wenn Sie mir die siebzigtausend rechtzeitig bis morgen nachmittag überweisen dann schick ich Ihnen die Andrea zurück, ich geb Ihnen jetzt meine Kontonummer durch, falls Sie was zum mitschreiben haben: Raiffeisenkassa Podersdorf, Girokonto Nummer-

hillary

Nicht den Schwachkopf. Den anderen. 

anrufer 4

You may get back your Andrea if you’re interested, gentlemen, but only at our conditions, you know. We’re sure you understand. If you have will contact us-

HILLARY

Von woher kommt der Anruf.

tensing

Honolulu. Hawaii.

hillary

Nein, dort ist es jetzt viel zu heiß um die Jahreszeit. Ich meine den anderen. Den von der Mafia oder wasweißich.

anrufer 2

Ecco, wirre haben Andrea und Sie können haben zurücke aber wirre nehmen nix Schecke ey-

tensing

Toscana. Bella Italia.

hillary

Ich schlage vor dort sollten wir als erstes ansetzen, mit dem Herausfiltern.

 

ext. vor wettcafe – tag

Exmann kommt heraus, er zerreißt ein paar Wettscheine und streut sie in den Wind. Er zündet sich eine Zigarette an, er sieht nicht dass HECKLER und KOCH grad aus einem Auto aussteigen.

heckler

Der Karo. Alles im Griff?

exmann

Alles im Griff. Alles im grünen Bereich. Keine Sorgen.

heckler

Ich mach mir keine Sorgen.

exmann

Du kriegst dein Geld wieder, brauchst dir keine Sorgen zu machen.

heckler

Fein. Keine Sorgen. Hört man gern.

exmann

Momentan häng ich bissel durch, aber ich komm jetzt auf die Gewinnerstraße, wirst schon sehen. Nur kein Stress.

Heckler wischt ihm ein Stäubchen von der Schulter. Exmann zuckt.

heckler

Ich hab keinen Stress, Karo. Ich mache Stress.

exmann

Ich zahle meine Schulden, wenn ich sage ich zahle sie, kannst du mir glauben, echt jetzt, ich zahl alles zurück.

heckler

Hast du gehört? Der Karo. Er zahlt seine Schulden zurück, sagt er.

Exmann fühlt sich unbehaglich. Koch nimmt ihm seine Zigarette weg und steckt sie ihm in die Jackentasche. Er klopft ihm aufmunternd auf die Schulter.

Heckler und Koch gehn ins Wettcafe rein. Aus der Jackentasche des Exmanns raucht es, hektisch schlägt er darauf rum.

 

INT. BÜRO MARINA – TAG 

Marina am Laptop. HANDY LÄUTET:

marina

Weingart? - NEIN!

Sie legt gleich wieder auf.

 

ext. vor wettcafe

Exmann ruft nochmal am Handy an.

exmann

(am Handy)

Mara! Mara, leg nicht gleich auf, es ist- bitte hör zu. Diesmal ist es wirklich was ernstes.

marina

Was Ernstes. Ist nicht dein Ernst.

exmann

Es wäre gar nicht so viel, also vergleichsweise. Ich meine, eher überschaubar.

Marina

Frag mich JA nicht.

exmann

Du kriegst es wieder. Es wäre das letzte Mal, ehrlich Mara. Das allerletzte Mal.

marina

Das allerletzte Mal WAR bereits. Kapier das. Allerletztes Mal gibts keines mehr.

ExMANN

Aber diesmal kannst du mirs glauben.

Marina

Ich kann dir WAS? DIR glauben. Das kann ja nur ein Witz sein.

exmann

Mir ist das total ernst. Die wollten mich anzünden.

marina

Ich meine es auch ernst. Hörst du: du kennst meine Antwort. Die ist Nein.

exmann

Ich bin erledigt. Die werden mich killen.

marina

Ja, meinen Segen haben die dazu.

Exmann

Mara Schatz, du musst mir-

AUFEGLEGT. Aus der Jackentasche des Exmanns qualmt es wieder, er zieht sie aus und trampelt auf dem Boden drauf herum.

 

int. büro marina

Auf Marinas Laptop eine Webseite über den Andromeda-Diebstahl. Wieso interessiert sie sich dafür?

Ihr Handy LÄUTET wieder, sie hebt nimmer ab.

 

Ext. vor amtsgebäude – Auto gonsky – tag

Gonsky sitzt in seinem Auto. Im AUTORADIO hört er eine Kassette mit FRANZÖSICH FÜR ANFÄNGER:

im radio

Darf ich Sie zum Essen einladen?

Puis-je vous inviter pour dinér?

Gonsky

Puis-je vous inviter pour dinér.

im radio

Möchten Sie etwas trinken?

Voulez-vous quelque chose a boire?

gonsky

Voulez-vous coucher avec moi.

Er steht im Halteverbot. Ein POLITESSE schreibt ihm einen Strafzettel.

gonsky

Puis-je vous inviter pour dinér?

politesse

Voulez-vous Anzeige oder gleich cashen?

Gonsky bezahlt den Strafzettel mit dem Geld das er von Marina gekriegt hat.

gonsky

Ich steh auf Uniformen. Haben Sie

auch einmal dienstfrei?

Politesse ab.

 

Gonsky sieht, dass Marina aus dem Polizeigebäude rauskommt.

Am Beifahrersitz hat er die Taxileuchte, er heftet sie aufs Autodach.

Der Exmann hat irgendwo gewartet, er fasst Marina am Arm.

Marina

Lass mich aus.

Exmann

Marina hör mir zu bitte, Herrschaft nochmal- was ist los mit dir?

Gonsky beobachtet, wie sich Marina aus dem Griff des Exmanns losmachen will. Sie haut ihm ihren Laptop auf den Kopf.

exmann

Au, spinnst du! Mara wir sind verheiratet!

marina

Nein, sind wir nicht. Nimmer lang.

Das hättest du nur gern.

exmann

Wenns nicht so dringend wäre, glaub

mir, ich würd dich auch nimmer-

marina

Taxi!

Marina sieht das Taxischild auf Gonskys Auto, sie will den Exmann loswerden. Sie steigt ein. Exmann will sie nicht weglassen und steigt ebenfalls ein.

marina

Verschwinde endlich! Steig aus! Wenn du mich nicht zufrieden lässt-

Sie holt ihr Handy raus. Gonsky beobachtet ihren Streit im Rückspiegel.

gonsky

Wer, äh- wer fährt aller mit?

Exmann

Wir reden grad.

marina

Der fährt nicht mit.

Marina

(wählt am Handy)

Ich ruf jetzt da drin an und in vier Sekunden hast du die Alarmabteilung  am Hals, ich schwörs dir.

Exmann

Red mit mir, verflucht- tu das weg.

Marina

Au! Du tust mir weh, du-

Exmann will ihr das Handy wegnehmen. Gonsky sieht das Gerangel im Rückspiegel. Er steigt aus und hält dem Exmann die Autotür auf.

gonsky

Aufhören, das geht da nicht. Steig aus.

Marinas Handy fällt irgendwo im Auto zu Boden, unbemerkt.

gonsky

Du sollst aussteigen!

Er zieht den Ehemann am Sakko, der steigt widerwillig aus. Gonsky steigt wieder vorn ein.

gonsky

Zisch ab, du Depp.

Er fährt los. Die Taxileuchte fällt vom Autodach. Exmann bleibt allein zurück.

 

ext. auto gonsky - fahrt

Marina hat an der Stirn einen kleinen Kratzer abgekriegt, Gonsky sieht das im Rückspiegel. Er holt Kleenex aus dem Handschuhfach und gibts ihr nach hinten.

Marina

Was läuft da. - Ich rede mit Ihnen.

GONSKY

Ich weiß nicht. Was läuft?

marina

Wieso verfolgen Sie mich.

Marina tupft ihre Stirn mit Kleenex.

marina

Sie wissen genau, was ich meine. Marina Ricci, der Rossini, die Jogging-Nummer im Stadtpark, und jetzt diese Taxi-Nummer. Was soll das.

gonsky

Ich wollte Sie kennenlernen.

Marina

Sie wollten mich kennenlernen. So läuft das, ja?

gonsky

So läuft das.

marina

Dann wissen Sie ja vermutlich eh schon wo ich wohne. Wohnpark Neugasse. Fahren Sie mich heim. Und außerdem heißt das Nina, Nina Ricci.

gonsky

Sie riechen wirklich toll, hinreißend um genau zu sein.

marina

Und ich will jetzt endgültig nichts mehr hören von Ihnen. Sonst rufe ich wirklich das Einsatzkommando an.

 

ext. vor neubau – auto gonsky

Gonsky hat vor dem Haus angehalten.

marina

Fragen Sie mich jetzt JA nicht.

gonsky

Ehrlich gesagt hätte ich jetzt schon gern gefragt, ob wir uns nicht vielleicht-

marina

Wehe, Sie fragen.

Gonsky

-einmal treffen könnten, Kaffee vielleicht oder sowas.

marina

Hundertprozentig nicht.

gonsky

Bissel plaudern.

Marina

Ich hab weißgott schon genug um

die Ohren, verstehen Sie mich?

Gonsky

Vielleicht im nächsten Leben?

marina

Ganz bestimmt nicht. Machen Sie sich keine Hoffnungen.

Sie steigt aus und geht ins Haus.

gonsky

Die Hoffnung stirbt zuletzt, würde ich sagen.

 

Int. Xy-versicherung

Vorstands-Krisensitzung. Bonigl, Malinger, VERSICHERUNGSMENSCHEN.

BONIGL

Konkret stellen sich drei Optionen. Option eins: die Andromeda kommt zurück, irgendwer kriegt von uns einen Scheck über 70.000, der Dings, der Direktor-

malinger

Schöps, Direktor Schöps.

bonigl

-der Schöps kriegt das Ding zurück, stellt es wieder in sein Museum, und wir haben die Sache vom Tisch.

Option, dings-

MALINGER

Zwei.

bonigl

Option zwei: es stellt sich heraus, die haben die Andromeda eingeschmolzen auf Bruchgold, Restwert plus/minus null. Das wäre aus Versicherungssicht der Super-Gau. Dann wird die volle Schadenssumme fällig, und wie hoch die ist, ist uns ja allen bekannt.

malinger

Fünfzig Millionen Euro.

Bonigl

Das wäre ein teurer Spaß, für unser Institut.

malinger

Das würde empfindlich ins Geld gehen.

bonigl

Wie Sie sich vorstellen können.

malinger

Empfindlich, sehr empfindlich.

versicherungsmensch 1

Option drei.

bonigl

Option drei ist die Situation, die wir momentan grad vorliegen haben. Der Status Quo. Die Andromeda ist weg, keiner weiß wer sie hat, wie auch immer, schuld ist nach derzeitigem Stand der Dinge das Museum selber. Eigenverschulden weil mit der Sicherheit geschlampt wurde. Solang das in der Schwebe ist und sich keine anderen Erkenntnisse über den tatsächlichen Tathergang auftun, solang halten wir natürlich jegliche Schadensersatzzahlungen zurück.

malinger

Solang es keine neuen Erkenntnisse über den Tatverlauf gibt werden von unserer Seite keinerlei Zahlungen erfolgen.

versicherungsmensch 1

Was wären das für Erkenntnisse.

bonigl

Was die Einhaltung der Sicherheitsvor­kehrungen betrifft. Dass es da entgegen unserer bisherigen Vermutung KEINE groben Mängel gegeben hätte. Also die Vorgangsweise des oder der Täter tatsächlich so raffiniert war dass dem Museum kein Eigenverschulden vorzuwerfen wäre.

versicherungsmensch 1

Darüber kann nur der Täter verlässliche Auskünfte geben.

malinger

Ausschließlich der, respektive die, Täter selber.

versicherunsmensch 1

Resümee: die Andromeda wäre hin, und

der Täter würde die Angaben der Museumsleitung verifizieren, dass mit der Sicherheit eh alles in Ordnung war. Das wär praktisch der Worst case.

malinger

Aus Versicherungssicht.

versicherungsmensch 1

Wie dringend liegt es also ÜBERHAUPT im Interesse der Versicherung, dass das herausgefunden wird.

bonigl

Wollen wir einmal den Dings nicht an die Wand malen, nichtwahr.

malinger

Den Teufel.

bonigl

Selbstverständlich arbeiten unsere Leute rund um die Uhr an der Klärung der Sache, mit vollem Einsatz.

malinger

An der restlosen Aufklärung der Sache.

 

Ext. trattoria

Hillary und Tensing machen sich ein schönes Leben in Bella Italia. Sie tafeln fürstlich mit ein paar MAFIOSI-FIGUREN.

 

EXT. EIN PARKPLATZ VOR TRATTORIA

Mafiosi zeigen Hillary und Tensing ein paar gestohlene Kunstobjekte, im Kofferraum eines Autos. Keines davon schaut der Andromeda ähnlich. Hillary schüttelt bedauernd den Kopf. Aber sehr groß dürfte sein Bedauern nicht sein, alle gehen wieder rein und feiern weiter, auf Versicherungsspesen.

 

Ext. vor cafe bea – tag

Gonskys Auto vor dem Cafe.

schellak (OFF)

Ich habs im Film gesehen, kein Schmäh-

 

int. cafe bea

schellak

-da fitzelt sich einer mit einer Büroklammer und einer Kugelschreiber-Mine bis ins Führer-Hauptquartier. Bis in die Nationalbank undsoweiter.

gonsky

Wir sind aber nicht im Film.

Bea bringt ihnen Essen.

bea

Was kocht ihr zwei schon wieder aus.

schellak

Wir arbeiten an einem Projekt quasi, am sogenannten Andrea-komm-heim-Projekt.

gonsky

Nix verraten.

bea

Andrea. Wer ist die jetzt wieder. Ein Mädel?

schellak

Wie der Theo die Andrea in seine Finger kriegen kann.

gonsky

Du sollst nix verraten, hörst du schlecht.

bea

"Der Theo will die Andrea in die Finger kriegen". Theo, was soll das jetzt schon wieder heißen.

Schellak

Der Theo kriegt alles, was nicht zu schnell rennt.

bea

Dann kann ich der Andrea nur raten:

renn was du kannst.

(Bea ab.)

gonsky

Sag spinnst du. Warum kannst du deinen Schnabel nicht halten. Die Andrea, das soll doch eine Überraschung für die Bea sein.

TÜRKLINGEL

 

int. wohnung marina - nacht

Marina lugt durch den Türspion: es ist Kitty. Marina öffnet.

marina

Kitty.

kitty

Hör dir das an Marina: das musst du dir unbedingt anhören.

Sie nötigt Marina den Kopfhörer von ihrem Walkman auf.

kitty

Hörst du’s? Was sagst du dazu.

marina

Ja, ich weiß nicht recht. Grauenhaft,

oder? Nein? Schön?

kitty

Pass auf die Dschiwaps auf: Dschiwap dschiwap, hörst du die?

marina

Ich hörs. Ist toll. Komm schon rein.

Sie lässt Kitty rein. Kitty hat Sekt mit.

kitty

Das sind die Red Hot Chile Salpeters. Und die Dschiwaps bin ich. Was sagst jetzt.

marina

Du bist die Dschiwaps?

kitty

Bingo. Ich und noch zwei andere. Wir singen immer das Dschiwap dschiwap, Dschiwap dschiwap. Trara! Deine leibhaftige langjährige beste Freundin singt höchstpersönlich auf einer CD.

Marina

Kitty wir sind Nachbarn, paar Wochen erst.

Kitty setzt sich auf die Couch ins Wohnzimmer.

kitty

Na und, bin ich deswegen vielleicht nicht deine beste Freundin?

 

Marina

Na ja. Bist du wahrscheinlich eh,

natürlich. Ja, bist du.

kitty

Na bitte. Und mit wem willst du dann sonst feiern.                                   

SPÄTER: Marina und Kitty auf der Couch. Sie trinken Sekt aus der Flasche. Kitty hat Marinas Katze.

Kitty

Aber wieso hast du so einen Arsch  überhaupt geheiratet? Kapier ich nicht.

marina

Der war ja nicht immer so. Der war unglaublich charmant, der war lieb, und der, ich hab den ja wirklich lieb gehabt. Bevor wir geheiratet haben hab ich ja noch nichts davon gewusst dass der ein Spieler ist. 

kitty

Spieler, du meinst um Geld. Ein Zocker?

marina

Unsummen hat der verspielt, ein Vermögen. Der Mann ist krank. Dem ist nimmer zu helfen. Dann hat es damit angefangen dass er an mein Geld gegangen ist. Das Blaue hat der mir vom Himmel herunter erzählt, wofür ers braucht, und ich hab ihm immer wieder geglaubt.

kitty

Nicht gut.

marina

Das war das Schlimmste dran, diese ständigen Lügen, diese ganze Unaufrichtigkeit, seit wir verheiratet waren hat mir der nichts als Unwahrheiten aufgetischt. Man kommt eben oft erst viel zu spät drauf. Es war ein Fehler. Aber ich lass mich von keinem Mann mehr abkochen. In diesem Leben nimmer. Das Kapitel ist für mich erledigt.

Sie trinken Sekt. Kitty hat die Katze.

kitty

Wie heißt der.

Marina

Karo. Eigentlich Karl, aber Karo sagen alle.

kitty

Nein, ich mein deinen Ex.

marina

Ja, der heißt auch so. Hab den kleinen Schmusekater damals nach ihm genannt.

Hab mir schon überlegt, ob ich ihn kastrieren lasse.

 

ext. vor cafe bea – auto gonsky – nacht

HANDY LÄUTET.

Marinas verlorenes Handy LÄUTET: auf dem Rücksitz von Gonskys Auto, vor dem Cafe.

 

INT. WETTcafe – NACHT

Exmann an einem Tisch, er versucht vergeblich Marina am Handy zu erreichen: logisch dass sie nicht abhebt. Er raucht.

Heckler und Koch kommen ins Lokal. Exmann dämpft rasch die Zigarette aus. Sie setzen sich zu ihm.

heckler

Wie schauts aus.

exmann

Dummerweis hab ich das Geld grad nicht eingesteckt, ich arbeite grad dran, muss nur telefonieren, dings- nichtwahr, Telebanking quasi-

Heckler legt ihm freundlich den Arm um die Schulter. Exmann schaut unbehaglich drein.

Heckler

(zu Koch)

Du hast doch ein Messer. Hast du ein Messer?

Koch

Ich hab einen dings, einen Leatherman.

Heckler

Leg es raus. Leg es auf den Tisch da.

Koch holt sein Taschenmesser raus.

Koch

Soll ichs aufmachen?

Heckler

Leg es da her. Er soll sichs anschauen.

Er nimmt sich eine Zigarette vom Exmann.

heckler

Darf ich.

eXmann

Hab leider kein Feuer.

heckler

Karo, hör zu. Du hast doch eine Frau, oder. Hast du eine Frau?

exmann

Ja- sicher. Also genaugenommen-

Heckler

Kinder?

Exmann

Kinder keine.

Heckler

Karo was braucht ein Mann alles zum Kindermachen.

exmann

Zum Kindermachen? Wieso fragst du.

heckler

Was braucht ein Mann dafür.

exmann

Eine Frau?

heckler

Du weißt, was ein Mann zum Kindermachen braucht. Ohne das gehts nimmer. Was meinst du würde deine Frau dazu sagen, wenn du eines Tages heimkommt und Kindermachen geht nimmer. Weil wir einen kleinen Eingriff haben vornehmen müssen, du verstehst was ich meine. Wäre deine Frau davon begeistert, meinst du?

exmann

Hör zu, du weißt dass du das Geld zurück kriegst. Du weißt es. Ich bin ein bissel im Verzug, okay aber-

heckler

Ich weiß, dass ichs zurück krieg.

exmann

Du weißt es. Du kriegst es.

Heckler

Ich weiß dass ichs kriege. Karo, ich mach keinen Spaß. Zwei Raten sind fällig.

Heckler steht auf, Koch steckt sein Messer weg.

heckler

Ist das angekommen? Zwei Raten. Überfällig. Bei dir brennt es.

Sie gehen. Exmann schaut verunsichert nach, ob es in seiner Jackentasche wieder brennt.

 

ext. vor cafe bea – nacht

Gonsky kommt mit Zigaretten vom Automaten.

HANDY LÄUTET. Gonsky holt sein Handy hervor, aber das läutet gar nicht. Er bemerkt, dass es aus seinem Auto kommt. Er sperrt auf und findet Marinas verlorenes Handy. Er hebt ab und meldet sich:

gonsky

Ja? Taxi.

 

int. wohnung marina – nacht

Marina inzwischen allein, sie telefoniert am Festnetz:

marina

Glauben Sie jetzt ja nicht, dass wir schon im nächsten Leben wären.

gonsky

Schade.

marina

Ich brauche mein Telefon wirklich wieder, meine ganzen Nummern sind drin.

gonsky

Ich kann es Ihnen vorbei bringen.

marina

Nein nein nein. In die Wohnung kommen Sie mir ganz bestimmt nicht.

SPÄTER: Gonsky geht ins Cafe. Er wählt mit Marinas Handy seine eigene Nummer, sein Handy LÄUTET. Jetzt hat er Marinas Handynummer auf seinem Handy gespeichert.

gonsky

Wird sich herausstellen.

 

EXT. VOR AMTSGEBÄUDE – TAG 

Gonsky wartet vor dem Polizei-Gebäude, er hat sein Sakko an. Er hat eine Rose dabei.

Marina kommt raus, er will ihr die Rose geben.

marina

Sie geben nicht auf.

gonsky

Nein. Das kann ich nicht so einfach.

Er gibt Marina ihr Handy zurück.

marina

Danke jedenfalls.

gonsky

Puis-je vous de vous violer?

UT: "DARF ICH SIE EIN WENIG VERGEWALTIGEN?"

Marina

Was?

Gonsky

Ein Kaffee, was ist schon dabei. Ein Kaffee ist nichts unanständiges.

Marina

Ich hab schon einmal nein gesagt.

gonsky

Sie brechen mir das Herz.

marina

Danke für mein Telefon. Tschüss.

Exmann kommt auf sie zu.

Marina schnappt Gonsky kurzentschlossen unterm Arm und bugsiert ihn richtung ein Cafe in der Nähe.

marina

Okay. Da drüben.

eXmann

Mara, warte auf mich!

marina

Verschwinde. Ich will dich nicht sehen.

eXmann

Mara ich wollte mich entschuldigen.

Tut mir alles ehrlich leid, wirklich.

marina

Das interessiert mich nimmer.

eXmann

Ich kann dir alles erklären, lass uns miteinander reden.

marina

Du sollst mich zufrieden lassen.

eXmann

Hör mir wenigstens zu.

gonsky

Was ist los mit dir. Hörst du schlecht was die Dame sagt.

eXmann

Wer ist das? Wer sind Sie. Sind Sie der Scheidungsgrund?

gonsky

Wiederschaun.

marina

(zum Exmann)

DU bist der Scheidungsgrund.

(zu Gonsky)

Kommen Sie schon. Sie haben mich überredet.

Sie hakt sich bei Gonskys Arm unter und steuert mit ihm auf das Cafe zu. Exmann bleibt zurück.

 

int. cafe

Gonsky und Marina beim Kaffeetrinken. Rose liegt auf dem Tisch.

gonsky

Haben Sie auch eine Uniform? Eine Waffe. Handschellen, Blaulicht, das alles.

marina

Nein, ich bin Juristin. Uniform haben wir schon, aber nur für offizielle Anlässe.

gonsky

Sie könnten mich verhaften, aber Sie könnten mich nicht erschießen.

marina

Ja, leider. Obwohls genug Momente gibt, wo man jemanden gern erschießen würde.

gonsky

In Frankreich darf man. Da kann einer ohne weiteres einem andern das Licht ausblasen und geht straffrei aus. Vorausgesetzt er ist verliebt, nachweislich.

marina

Wer sagt das?

gonsky

Ich kenn einen, der weiß das vom Film. Der kennt alle Filme. Sie sind doch Juristin.

marina

Das war ein Gesetz in den Fünfziger Jahren, Sie falscher Franzose.

Mittlerweile gibts Farbfilm.

SPÄTER: Gonsky am Schmähführen. Marina scheint seinen Schmäh doch irgendwie unterhaltsam zu finden.

gonsky

Der Rossini ist praktisch so gut wie nie aufgestanden, der hat auch im Bett komponiert. Einmal flattern ihm die Notenblätter unters Bett, und weil der zu bequem zum Aufstehen ist bleibt er liegen und komponiert lieber die ganze Ouvertüre noch einmal. Komplett neu.

marina

Ich glaub Ihnen kein Wort. Ich glaube Sie erfinden das alles.

Gonsky

Aber nein, ich weiß das aus erster Hand.

 

ext. vor cafe

Von draußen: Gonsky und Marina im Cafe unterhalten sich.

Eine BEDIENUNG bringt eine Vase für die Rose.

 

INT. CAFE

marina

Zwischen Schmäh erzählen und Lügen ist  sogar ein riesen Unterschied, den werden Sie doch kennen, ich bitte Sie.

gonsky

Wo genau.

marina

Über Schmäh kann ich lachen. Das ist ganz was anderes als wenn Sie mir gezielte Lügen auftischen würden.

gonsky

ICH erzähle Ihnen Schmäh? Ist mir rätselhaft wie Sie auf den Eindruck kommen.

marina

Wenn ein Mann eine Frau absichtlich anlügt, dann ist das wirklich was schlimmes. Wenn er sie mit Absicht hintergehen will.

gonsky

Sehe ich auch so. Eine Sauerei ist das.

marina

Wenn ich einem Mann jemals wieder draufkommen müsste dass er mich belügt, dann erschieß ich den wirklich.

gonsky

Da bin ich aber ganz- äh, dings, Ihrer Ansicht.

marina

Unaufrichtigkeit ist das Allerschlimmste was mir ein Mann antun kann.

gonsky

Versteh ich.

Ein Paar am Nebentisch. MANN raucht, FRAU vom Rauch gestört.

marina

Und rauchen hat der auch ständig müssen, grauenhaft. Das hab ich auch gehasst an ihm.

gonsky

Rauchen, ja- also Rauchen das ist wirklich das Letzte, da stimme ich Ihnen absolut zu. Grauenhaft.

marina

Haben Sie mal geraucht.

gonsky

Ich? Nein, um gottswillen. Würde mir

im Traum nicht einfallen.

marina

Wirklich, nie?

gonsky

Nein, Raucher das sind in meinen Augen dings, Verlierer sind das. Loser.

gonsky

Und jetzt lassen Sie sich scheiden weil der spielt, oder weil der raucht?

marina

Nein, ich lasse mich scheiden weil er mich anlügt.

gonsky

Ah. – Püschewuh invitee?

marina

Was war das?

gonsky

Püschewuh inviter pour dinér. Würden Sie einmal mit mir essen gehen.

marina

Wollen Sie mich überrumpeln. Oder wollen Sie nur das Thema wechseln.

 

ext. vor cafe

Marina und Gonsky kommen aus dem Cafe. Marina hat die Rose.

Aus dem Polizei-Gebäude kommen ein paar LEUTE raus, Feierabend.

marina

Hab meine Mittagspause bissel überzogen. Ins Büro brauch ich heut nimmer zu gehen.

gonsky

Wenn Sie ein Taxi brauchen: ich wäre grad  frei, zufällig.

 

ext. gonskys auto - fahrt – tag

Gonsky fährt, Marina am Beifahrersitz.

marina

Warum wollten Sie mich unbedingt kennenlernen.

gonsky

Wissen Sie es nicht?

marina

Sagen Sie mirs einfach. Haben Sie irgendwelche Hintergedanken.

gonsky

Hintergedanken, wieso sollt ich-

marina

Haben Sie welche? Ich frage halt.

 

ext. vor haus marina – tag

Gonskys Auto. Er begleitet Marina zum Haustor, sie hat die Rose.

marina

War ein netter Nachmittag. Danke fürs Heimfahren.

gonsky

Gibts ein nächstes Leben.

marina

Vielleicht. Wer weiß.

Sie gibt ihm die Hand. Sie geht ins Haus. Gonsky will sich endlich eine Zigarette anzünden. Dann überlegt er sichs anders und steckt die Zigaretten wieder weg.

gonsky

Vielleicht, sagt sie. Vielleicht, wer weiß. ICH weiß es. Weil ich weiß wie ein "Vielleicht" mit Untertitel ausschaut.

UT: "VIELLEICHT HEISST: GANZ BESTIMMT, AUF JEDEN FALL."

 

Int. wohnung marina - nacht

Marina legt eine Rossini-CD auf. Teures CD-Gerät.

Gonskys Rose in einer Vase.

 

EXT. baubüro – TAG

Schellak und Bauleiter.

bauleiter

Sind die Herrschaften wieder im Rennen. Fein. Ihr könnt morgen gleich wieder anfangen.

schellak

Könnte man nicht einmal über eine Anmeldung nachdenken.

bauleiter

Scherz, oder? Wollt ihr selber was verdienen und will ich was verdienen? Oder das Finanzamt.

schellak

Na ja. Wenn ich mich da jetzt so spontan aus dem Stand heraus entscheiden muss-

bauleiter

Na also.

 

ext. stadtpark – tag

Marina und Kitty beim Joggen im Park. Während sie joggen:

kitty

Er sagt witzige Sachen?

marina

Naja, nicht nur. Wir haben uns auch ernsthaft unterhalten.

 

kitty

Ernsthaft unterhalten, du meinst wie mit einem intelligenten Lebewesen? Und du bist sicher, der war ein Mann, kein Außerirdischer oder sowas?

Marina

Wir haben viel miteinander gelacht.

kitty

Also, ich fasse zusammen: der ist intelligent, und der ist gebildet. Der erzählt witzige Sachen. Der baggert eine Frau mit abgefahrenen Slapstick-Aktionen an. Der bringt einen zum Lachen.

marina

Ja. Trifft im Prinzip zu.

kitty

Ich fasse es nicht. Du warst mit Woody Allen kaffeetrinken, Herzilein.

marina

Ich hab ja nicht gesagt, dass er so ausschaut.

kitty

Und? Triffst du den Wunderknaben wieder.

Marina

Weiß nicht.

kitty

Ja was denn. Was spricht dagegen.

marina

Ich hab seine Telefonnummer nicht.

kitty

Uups. Aber er hat deine.

marina

Keine Ahnung. Möglich wärs.

kitty

Scherz oder Ernst? Der hat dich nicht einmal nach deiner Telefonnummer gefragt? Dann isser schwul.

Marinas HANDY PIEPT. Ein SMS.

marina

Meine Nummer hat der jedenfalls.

kitty

Na, und was schreibt er?

Marina liest Gonskys SMS. Sie sagt nichts.

kitty

Was ist jetzt. Wirst du rot? Schreibt

der was Unanständiges.

marina

Nein ..

kitty

Sondern. Sag doch.

marina

Es ist nichts unanständiges.

kitty

Ach du liebe Zeit. Ein Liebesbrief. Ich halts nicht aus. Ein Romantiker ist der auch noch.

marina

Hör auf.

kitty

Es war die Nachtigall, hab ich recht.

marina

Du sollst aufhören.

kitty

Klar wirst du rot, ich seh doch dass du rot wirst.

 

ext. neubau 2 – Tag

Schellak und Gonsky mit Installationstürchen und Klodeckeln.

Schellak

Sie hat gesagt "vielleicht", na und. Vielleicht heißt überhaupt nix.

gonsky

Elli, du hast wirklich keine Ahnung.

Wenn eine Frau "nein" sagt, meint sie "vielleicht". Wenn sie "vielleicht" sagt, meint sie "ja".

schellak

Warum pressiert dir das überhaupt so mit der Andromeda. Du kannst der Bea doch längst eine andere am Flohmarkt kaufen.

gonsky

Um das geht es doch schon lang nimmer.

schellak

Um die Andromeda gehts NICHT? Um was geht es denn, bitte.

gonsky

Kapierst du das nicht? Ich muss die Andromeda aus dem Bad rauskriegen, bevor sie wer anderer findet. Sie selber womöglich.

schellak

Na, um das gehts doch die ganze Zeit.

gonsky

Weil die im gleichen Moment herausfinden würde warum ich ihr in Wirklichkeit den Hof gemacht habe. Nur weil ich in ihr Bad wollte.

schellak

Ja aber so wars ja auch.

gonsky

Ja so WARS. Aber so ist es nimmer.

schellak

Was sollte denn anders geworden sein.

gonsky

Alles ist anders.

schellak

Alles ist anders, alles anders. Was soll das heißen, "alles ist anders".

gonsky

"Alles anders, alles anders" - was ist los mit dir, bist du ein Papagei.

schellak

Was ist denn.

Gonsky will nimmer darüber reden.

schellak

Und sie ruft dich an.

gonsky

Ja.

schellak

Nicht vielleicht, sondern sicher?  

Gonsky

Elli, soll ich dir einen von den Klodeckeln über den Kopf hauen?

schellak

Hab einmal einen Krimi gesehen, da ist auch so ein Mädel bei der Polizei und die ruft auch einen an und-

 

INT. büro marina

Marina liest Gonskys SMS wieder, sie überlegt, ob sie anrufen soll. Schließlich ruft sie an:

marina

(am Handy)

Schreiben Sie allen Frauen solche SMS?

gonsky

(am Handy)

Nein.

marina

Machen Sie mir nur was vor?

gonsky

Ich habs wirklich so gemeint.

Marina

Ich muss zugeben, ich hab über Ihren Vorschlag nachgedacht.

gonsky

Über meinen Vorschlag.

marina

Übers Essengehen.

 

int. neubau 2

schellak

Und. Was ist.

gonsky

Was soll sein.

schellak

"Was soll sein". Was sagt sie?

gonsky

Wir gehen essen.

schellak

Wissen würde ich schon gern, wie du das machst.

gonsky

Was soll ich groß gemacht haben. Hab ihr ein SMS geschickt

schellak

Ja, aber was hast du ihr in dem SMS geschrieben?

gonsky

Na jedenfalls nichts davon, dass mir Sternzeichen sonstwo hinten vorbeigehen.

 

Int. Büro marina

Marinas Handy LÄUTET, sie hebt ab:

marina

Ja?

Aber es ist der Exmann, er ruft schon wieder an:

 

Int. wettcafe

exmann

(am Handy)

Hallo Mara, hör zu-

marina

Du schon wieder.

exmann

Kann ich heute einen Sprung vorbeikommen, okay, am Abend, ich komm vorbei und-

marina

Ich hab gesagt du sollst mich nimmer anrufen, lass mich zufrieden.

Sie schaltet ihr Handy aus und steckt es weg.

 

 

Ext. vor haus marina

Exmann lungert vor dem Haus herum. Frau Pribil kommt einher, als sie das Haustor aufsperrt, drückt er sich rasch an ihr vorbei ins Haus rein.

exmann

Erlauben.

FRAU pribil

So ein Rüpel, ein Benehmen ist das.

 

int. französisches Restaurant – nacht

Gonsky und Marina beim Franzosen. Gonsky im Sakko.

Ein GITARRIST.

Marina

Elektrotechnik. Das haben Sie studiert?

gonsky

Ich bin nicht fertig geworden.

marina

Warum haben Sie aufgehört.

Gonsky

Es ist was dazwischen gekommen.

Marina

Erzählen Sie mirs. Sie wissen alles über mich, aber von Ihnen weiß ich überhaupt nichts.

gonsky

Was wollen Sie von mir wissen.

marina

Ich weiß nicht. Haben Sie ein Geheimnis? Erzählen Sie’s mir.

gonksy

Soll ich Ihnen mein Geheimnis verraten.

marina

Ja. Ich wills wissen.

Der Gitarrist klampft drauflos, man versteht nimmer was Gonsky zu Marina sagt, irgendeinen Schmäh. Marina amüsiert.

gitarrist

Mon coeur est en flammes, il brûle. Il brûle uniquement pour toi ...

UT: "MEIN HERZ STEHT IN FLAMMEN, ES BRENNT, ES BRENNT FÜR DICH"

marina

Meine Freundin hat recht. Ich gehe grad mit Woody Allen aus.

Gonsky

Gehen mir die Haare aus? Ich hab nichtmal ein Brille.

KELLNER kommt an ihren Tisch und zündet eine Kerze an.

Während Marina die Getränkekarte liest, hat Gonsky insgeheim ihre Handtasche aufgemacht und schaut was alles drin ist.

MARINA

Nein, weil mir das so vorkommt als würden Sie mir nur irgendwas vorplaudern, aber an ganz was anderes denken. Als würde in einem unsichtbaren Untertitel was ganz anderes stehen als Sie sagen.

(zum Kellner)

Vin blanc.

gonsky

Sie können Französisch?

marina

Sie nicht?

gonsky

Ich weiß nicht was Sie meinen. Also ich sehe da nirgends wo welche Untertitel.

gitarrist

Je veux posséder cette femme, sinon je dois mourir ...

UT: "ICH MUSS DIESE FRAU KRIEGEN, SONST FALL ICH TOT UM"

Marina

Bin gleich zurück.

Sie nimmt ihre Handtasche und geht zur Toilette.

Gonsky hat Marinas Schlüsselbund heimlich aus ihrer Handtasche geklaut. Er schaut ob ihn keiner beobachtet. Er tröpfelt Kerzenwachs auf eine Serviette und macht Abdrücke von Marinas Schlüssel.

Die Kerze fällt um. Servietten fangen Feuer.

gitarrist

En flammes, en flammes, il brûle! ...

UT: "IN FLAMMEN, IN FLAMMEN, ES BRENNT!"

Kellner kommt mit Getränken. Gonsky schnappt die brennenden Servietten und steckt sie rasch in sein Sakko, damit der Kellner nichts merkt.

Unterdessen kommt Marina vom Klo zurück.

Gonsky tunkt die Servietten mit den Wachsabdrücken in seinen Drink, damit sie abkühlen. Er leert eine Zigarettenschachtel aus und steckt die nasse Serviette mit den Wachsabdrücken rein. Die Zigaretten steckt er in die Sakkotasche wo er vorhin die brennenden Servietten reingesteckt hat.

Marina setzt sich, Gonsky hat ihren Schlüsselbund noch.

marina

Riecht da irgendwas verbrannt?

Sie trinken. Gonsky steckt Marinas Schlüsselbund heimlich in ihre Handtasche zurück. Er bemerkt dass es aus seiner Sakkotasche qualmt, er schüttet heimlich seinen Drink in die Tasche um den Brand zu löschen.

KEllner

Wünschen Messieurdames etwas flambiert? Ich kann empfehlen.

 

INT. RESTAURANT - TOILETTE 

Gonsky klaubt das ganze nasse Zeugs aus seinem Sakko, Strafzettel, Zigarettenschachtel mit den Wachsabdrücken, nasse Zigaretten, nasse Servietten, in seinem Sakko ist innen ein Brandloch.

MANN mit Zigarette sieht die Bescherung mit dem nassen Zeugs.

mann am klo

Hab auch schon mit alle möglichen Tricks probiert, mir das Rauchen abzugewöhnen.

Gonsky

Könnte ich von Ihnen eine, meine sind nass.

mann am klo

Kein Problem.

Er schenkt Gonsky eine Zigarette.

Gonsky wäscht die Brandstelle an seinem Sakko mit Seife ab.

mann am klo

Mein Rekord waren einmal sechs Wochen.

Gonsky

Mein Rekord war einmal dreizehn Jahre.

Mann am Klo

Wann haben Sie zu Rauchen angefangen.

gonsky

Mit dreizehn.

Gonsky trocknet sein Sakko unterm Händetrockner-Gebläse.

 

int. Restaurant

Marina und Gonsky beim Essen. Sie lassen sich gegenseitig von ihrem Essen kosten. Drinks. Nette Stimmung.

 

int. haus marina - stiegenhaus – nacht

Exmann sitzt neben einem leeren Pappkarton im Stiegenhaus herum, zu Füßen ein Haufen Zigarettenstummeln.

Kitty will Marinas Wohnungstür aufsperren, sie hat einen dicken Schlüsselbund, Marinas Schlüssel ist dran. Sie hat ihren Walkman auf.

Jemand umfasst sie von hinten und will ihr ein Bussel geben, es ist der Exmann. Er hat einen leeren Pappkarton dabei.

exmann

Hallo, Schatzel.

Kitty SCHREIT auf und schmiert ihm eine.

kitty

Hilfe! Sittenstrolche!

exmann

Tschuldigung, hab geglaubt sie wären meine Frau.

kitty

Sind Sie der Karo? Der Ex von der Marina.

exmann

Was wollen Sie in ihrer Wohnung.

kitty

Na ich wollte mir ein Gewürz ausborgen, ich koche grad provèncalisch.

exmann

Wieso haben Sie überhaupt einen Schlüssel.

kitty

Ich füttere manchmal die Katze.

Exmann

Geben Sie den her.

Er nimmt Kitty die Schlüssel weg und sperrt selber auf.

kitty

He was soll das!

 

int. wohnung marina

Beide rein. Exmann macht Marinas Schlüssel von Kittys Schlüsselbund ab und behält ihn für sich. Er gibt Kitty ihren Schlüsselbund zurück.

exmann

Da haben Sie. Den brauch ich selber.

kitty

Was wollen Sie in Marina ihrer Wohnung!

exmann

Will mir nur ein paar Sachen abholen.

Er sieht sich in der Wohnung um, entdeckt die teure CD-Anlage. Er verstaut sie in seinem Pappkarton, auch Marinas Walkman.

Er stöbert in Schränken und Kästen.

exmann

Fixnochmal, irgendwo muss da noch die Münzensammlung sein-

kitty

Ich ruf die Marina an, ich sags ihr!

exmann

Die hat ihr Telefon ausgeschaltet.

Badezimmer. Exmann stöbert, er findet ein paar Schmucksachen. Er steckt Marinas teures Parfüm ein. Sogar den Haarfön nimmt er.

Er werkelt an dem Installationstürchen unter der Badewanne herum.

kitty

Was glauben Sie denn, was da drunter für Wertsachen zu finden wären. Glauben Sie vielleicht die Marina hat da unten einen goldenen Nachttopf versteckt oder was.

Die Katze schleicht vor dem Installationstürchen herum.

kitty

Hab einen Film gesehen, da sagt einer es gibt drei Arten Franzosen. Es gibt gute Franzosen, es gibt scheiss Franzosen, und es gibt Franzosen: AUS SCHEISSE.

exmann

Und. Was soll das heißen.

kitty

Weiß ich auch nicht. Aber Sie, Sie gehören mindestens zur vierten Sorte.

 

INT. STIEGENHAUS

Exmann trägt Marinas Sachen im Pappkarton davon, Kitty mit der Katze am Arm und Paprikagewürz. In Marinas Wohnungstür.

Madame Chantal mit Hündchen, HUND KLÄFFT als er Kitty mit der Katze sieht. Kitty ist eh schon wütend.

kitty

Dass der Mensch vom Affen abstammt glaub ich gern. Aber dass der Staubfänger da vom Wolf abstammen soll kann mir keiner einreden.

madame chantal

Der hat hugenottische Vorfahren.

kitty

Kommen Sie mir ja nicht zu nah mit dem, sonst sorge ich dafür dass es von dem keine Nachfahren mehr gibt.

madame chantal

Tres charmánt.

 

ext. vor restaurant – nacht

Gonsky und Marina bei Gonskys Auto.

marina

Sie sollten besser nicht fahren.

Gonsky

Ich sollte nicht fahren?

marina

Der Wein.

gonsky

Ich sollte besser nicht fahren. Schon gar nicht wenn die Polizei dabei ist.

 

ext. vor kunstmuseum ST. marenten – nacht

Gonsky borgt Marina sein Sakko, sie hängt es sich über die Schultern, es ist kühl. Sie spazieren über den Museumsplatz.

marina

Darum muss ich mich von dem Mann trennen. Ich kann nimmer. Einen Spieler kann man nicht ändern.

gonsky

Kenn ich. Mein Vater hat auch gespielt.

marina

Spieler ziehen ihre ganze Familie

mit rein.

gonsky

Der ist sogar an unsere Sparbücher gegangen. Uns Kinder, sogar meine Schwester und mich hat der abgezogen.

Hat alle abgezogen, bis nix mehr da war.

marina

Und darum haben Sie zu studieren aufgehört?

gonsky

Bin arbeiten gegangen, damit wir das Kaffeehaus behalten können. So wursteln wir uns halt langsam raus aus den Schulden. Meine Schwester und ich.

 

marina

Dass ihr Vater Spieler war: bestimmt ist das ein Grund dass Sie und Ihre Schwester so eng zusammenhalten.

gonsky

Im Prinzip- schon möglich.

marina

Ist gut. Wenn ein Mann Prinzipien hat.

gonsky

Naja, meine Prinzipien - wenn Sie die genauer kennen würden, würden Sie die vielleicht gar nimmer so toll finden.

marina

Vielleicht lerne ich Sie ja noch besser kennen.

 

ext. vor haus marina – nacht

Marina sperrt ihr Haustor auf, sie küsst Gonsky auf die Wange.

marina

Gute Nacht.

Sie geht rein. Gonsky bleibt im Hemd vor dem Haustor stehen.

 

INT. WOHNUNG MARINA – NACHT 

Marina kommt grad rein, GEGENSPRECHANLAGE SUMMT.

Sie realisiert, dass sie Gonskys Sakko noch anhat.

 

ext. vor haus marina

TÜRÖFFNER. Gonsky rein ins Haus.

 

int. haus marina - stiegenhaus

Gonsky läuft die Stiegen rauf. Marina an ihrer Wohnungstür.

marina

Wir haben was vergessen-

gonsky

Mein Sakko. Ich hab nur das eine.

Gleich werden sie sich küssen. Aber, da geht die Nachbarstür auf:

kitty

Marina! Ich wollte dich anrufen, aber

du hast dein Telefon nicht-

(sieht Gonsky)

Oh. Der Neue.

 

INT. WOHNUNG MARINA

Marina, Gonsky, Kitty. Schubladen offen, Marina sieht dass diverse Sachen fehlen, CD-Anlage usw.

marina

Der Mistkerl. Diesmal hat er den Bogen überspannt.

kitty

Sogar im Bad hat der herumgestierlt.

Badezimmer. Gonsky sieht das eingedrückte Installationstürchen.

gonsky

Ich könnte- wenn Sie wollen. Dableiben und auf Sie acht geben damit der, ich meine wenn der nocheinmal-

kitty

Nein nein nein, ich bleib schon bei der Marina. Ich bleib heut nacht bei dir herüben, Schätzchen.

gonsky

Es würde mir aber nix ausmachen, wenn-

kitty

Nein, in so einer Situation da braucht man moralischen Zuspruch, den kriegt die Marina schon von mir. Genau dafür ist eine beste Freundin da.

Sie tröstet Marina, Marina gibt Gonsky sein Sakko.

marina

Tut mir leid. So eine Sch-

Gonsky steht bissel dumm herum, Kitty deutet ihm: er soll gehen.

 

Ext. Vor haus marina – nacht

Gonsky kommt raus. Er greift in seine Sakkotasche. Da ist das Brandloch, er greift mit der Hand hindurch. In der anderen Tasche findet er die Zigarettenschachtel mit den Wachsformen von Marinas Schlüssel, alles zum Glück noch da.

 

INT. BÜRO MARINA – TAG

Marina telefoniert. Auf ihrem Laptop eine Web-Seite Branchenverzeichnis Schlüssel + Aufsperrdienst.

marina

(am Tel.)

Ja, so bald wie möglich, ich hab keine ruhige Minute. Meine Nachbarin ist da, die macht Ihnen auf.

 

int. cafe bea – tag

Gonsky noch im Sakko. Er hat einem Satz nachgemachte Schlüssel.

schellak

Welcher isses?

gonsky

Probiers halt aus, meine Güte.

Was weiß ich.

schellak

Ich? Wieso kannst du nicht selber.

gonsky

Du schaust darauf, dass hinterher wieder alles picobello ist. Sie darf auf keinen Fall draufkommen, dass da einer dran war.

schellak

Wieso muss ich das-

gonsky

Weil ichs dir sage, Herrschaft noch mal. Weil ich ihr versprechen hab müssen dass ich keine falschen Spiele mit ihr treibe, dass ich keine Hintergedanken hab, wenn ich sie- und genau das wärs aber wenn ich heimlich in ihrem Bad-

bea

(kommt hinzu)

Hintergedanken. Theo, mit wem treibst du schon wieder deine Spiele. Mit dieser dings, Andrea? Gehts um die? Machst du schon wieder ein Mädel unglücklich? Theo, wirst du dich überhaupt nie ändern?

 

exT. vor haus marina – tag

Schellak mit Briefträger-Mütze und Werkzeugtasche geht ins Haus.

Vor dem Haus ein Kombi SCHLÜSSEL AUFSPERRDIENST.

 

Int. haus Marina - stiegenhaus

Schellak hat die nachgemachten Schlüssel mit, er will Marinas Wohnungstür aufsperren.

Doch die Tür geht plötzlich von allein auf, und Schellak sieht sich unvermittelt Kitty gegenüber.

Kitty

Lassen Sie mich raten: aufs Klo.

Der SCHLÜSSELDIENST-MANN hat die Tür geöffnet, er schraubt ein neues Türschloss an.

schlüsselmann

So, gnä Frau. Jetzt kann er nimmer rein, der Herr Ex. Da sind die Schlüssel, plus Reserve, da unterschreiben bitte.

Er gibt Kitty einen Satz Schlüssel für das neue Türschloss. Kitty unterschreibt dem Schlüsselmann einen Lieferschein un tut einen der neuen Schlüssel auf ihren eigenen Schlüsselbund.

kitty

Einen nehm ich mir gleich wieder.

Schellak steht noch immer da und schaut Kitty gebannt an.

kitty

Stehen Sie auf französisch?

schellak

Ob ich auf dings- äh-

kitty

Zu zweit machts mehr Spaß.

schellak

Spaß, wa-was denn?

Kitty

Na essen. Haben Sie sowas noch nie

zu zweit gemacht?

 

EXT. VOR französischem RESTAURANT – TAG 

Gonskys Auto, die Politesse mit Strafzettelblock. Gonsky, im Sakko kommt hinzu. Er fragt die Politesse irgendwas, sie schüttelt den Kopf. Gonsky schafft es mit seinem Schmäh sie zum Lachen zu bringen. Sie schreibt einen Strafzettel, den steckt er ein.

 

INT. CAFE BEA – TAG

Ein GAST mit Zigarette.

gast

Fräulein. Hätten Sie Feuer.

Bea will dem Gast Feuer geben, ihr Feuerzeug funktioniert nimmer.

bea

Momenterl.

Sie sieht dass Gonskys Jacke im Cafe hängt, findet ein Feuerzeug darin. Und den Zettel: mit der Andrea-komm-heim-Telefonnummer.

bea

(liest)

Andrea komm heim. Andrea? -

Sie gibt dem Gast Feuer.

 

int. wohnung kitty – tag

Schellak und Kitty auf der Wohnzimmercouch, sie schauen ein Video: ein bekannter Schauspieler X mit der bekannten Schauspielerin Y beide gemeinsam in einer Badewanne.

kitty

Jetzt geben Sie acht. Gleich kommt mein Auftritt.

Sie essen, Kitty hat Schellaks Briefträgermütze auf.

kitty

Das war eine Schlüsselszene in dem Film. Der Herz-Karasek in der Wanne, mit mir. Da, das bin ich.

schellak

Ich weiß nicht, schaut die nicht eher aus wie die Dings-

kitty

Und da. Nocheinmal ich.

schellak

Sind Sie sicher, dass das nicht die Hilfiger ist? Mit dem Karasek.

Kitty spult zurück.

kitty

Logisch ist das die Hilfiger, aber jetzt schaun Sie genau hin: was sehen Sie?

schellak

Ich seh einen Herz-Karasek in der Badewanne. Und einen nackerten Fuß.

Kitty

Der Fuß, das bin ich.

schellak

Sie sind der Fuß von der Hilfiger?

kitty

Bingo. Die hat Füße, also ich kann Ihnen verraten: telegen ist die maximal bis zum Knöchel.

Schellak

Das war mir nicht bekannt.

kitty

Sehen Sie. Darum lässt die sich doubeln, untenrum. Also quasi knöchelabwärts.

Kitty streckt repräsentativ ihr Bein aus, Schellak verschluckt sich beinah.

schellak

Die- die- dings, "die Füße einer Frau sind sehr wichtig."

Kitty

Sagen Sie’s nicht-

schellak

Das sag nicht ich, des sagt der-

Kitty

Richard Gere, in "Atemlos". Den haben Sie auch gesehen, ich halts nicht aus.

Zwei Filmfanatiker haben sich gefunden.

 

INT. CAFE BEA – TAG 

Bea am Telefon, sie wählt die Nummer von dem Andrea-komm-heim- Zettel. Gonskys Jacke hängt im Cafe. Bea hört:

ANSAGETEXT

(im Tel.)

Wenn Sie eine Nachricht für Andrea hinterlassen möchten sprechen Sie

nach dem Piepton.

bea

Ja da ist, ich wollte eine Nachricht für die dings, die Andrea hinterlassen, wenn sie das hört. Was ich ihr sagen wollte, ich finde einfach dass sie ein paar Sachen wissen sollte, fairerweise.

 

ext. vor haus marina – gonskys auto – tag

Gonsky in seinem Auto, Sakko. Er schaut auf die Uhr, ungeduldig.

gonsky

(zu sich)

Was zum Teufel treibt der da oben

den ganzen Tag.

Er sieht Marina einherkommen. Er steigt aus um sie vor dem Haustor abzufangen.

gonsky

Marina! Nicht reingehen.

Marina

Theo.

gonsky

Ich muss- hab dich unbedingt sehen müssen.

marina

Ich komm grad erst von der Arbeit heim.

gonsky

Hab es nimmer aushalten können.

marina

Hör auf mit dem Theater. Willst du auf einen Kaffee mit raufkommen?

gonsky

Nein!

Marina überrascht. Gonsky zwischen ihr und dem Haustor, er lässt sie nicht reingehen.

gonsky

Nein nein. Jetzt da raufzugehen wäre völlig verkehrt solang- ich mein, das wär noch zu früh, wär das. Für einen Kaffee.

marina

Zu früh für einen Kaffee, warum. Es ist Nachmittag.

gonsky

Mara, ich-

marina

Was.

gonsky

Bleib da.

Marina

Ich hätte auch noch zu tun. Wir können uns doch später-

Gonsky

Mara, ich muss dir was beichten.

Er versucht Zeit zu gewinnen, und verwehrt Marina den Zutritt ins Haus.

marina

Na gut. Dann beichte.

Gonsky

Ich bin- hab dich- es ist so dass ich, dings, also, um ehrlich zu sein-

marina

Okay. Sei ehrlich.

gonsky

Ich hab so was noch nie zu einer Frau gesagt.

marina

Was denn.

Gonsky nimmt ihre Hand.

gonsky

Dass ich, äh. Dings.

marina

Sag mirs oben, okay.

gonsky

Nein, oben ist es vielleicht schon zu spät, zu dings, zu früh, zu, zu-

marina

Hast du getrunken.

gonsky

Aber nein.

marina

Kommst du mit rauf oder bleibst du da stehen.

Sie küsst ihn auf die Wange und will ins Haus. Gonsky hält sie am Arm fest.

Gonsky

Geh nicht rein.

marina

Au, du tust mir weh! Spinnst du.

gonsky

So warte doch.

marina

Au! Du sollst auslassen!

Sie schmiert ihm eine. Gonsky lässt sie los.

marina

Warum tust du mir weh, du Grobian!

gonsky

Es tut mir-

marina

Was glaubst du eigentlich. Dass du mich genauso behandeln kannst wie mein Ex der Arsch? Du bist ja kein Stückel anders als der, du bist GENAUSO einer.

 

Int. stiegenhaus

Gonsky folgt Marina durchs Stiegenhaus, er muss sie aufhalten weil er glaubt dass Schellak noch in ihrer Wohnung ist.

Gonsky

Marina warte, es wär ein Fehler.

Es wär-

marina

Dass du mir nachrennst ist ein Fehler. Brauchst nicht zu glauben dass ich heut noch was von dir wissen will.

gonsky

Nein es wär ein Fehler wenns du in die Wohnung gehst, es könnte-

marina

Was könnte.

gonsky

Es könnt einer drin sein, ein dings, ein, vielleicht ein-

marina

Lass mich in Ruhe.

Gonsky hält sie fest und küsst sie. Um Zeit zu gewinnen. Marina reißt sich los und schmiert ihm eine, dass er beinah über die Stiegen runter taumelt.

marina

Weißt du was du bist. Du bist ein riesen Arschloch.

Schellak der Briefträger kommt die Stiegen runter. Er begegnet Marina.

schellak

Gunn Tag.

Da sieht er Gonsky im Stiegenhaus stehen, schmerzende Wange. Schellak lässt sich seine Überraschung darüber nicht anmerken.

schellak

Gunn Tag.

Er schaut, dass er rasch weiterkommt.

 

Int. stiegenhaus – vor wohnung kitty

Kitty noch in der Wohnungstür, weil sie Schellak rausgelassen hat. Marina kommt rauf.

kitty

Marina, himmelswillen. Was ist passiert.

marina

War der Türschlosser da.

kitty

Ja. Komm rein. Was ist denn mit dir, weinst du?

 

EXT. VOR HAUS MARINA

Schellak mit Werkzeugtasche bei Gonskys Auto. Gonsky kommt.

gonsky

Was zum Teufel treibst du da oben den halben Tag. Baust du der ihr Bad auf die Caracalla-Thermen um.

schellak

Wir haben Videos geschaut.

gonsky

Ich krieg da herunten derweil beinah einen Herzinfarkt. WIR? Wer hat WAS?

schellak

Die Nachbarin. Eine äußerst aparte Person.

gonsky

Hast du die Andrea? Ich frag dich was!

Er beutelt Schellak, dem fällt die Briefträger-Mütze runter.

schellak

Kochen tut sie vielleicht eine Spur, naja, extravagant.

gonsky

Von was redest du da.

schellak

Kreolisch. Es war kreolische Küche.

 

ext. palmenstrand

Hillary und Tensing in Liegestühlen, Bermudashorts und Hawaii-Hemden, Longdrinks mit Schirmchen. Dolce Vita.

Ein verschwörerischer MITTELSMANN spaziert unauffällig vorbei, heimlich hinter vorgehaltener Hand:

mittelsmann

¿Es usted amigos de Andrea?

UT: "SIND SIE FREUNDE VON ANDREA?"

Hillary und Tensing folgen ihm mit ihren Drinks ohne sonderliches Interesse.

 

Int. Kapelle

Mittelsmann führt Hillary und Tensing zu einem Seitenaltar. Er zeigt ihnen irgendeine Heiligenstatue, die Hl. Jungfrau von Santa XY. Konspirativ:

mittelsmann

Aquí ella es. La Andrea de lágrimas santas. ¿Quiere usted comprar?

Hillary und Tensing schütteln bedauernd die Köpfe.

hillary

Entspricht leider nicht ganz unseren Vorstellungen. Pech gehabt.

tensing

Riesenpech.

 

int. neubau 2

Gonsky und Schellak bei der Arbeit. Gonsky mords sauer. Schellak hat einen Walkman, er swingt mit:

schellak

Dschiwap dschiwap. Dschiwap dschiwap.

gonsky

Was ist das jetzt wieder. Willst mich reizen.

schellak

Das singt die selber. Die Schauspielerin. Die Nachbarin von deiner-

gonsky

Die Nachbarin. Mit der unser Herr Elli den ganzen Nachmittag rummachen muss anstatt dass er die Andromeda holt.

schellak

Dschiwap dschiwap. Dschiwap dschiwap. -

Rat mal wer noch einen Schlüssel für das neue Türschloss von deiner Frau Kriminalrat hat.

 

int. xy-versicherung

Hillary und Tensing hören die Hotline-Anrufe ab.

stimme bea

-ich meine nur, es wäre sicher nicht verkehrt, wenn sich die Andrea nicht unglücklich machen ließ-

tensing

Von was zum Teufel redet die.

stimme bea

Der Theo hat so eine Art, verstehen Sie, der bringt ein Frauenherz zum dahinschmelzen wie Wachs, so mirnix dirnix, und bevor man dahinterkommt isses schon-

Tensing spult zurück, er spielt das Band nochmal ab:

stimme bea

-verstehen Sie der bringt ein Frauenherz zum dahinschmelzen wie Wachs, so mirnix-

hillary

Hört sich nach einer Warnung an.

tensing

"Frauenherz dahinschmelzen" was soll der Quatsch heißen.

hillary

Die Andrea ist innen aus Wachs. Ein Herz aus Wachs. Die Typen drohen damit dass sie die Andromeda einschmelzen.

stimme bea

-einen wie den Theo lieb haben, das ist auf jeden Fall ein hoffnungsloser, dings- ein mords undankbarer Job, und Sie sollten das besser wem anderen überlassen. Wer den Theo besser kennt, so wie ich. Ich würde raten lassen Sie lieber die Finger von dem, der macht Sie nur unglücklich.

hillary

Der will die Andrea unglücklich machen. Dahinschmelzen.

tensing

Was ist das jetzt wieder für Quatsch. Solche Anrufe haben wir hunderte. Sind doch alles Spinner. Trittbrettfahrer.

hillary

Von wo ruft die an.

tensing

St. Marenten. Festnetzanschluss. Ein Kaffeehaus.

Hillary

Ausfiltern müssen wir eh sowieso alle.

 

Int. Neubau 2

gonsky

Was ist jetzt? Rufst du jetzt endlich an oder nicht.

schellak

Hab eh gesagt, ich ruf an.

Gonsky

Sonst ruf ich an.

schellak

Ich ruf ja an.

gonsky

Brauchst du ein Kindermädel zum Telefonieren.

schellak

Ich muss- kann ja nicht so einfach, muss mir doch erst zurecht legen, was ich ihr überhaupt sagen soll.

gonsky

Herrschaft Elli, wieso muss einer aus einem Anruf eine höhere Mathematik draus machen. Das ist doch nicht die Sharon Stone. Gib her. Unter "K"?

Er will Schellak das Handy wegnehmen und selber anrufen.

schellak

Ich kann das. Ich kanns.

Schellak ruft an. FREIZEICHEN. Er legt gleich wieder auf.

schellak

Keiner daheim.

Gonsky nimmt ihm das Handy wieder weg. Er ruft selber an.

schellak

Was soll ich ihr sagen?

gonsky

Du verabredest dich mit ihr, meine Güte. Wo ist das Problem. Musst ihr ja nicht gleich einen Heiratsantrag machen.

Gonsky hört dass Kitty abhebt, er gibt Schellak das Handy.

schellak

(am Handy)

Hallo, Kitty. Da spricht, dings-

 

INT. WOHNUNG KITTY – TAG

Kitty beim Aerobic-Training, mit Walkman.

kitty

(am Handy)

Hallo Cowboy. Ist ja krass, hab grad

an dich gedacht.

schellak

Ich ruf an weil ich mir überlegt hab- wollte fragen ob wir einmal eventuell, also wenn Zeit ist-

kitty

Lass es raus, Zuckermaus.

schellak

Eine, eine –dings, Verabredung. Ob wir uns vielleicht einmal wo könnten, ich meine, also äh- treffen vielleicht.

kitty

Sag einfach: Eat, drink, man, woman.

schellak

Kino oder so-

kitty

Bingo. Heut abend okay?

 

int. neubau 2

Schellak mit Handy, völlig perplex.

gonsky

Und, wie läufts.

schellak

Sie hätte heut Zeit-

gonsky

Kriegst du noch Luft oder soll ich die Johanniter rufen. Brauchst du einen Notarzt?

 

int. cafe bea - tag

Schellak im Sakko, Gonsky richtet ihm die Krawatte.

bea

Elli, hast du ein Rendezvous.

gonsky

Der Elli geht mit einer Schauspielerin aus. Mit einem Filmstar.

Bea ab.

gonsky

Hast du kapiert. Wir brauchen nur ihre Schlüssel. Du kümmerst dich um das Mädel, ich kümmere mich um den Rest.

schellak

Theo das ist nicht richtig, was wir da machen. Wieso probierst du’s nicht noch einmal bei deiner Frau Inspektor?

gonsky

Weil DU jetzt dran bist! Weil ichs mir mit ihr vergeigt hab! Vor dem Haustor. Derweil unser Herr Elli oben mit der Nachbarin beschäftigt war. Weils deine Schuld ist dass wir die Andrea nicht schon längst wieder haben.

schellak

Ist doch wurscht, wer die Andrea hat.

gonsky

Nein das ist NICHT wurscht! Die Andrea muss aus dem Scheiss Bad raus weil wenn sie dort gefunden wird sofort jeder weiß wer sie dort reingetan hat.

schellak

Und du glaubst wirklich die wird dich verpfeifen?

gonsky

Wir machen es jetzt so wie wirs ausgemacht haben, und fertig.

 

ext. kino – nacht

Heute: "ZWEI GLORREICHE HALUNKEN".

 

INT. KINO - Foyer

Schellak und Kitty, sie kaufen Gummibären. Kittys Handtasche fällt runter, alles kugelt raus. Auch ihr dicker Schlüsselbund. Sie bücken sich zugleich, bummsen mit den Köpfen zusammen. Sie blicken einander in die Augen.

kitty

Ich schau dir in die Augen, Kleines.

Gonsky in der Nähe, mit Sonnenbrille getarnt (damit ihn Kitty nicht wiedererkennt).

 

int. kino – saal

Kitty bietet Schellak Gummibären an, er nimmt eine Handvoll. In der Reihe dahinter Gonsky, maskiert mit Sonnenbrille (im Kino!), er hat Kittys Handtasche zwischen den Sitzen hindurch gezogen und nimmt ihre Schlüssel raus.

Dunkel. Film fängt an.

Kitty legt ihre Hand auf Schellaks. Glaubt sie. Sie lächelt ihn an. Schellak futtert Gummibären. Kitty merkt dass es gar nicht seine Hand ist die sie hält. Gonsky hat die Handtasche grad wieder zwischen den Sitzen hindurch gesteckt, als Kitty nach seiner Hand gegriffen hat und sie festhält.

kitty

He! Was soll das werden!

Sie schnappt ihre Handtasche und will sie Gonsky auf den Kopf hauen, aber der duckt sich so kriegt Schellak die Handtasche auf den Kopf: schwupps! fliegt ihm ein Gummibärli aus dem Mund.

Das Gummibärli landet im Dekollete der FRAU vor ihm. Die Frau haut Schellak empört ihre Handtasche auf den Kopf.

Im Tumult wurstelt sich Gonsky durch die Sitzreihe, er steigt Leuten auf die Zehen, Ärgernis, er wird mit Popcorn beworfen.

gonsky

Erlauben- tschuldigung- pardon- Verzeihung-

Er gelangt zum Ausgang.

 

ext. kino

Gonsky kommt aus dem Kino, Kragen voller Popcorn. Er hat Kittys Schlüsselbund. Jetzt braucht er dringend eine Zigarette. Nein, er will ja mit dem Rauchen aufhören, er riecht nur an der Schachtel: ah, riecht das gut.

 

ext. vor cafe bea – nacht

Schellak und Kitty kommen einherspaziert.

kitty

Soll ich dir was verraten? Du bist der erste Mann der so was freiwillig mit mir macht. Zweimal hintereinander an einem Abend.

schellak

Mach ich öfters, wenn mir danach ist. Allein halt meistens. Eigentlich immer.

kitty

Ehrlich. Du machst das auch allein? Zweimal am Stück.

schellak

Klar. Wenns mir gefallen hat. Schau ich mir denselben Film gleich noch ein zweitesmal an.

Kitty hakt sich bei ihm unter.

 

int. cafe bea – nacht

Schellak und Kitty an einem Tisch. Bea tritt hinzu.

bea

Hallo. Hallo Elli.

kitty

Elli. Lieb. Abkürzung für Leo?

schellak

Ja.

bea

Na da hab ich aber was anderes gehört.

Kitty

Wieso heißt er denn Elli.

bea

Weil in der Schule alle zu ihm-

schellak

Elvis. Das kommt von Elvis. Weil ich früher total auf den Elvis gestanden bin.

kitty

Elvis-Fan war ich früher auch. Wir haben viel gemeinsam.

bea

Ich kenn die Gschicht mit dem Elli aber ganz anders.

schellak

Bea, könntest du freundlicherweise so lieb sein und-

kitty

Wo kommt das Elli her. Harry und Elli?

Bea

Das sagt er nicht. Das ist sein Geheimnis.

kitty

Komm schon, verrat mir dein Geheimnis. Kriegst dafür: ein riesen dickes Bussi von mir.  

schellak

Bier für mich.

Bea ab. Schellak will sein Geheimnis nicht verraten.

Kitty

Einen Kuss. Wenn du mirs verrätst.

Kitty nimmt seine Hand. Sie sieht eine Tätowierung am Handgelenk.

kitty

Was ist das?

schellak

Eine Kinderei. Mein Blutsbruder und ich, wir haben uns das gegenseitig gemacht.

Kitty

Elli und sein Blutsbruder, wow. Die "Bluts"-Brothers.

schellak

Blutsbrüder, ja. Waren wir. Aber mittlerweile glaub ich, dass der ein falscher Franzose ist. Der benützt alle Leute wie er’s grad brauchen kann.

 

ext. vor haus marina – nacht

Schellak und Kitty vor dem Haustor. Kitty kramt in ihrer Tasche.

kitty

Autsch. Ich kann nicht rein. Muss meine Schlüssel verloren haben, im Kino.

schellak

Da wird jetzt schon zu sein.

kitty

He, du bist doch Postler. Ihr habt doch so einen Schlüssel, mit denen ihr in jedes Haus reinkommt.

schellak

Aber ich bin ja gar kein richtiger-- dings, Haustor, nur fürs Haustor. Einen Generalschlüssel. Aber nicht für die Wohnungen.

Kitty

Dann kann ich nicht in meine Wohnung rein. Was machen wir da. Hast du Tabasco-Sauce daheim? Ich kann super kreolisches Frühstück.

 

ext. St. marentEN - nacht

Nacht in St. Marenten.

 

int. Wettcafe - tag

Exmann gibt Heckler Geld.

heckler

Das soll alles sein. Scherz, oder.

exmann

Du kriegst schon alles. Ich brauche Zeit.

heckler

Hast du nimmer. Ich mach jetzt ernst.

Koch sitzt irgendwo an der Bar, er liest eine Zeitung mit einem Artikel über die Andromeda: "70.000 EURO BELOHNUNG, WARUM WILL SIE NIEMAND" Heckler PFEIFT ihn herbei.

exmann

Ich hab Reserven, glaub mir, hab ich noch. Reserven quasi, Vermögenswerte aber- halt derzeit gebunden.

heckler

Gebunden. Und wo.

(zu Koch)

Schneid ihm ein Ohr ab.

Koch schnappt Exmann am Ohr.

heckler

Was sind das für Vermögenswerte. Wo sind die gebunden.

exmann

Dings, eine-- Münzensammlung. Hab ich noch irgendwo, dings, daheim- muss ich nur erst noch holen.

heckler

WO musst du die holen.

heckler

(zu Koch)

Schneid es ab. Aber nur das Ohr, nicht den ganzen Kopf.

Jetzt fällt dem Exmann ein, wie er sie überlisten kann:

exmann

Bei meiner Frau. In der Wohnung.

heckler

Gut. Dann holen wir die jetzt.

exmann

Aber da wird jetzt niemand daheim sein, die ist in der Arbeit.

heckler

Wir fahren gleich.

exmann

Weiß nicht ob mir das momentan grad wirklich so ganz, also terminmäßig-

Oder könnte ich vorher noch geschwind telefonieren, dauert nur ein-

heckler

Nix wird telefoniert. Wir fahren jetzt.

 

ext. vor haus marina – Gonskys auto – tag

Gonsky sitzt in seinem Auto. Er beobachtet wie Marina das Haus verlässt um zur Arbeit zu fahren.

Gonsky sperrt das Haustor mit Kittys Schlüssel auf. Er hat eine Werkzeugtasche mit.

 

int. wohnung schellak – tag

Schellak hat auf der Wohnzimmercouch geschlafen, er rappelt sich auf und geht zur Küche um Kaffee zu machen. 

Küche. Schellak mit Kaffeehäferl, jemand nimmt ihm das Häferl weg. Es ist Kitty, sie ist aus dem Schlafzimmer gekommen, ein Leintuch umgehängt. Sie setzt sich auf seinen Schoß.

kitty

Was bedeutet das "Elli". Ich sags nicht weiter.

Schellak sagt nichts. Kitty trinkt seinen Kaffee.

kitty

Du weißt noch, was ich gestern versprochen habe?

schellak

Es ist-- wegen meinen Füßen. Ich hab-

kitty

Ich habs dir versprochen.

schellak

Schuhnummer- Nummer- Sechsundvierzig.

kitty

Und? Find ich sexy, große Füße.

schellak

Aber die hab ich schon seit der Volksschule, und alle haben gesagt: der Leo schaut von der Seite aus wie-

kitty

Ja? Wie hat er ausgeschaut, der kleine Leo.

schellak

Wie ein-- Großes L.

Kitty schaut ihn an. Sie lächelt. Sie stellt das Kaffeehäferl weg.

Kriegt Schellak jetzt den versprochenen Kuss?

 

int. bad marina

Gonsky will die Werkzeugtasche mit der Andromeda unter der Badewanne hervorwerkeln, geht nicht raus. Er holt aus der mitgebrachten Werkzeugtasche einen Meißel raus und will die Fliesen vorsichtig abmachen. KNACKS. Eine ist schon hin.

 

exT. vor haus marina

Heckler und Koch fahren heran und parken vor dem Haus. Exmann sitzt hinten drin, er ist nicht freiwillig mitgekommen. Koch greift ihn am Arm. Sie gehen ins Haus.

 

INT. HAUS MARINA - STIEGENHAUS 

Heckler, Koch, Exmann an Marinas Wohnungstür. Heckler liest das Türschild:

heckler

Weingart. Da wohnt er, unser Karo.

Mach auf.

Exmann wirkt nicht besonders glücklich. Er will aufsperren, aber sein Schlüssel passt nimmer. Weil das Schloss ja ausgetauscht ist.

exmann

Ja- also- hehe. So was Dummes. Der Schlüssel passt nimmer.

 

int. wohnung Marina - Bad

Gonsky mit Werkzeugtasche. Er hat paar Fliesen unter der Badewanne weggestemmt um das Loch zu erweitern, paar sind dabei hingeworden. Schlimme Baustelle in Marinas Badezimmer. Gonsky will grad seine Werkzeugtasche (mit der Andromeda darin) hervorziehen.

 

 

int. wohnung marina

RUMMS! Koch hat die Wohnungstür gewaltsam eingetreten.

Heckler und Koch kommen mit Exmann rein.

heckler

Und. Wo hast du deine Münzensammlung.

Koch sieht sich in der Wohnung um.

exmann

Ich muss aufs Klo wenns recht ist. Dauert nur ein Sekunderl.

 

int. büro marina

Marina am Computer, Fahndungsdaten. Zufällig liest sie:

"GONSKY MATTHEUSFINANZSTRAFVERFAHREN usw." 

marina

 (liest)

Einkommensteuerhinterziehung. Unbefugte Gewerbeausübung. Ersatz-Arreststrafe.

Ort der Festnahme: Wohnpark Neugasse, Baustelle. Da wohn ICH!

Ihr HANDY LÄUTET

marina

(am Handy)

Was willst DU SCHON WIEDER!

 

INT. WOHNUNG MARINA - BAD

Exmann ist grad ins Bad gekommen, er ruft heimlich am Handy an, Gonsky sieht er nicht gleich. Gonsky versteckt die Werkzeugtasche mit der Andromeda rasch wieder unter der Badewanne, ohne sie geöffnet zu haben.

exmann

(am Handy)

Nicht auflegen Mara, das ist ein Notfall!

marina

DU bist ein Notfall!

ehemann

Du hast grad Einbrecher daheim.

marina

Lass mich raten: und einer von denen heißt ganz zufällig Gonsky, Mattheus-

exmann

Nein, die heißen- ist doch wurscht wie die heißen.

Exmann bemerkt jetzt dass er nicht allein im Bad ist. Da ist Gonsky.

eXmann

Heißen Sie zufällig Gonsky?

gonsky

Bin der dings, äh. Der Fliesenleger.

exmann

Mara Schatz, die stellen deine Wohnung auf den Kopf. Wär bestimmt nicht verkehrt wenn du ein paar von deinen Kollegen vorbeischicken könntest.

Gonsky mischt Fliesenkleber an. In seiner Werkzeugtasche hat er paar Ersatzfliesen.

exmann

Fahren Sie nicht auch Taxi?

gonsky

Nur, äh- freiberuflich.

 

EXT. vor amtsgebäude – tag

Marina kommt aus dem Polizei-Gebäude gelaufen. Sie winkt nach einem Taxi. Gleichzeitig ruft sie am Handy an:

 

int. POLIZEI einsatz-zentrale

Ein EINSATZBEAMTER nimmt Marinas Notruf entgegen.

 

int. wohnung marina

Heckler sitzt auf der Couch und streichelt Marinas Katze.

Koch stöbert in Marinas Schlafzimmer herum. Er findet ihre Polizei-Uniform im Kleiderschrank.

 

int. bad

Exmann sitzt auf dem Klodeckel, er bietet Gonsky Zigaretten an. Gonsky hat alibihalber angefangen, das Loch wieder zu verfliesen.

gonsky

Wenn Sie da herin rauchen, kriegen Sie Ärger mit der Hausfrau. Würde davon abraten.

exmann

Den hab ich eh schon.

 

int. wohnung marina

Koch zeigt Heckler Marinas Polizei-Uniform:

heckler

Der Hund hat uns reingelegt. Der hat uns

bei der Polizei einbrechen lassen.

 

INT. BAD

Koch pumpert von draußen an die Badezimmertür.

exmann

Besetzt!

Er zieht die KLOSPÜLUNG. Er raucht.

exmann

Es ist ein Jammer. So eine Frau trifft man im Leben kein zweites mal.

gonsky

Nein. Im gleichen Leben sicher nicht.

exmann

So eine Frau dürfte man nie wieder auslassen. Nie wieder.

gonsky

Nein.

exmann

Was tut man stattdessen? Alles dransetzen dass man ihr nur ja wehtut wo es nur geht. Bis sie die Nase von einem voll hat und einen in den Wind schießt.

gonsky

Ja, da gehört schon ein Talent dazu.

exmann

Haben Sie’s auch geschafft, dass Sie sichs mit ihr verspielt haben.

gonsky

Ich habs auch geschafft.

exmann

Na dann, willkommen im Club. Weingart.

Sie geben sich die Hand.

gonsky

Gonsky.

 

int. wohnung marina

Koch nimmt Anlauf und rennt die Badezimmertür ein. Er schnappt den Exmann am Schlafittchen und zerrt ihn zum Sofa. Exmann muss sich zwischen Heckler und Koch setzen.

koch

Da ist noch einer drin.

heckler

Wo ist noch einer drin.

Koch klappt seinen Leatherman auf.

koch

Im Bad. Soll ich ihm das Ohr jetzt abschneiden.

heckler

Wer ist im Bad.

koch

Irgend so ein Vogel, keine Ahnung. Soll ich das rechte oder das linke.

Gonsky kommt mit seiner Werkzeugtasche aus dem Bad.

gonsky

Guten Tag. Auf Wiederschaun.

heckler

He. Wer ist der Vogel. Was machst du da drin.

gonsky

Bin schon weg, lassen Sie sich nicht stören.

Er will sich aus der Wohnung verdrücken.

heckler

Bleib da.

gonsky

Keine Umstände bitte.

heckler

Halt den auf.

Koch haut Gonsky eins auf die Nase, Blut spritzt raus. Gonsky taumelt herum.

gonsky

Au. Seids ihr wahnsinnig-

Gonsky muss sich setzen, Kochs Schlag hat ihm nicht gut getan. Jetzt sitzt er neben dem Exmann am Sofa.

koch

Was soll ich mit dem machen.

heckler

Lass mich, äh- lass mich nachdenken.

koch

Soll ich ihn killen.

heckler

(schreit)

DU SOLLST DEN SCHNABEL HALTEN! Ich sag doch, ich muss nachdenken.

Koch steht beleidigt herum, er reinigt mit dem Messer seine Fingernägeln. Heckler planlos, weil die Situation durch Gonskys unerwartetes Auftauchen außer Kontrolle geraten ist.

heckler

Schitt. Was machen wir jetzt.

Er gibt Gonsky ein Taschentuch, blutige Nase, Gonsky wischt sein Blut ab.

gonsky

Danke. Ich würde ganz gern gehen, wenns nix ausmacht.

heckler

Geht nicht. Du verpfeifst uns ja.

gonsky

Ah so.

exmann

Also ich würde nix sagen. Ich würde einfach sagen, das ganze wäre ein Missverständnis und-

heckler

Du hältst den Schnabel.

exmann

-und, nichtwahr, wir hätten uns halt in der Tür geirrt und-

Koch haut dem Exmann eins auf die Nase, ebenfalls Blut.

exmann

Wollte nur- kooperativ sein-

heckler

Verfahrene Situation. Was machen wir jetzt.

Er ist ernsthaft ratlos.

 

EXt. vor haus marina

Marina ist mit einem Taxi gekommen, sie steigt aus. Rein ins Haus.

 

int. stiegenhaus

Marina sieht ihre offene Wohnungstür.

 

int. wohnung marina

Marina kommt rein, sieht alle im Wohnzimmer.

marina

Was macht ihr in meiner Wohnung, ihr Strolche! Wer hat meine Tür ruiniert!

Und wer hat da herin geraucht!

Exmann zeigt auf Koch, Gonsky zeigt auf Exmann.

Marina

Sie sind festgenommen. Einbruch und Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung.

exmann

Körperverletzung war auch.

heckler

Ah. Die Gnädigste von unserem Karo. Ihr Mann ist uns was schuldig, gnä Frau.

marina

Der ist nimmer mein-

Heckler schnappt Marina, sie muss sich auch aufs Sofa setzen.

Marina

Und Nötigung! Sie reiten sich immer tiefer rein. Für Sie wird es eng werden, das kann ich Ihnen versichern, mords eng.

heckler

Weiß ich. Scheiss Situation das ganze. Total verfahren.

Er läuft ratlos in der Wohnung herum.

heckler

Und wofür das ganze.

koch

Münzensammlung.

exmann

Genaugenommen ist es ja bewaffneter Raubüberfall, würde ich sagen. Ich mein, der mit seinem Messer, ein Messer ist ja immerhin eine Waffe, oder.

heckler

Schaff mir den aus die Augen, los, sofort, stopf dem das Maul bevor ich selber-

Koch schnappt den Exmann und verschleppt ihn ins Badezimmer.

exmann

Geiselnahme, also in meinen Augen ist das quasi ein klassischer Fall von-

(OFF weiter:)

-Geiselnahme, wie er im Büchel steht und- mpf grmpf-

heckler

Die Münzensammlung. Also wo ist die.

marina

Münzensammlung.

heckler

Münzensammlung. Maria Theresia, dings, Mozartjahr, Millenium, so was alles-

gonsky

Philharmoniker.

heckler

Philharmoniker und das. Wo haben wir die.

marina

Münzensammlung hat es nie eine gegeben. Von was reden Sie.

heckler

Gnä Frau ich bitte Sie. Nur wegen der Münzensammlung sind wir da. Glauben Sie ich tu mir das ganze Theater da an und dann hör ich "Münzensammlung gibts keine", und denk mir: na, dann gehen wir halt wieder.

marina

Ja, ich kann Ihnen leider nicht weiterhelfen.

heckler

Was erwarten Sie denn von mir. Soll ich Sie foltern auch noch.

Koch kommt aus dem Bad.

koch

Wir könnten sie foltern. Ohren abschneiden, Nase undsoweiter.

Heckler

Gib mir dein Messer. Gibs schon her.

Koch gibt ihm das Messer. Heckler schnappt sich die Katze.

heckler

Gnädigste wo sind die Dukaten. Ich schneid der Katz ein Ohr ab.

marina

NEIN! Tun Sie der Katze nicht weh!

heckler

Beide Ohren. Ich zähl bis drei. Eins.

marina

Ich hab nix!

heckler

Zwei.

koch

Schwanz tät auch gehen.

Marina

NEIN!

Koch hält sie fest.

gonsky

Lass die Frau aus, du Neandertaler-

Er geht auf Koch los, Koch haut Gonsky noch eins auf die Nase.

heckler

Drei.

gonsky

Unter der Badewanne. In der Werkzeugtasche.

heckler

Was.

gonsky

Ist 70 Tausender wert. Gehört euch, tut dafür dem Mädel nichts, und ihrer Katze.

 

Int. bad

Koch werkelt die Werkzeugtasche unter der Wanne hervor. Gonskys frisch verlegte Fliesen gehen wieder ab.

Exmann ist mit Handtüchern an die Duscharmaturen gefesselt und geknebelt.

exmann

Mpf- grmpf.

 

Int. wohnzimmer

marina

Was ist das für eine Geschichte in meinem Bad, erklär mir das!

gonsky

Es ist nicht so wie du glaubst.

heckler

Killen werden wir euch natürlich trotzdem müssen.

gonsky

Killen, wieso.

heckler

Na ja, dings halt. Zeugen beseitigen, undsoweiter. Es wird nix anderes übrig bleiben, fürchte ich.

gonsky

Ah.

heckler

Besseren Vorschlag?

marina

Du wolltest die ganze Zeit nur in mein Badezimmer, du Scheisskerl hast mich von Anfang an nur eingewickelt weil du IN MEIN BAD WOLLTEST! Weil da etwas drin ist, was du haben wolltest.

Sie schlägt auf Gonsky ein. Der nimmt es wehrlos hin.

 

ext. vor neubau

Streifenwagen steht da, mit Blaulicht.

 

Int. stiegenhaus

Zwei FUNKSTREIFLER vor der offenen Wohnungstür.

funkstreife 1

Sollen wir vorher anklopfen oder einfach rein.

funkstreife 2

Haben die Einbrecher vorher angeklopft, du Schlaumeister? Na also. Seit wann klopft die Polizei an.

funkstreife 1

Na ja, aber die Frau Doktor Weingart ist ja schließlich immerhin, nichtwahr- ich mein-

funkstreife 2

Also ja, dann klopf halt an. Wir klopfen an und gehen dann unverzüglich rein.

funkstreife 1

Ich klopf jetzt, okay. Soll ich? Ich klopf an.

funkstreife 2

Klopf an.

 

int. wohnung marina

Marina haut Gonsky.

marina

Du bist genauso ein berechnender schäbiger Mistkerl wie der im Bad.

heckler

Herrschaften, ich muss doch bitten.

Koch kommt mit Schellaks Werkzeugtasche aus dem Bad, stellt sie auf den Tisch. Heckler macht sie auf, etwas in Zeitungspapier eingewickeltes ist darin.

heckler

Was ist denn das für eine Art, eine Münzensammlung aufzubewahren.

Funkstreifler kommen endlich rein.

funkstreife 2

Frau Doktor Weingart?

Heckler lässt das Zeitungspaket wieder in der Werkzeugtasche verschwinden. Keiner hat die Andromeda gesehen.

marina

Ah, die Kavallerie reitet endlich ein. Haben wirs uns ja doch noch einrichten können. Waren wir unterwegs noch ein bissel für den Polizeiball sammeln, ja?

funkstreife 2

Grüß Gott, Frau Doktor, uns ist durchgegeben worden, es gäbe einen dings bei Ihnen, einen Notfall.

Marina zeigt auf Heckler und Koch.

marina

Den können Sie gleich mitnehmen, und den auch, um die anderen Falotten kümmere ich mich persönlich.

 

EXT. VOR HAUS MARINA

Polizisten kommen mit Heckler und Koch aus dem Haus, Handschellen.

 

int. haus Marina - stiegenhaus

Marina schubst Exmann aus der Wohnung. Von der ganzen Sache mit der Andromeda hat der nichts mitgekriegt.

marina

Schau endlich, dass du rauskommst.

ehemann

Könntest du mir nicht vielleicht ein-, zweihundert, nur für kurzfristig-

marina

Wenn du den nächsten Termin vorm Amtsgericht wieder platzen lässt, lass ich dich mit der Funkstreife vorführen.

Madame Chantal mit Hündchen. Sie mustert den Exmann.

Madame chantal

Sie schaun aber mitgenommen aus, junger Mann. Wollen Sie’s einmal mit einem Entspannungsbad probieren?

 

INT. WOHNUNG MARINA - BAD

Gonsky mischt Fliesenkleber an. Er muss die kaputten Fliesen erneuern. Ersatzfliesen hat er in seiner Werkzeugtasche.

marina

Wenn Sie mein Badezimmer nicht wieder haargenauso hinkriegen wie es vorher war, unterschreibe ich Ihren Haftbefehl wegen Einbruch persönlich.

gonsky

Warum hast du- haben Sie nichts gesagt?

Marina

Was gesagt.

gonsky

Na den Kollegen von der Funkstreife. Dass ich die Andomeda habe. Du kriegst siebzig Tausender Prämie.

marina

Warum ich einen Menschen nicht für siebzigtausend verrate, das verstehen Sie nicht. Warum ich so blöd bin und Sie nicht auffliegen lasse.

gonsky

Ich verstehs nicht.

marina

Ich auch nicht. Ich muss wirklich ausgesprochen blöd sein.

Gonsky steht ziemlich dumm da. Marina krault ihre Katze.

marina

Wenn Sie fertig sind gehen Sie. Ich will Sie nimmer sehen. Nehmen Sie Ihr Ding mit und verschwinden Sie. Für immer.

 

EXT. VOR KUNSTMUSEUM – TAG  

Gonsky kommt mit seiner Werkzeugtasche einher. Das Baugerüst an der Museumsfassade ist weg.

 

int. museum – portierloge

MUSEUMSwächter

Nein, es ist nix gefunden worden.

gonsky

Muss aber, ich hab es damals am Fensterbrett liegen lassen und-

museumswächter

Wenn was gefunden worden wär, würde ich davon wissen.

gonsky

Wenn ich es nicht zurück kriege, dann kriegt ihr die Andromeda auch nimmer. Dann behalt ichs mir, als Entschädigung.

museumswächter

WAS war das grad? DIE ANDROMEDA?

Mit der Andromeda hat Gonsky beim Museumswächter einen wunden Punkt erwischt.

Gonsky

Erst will ich mein Eigentum zurückhaben.

MUSEUMSwächter

(ungehalten)

Du glaubst du kannst mich verarschen, ja? Mit deiner Andromeda-Nummer.

gonsky

Nein, ich will nur mein-

MUSEUMSwächter

Du glaubst du kannst da einfach anhampeln und mich verarschen, ja? Das glaubst du, ja? Glaubst du das. Mich in den Kakao eintunken, das willst du? Schau dass du weiterkommst du Komiker, Abgang, zisch ab, geh wen andern verarschen du Halblustiger, tschüss mit Ü.

Museumswächter schnappt Gonskys Werkzeugtasche und zerrt Gonsky zum Ausgang.

 

Ext. vor museum

Museumswächter schmeißt Gonsky aus dem Museum, er wirft ihm die Werkzeugtasche hinterher.

MUSEUMSwächter

Mach einen Abgang, du Spaßvogel.

gonsky

Ich wollte die Andromeda zurückbringen. Sie sind Zeuge, dass ich’s versucht hab.

museumswächter

Schau ja, dass du dich nimmer blicken lässt.

 

int. cafe bea – sonntag

Gonsky an der Bar, im Sonntags-Sakko. Er sieht im Fernsehen: Pressestunde mit Inge Türmer und Direktor Schöps.

inge türmer

Nachdem der Diebstahl der Andromeda jetzt schon mehrere Monate zurückliegt gibt es noch immer nicht die geringste Spur. Haben Sie persönlich noch Hoffnung dass die jemals wieder auftaucht. Herr Direktor Schöps.

direktor schöps

Dass die Andromeda wieder auf den Platz zurückkehrt, auf den sie hingehört, ins Kunstmuseum Sankt Marenten, dass hoffe ich persönlich natürlich genauso wie alle kunstverständigen Menschen in diesem Land.

inge türmer

Haben Sie eine persönliche Vermutung, warum der oder die Täter sich nie gemeldet haben.

direktor schöps

Meine Vermutung ist leider die, dass die Täter in einem Auftrag gehandelt haben, dass also da im Hintergrund ein Auftraggeber existiert hat.

inge türmer

Ein privater Liebhaber vielleicht, einer dem es gar nicht primär um die Lösegeldprämie geht sondern der die Andromeda einfach für sich haben will.

direktor schöps

Ja davon kann man mittlerweile ausgehen glaube ich. Dass die irgendwo in einer Privatsammlung steht, flankiert womöglich von einer Reihe ganz ähnlicher Kunstgegenstände.

Hillary kommt rein, er setzt sich neben Gonsky. Bea kommt.

hillary

Tag.

gonsky

Tag.

bea

Guten Tag. Was darfs sein.

hillary

(konspirativ)

Schönen Gruß an die Andrea.

bea

Was?

hillary

Man hat uns angerufen. Von Ihrem Festnetzanschluss aus. Wissen Sie etwas darüber? Hat die Andrea ein gebrochenes Herz.

bea

Wer will das wissen.

hillary

Ich frage im Auftrag der XY-Versicherung, wenn Sie verstehen.

bea

Von der Versicherung, na ausgerechnet! Da sind Sie bei mir grad richtig! Wollen Sie mit mir schon wieder ein Gschäft machen.

hillary

Ein Geschäft, wenn Sie’s so nennen wollen, ja. Wir hätten ein durchaus lukratives Angebot zu machen.

bea

Sie kommen von der Versicherung, und Sie kennen die Andrea. Und jetzt wollen Sie mit mir ins Gschäft kommen.

hillary

Wenn ich an der richtigen Adresse bin.

bea

Na da sind Sie bei mir garantiert an der richtigen Adresse. Gleich lach ich mich tot.

Theo, da ist einer von der Versicherung der glaubt dass er ausgerechnet bei uns richtig wäre.

theo

Versicherungen sind unser Feind. Mit uns macht ihr unter Garantie kein Gschäft, das kannst du schriftlich von mir haben.

bea

Haben Sie’s gehört. Mit Versicherungen wollen wir da herin nichts zu tun haben. Garantiert nicht.

hillary

Dann muss es sich wohl um ein Missverständnis handeln. Falscher Alarm.

bea

Da können Sie sogar Gift drauf nehmen.  Falsche Adresse.

hillary

Naja. Könnte ich eine Kaffee haben.

bea

Nur wenn Sie ihn gleich bezahlen. Euch Falotten traue ich keinen Schritt mehr über den Weg.

Später. Bea und Gonsky.

bea

Theo. Diese Andrea damals.

gonsky

Welche Andrea.

bea

Stell dich nicht dumm. Das Mädel. Hast du der das Herz gebrochen.

gonsky

Nein.

bea

Sag mir die Wahrheit.

gonsky

Nein. Der Andrea nicht.

 

ext. vor cafe bea – tag

Gonsky kommt heraus, er findet einen alten Strafzettel in seiner Sakkotasche. Auf der Rückseite hat die Politesse ihre Handynummer draufgeschrieben.

HANDY LÄUTET

 

Ext. strasse – tag

POLITESSE

(am Handy)

Hallo.

 

ext. vor FRANZÖSISCHEM restaurant – nacht

Von draußen. Gonsky im Sakko, Politesse in Zivil beim Mexikaner. Kerzenlicht. Gitarrist spielt. Gonsky am Schmähführen.

SPÄTER. Gonsky und Politesse steigen in Gonskys Auto ein.

 

Int. wohnung politesse – nacht

Im Bett. Politesse schläft, Gonsky spielt nachdenklich mit seiner letzten Zigarette herum. Er raucht nicht. Steckt sie wieder in die Schachtel und zerknüllt sie. Er steht entschlossen auf.

Später. Gonsky angezogen. Er deckt die nackten Füße der Politesse zu, bevor er sich aus dem Staub macht. Ein endgültiger Abschied.

 

ext. gonskys auto - nacht

Gonsky in seinem Auto, er ruft an:

gonsky

(am Handy)

Elli. Ich muss mit dir reden. - Ja, ich weiß selber wie spät es ist. Mit wem soll ich sonst reden.

 

int. wohnung schellak – nacht

Schellak im Schlafmantel, Gonsky. Sie sitzen am Küchentisch. Kittys Walkman liegt da.

gonsky

Elli, hab ich dich schon einmal um einen Rat gefragt.

schellak

Nein.

gonsky

Was würdest du machen. Gib mir einen Tipp.

schellak

Aus einem Film, von Woody Allen. Pass auf:

gonsky

Herrschaft Elli, verschone mich ein einzigesmal mit deinen Filmen.

schellak

Nein, hör zu. Woody Allen: da kommt auch einer mitten in der Nacht und fragt seinen Spezi um einen Tipp. Weil er einen Rat braucht. Und sein Spezi sagt zu ihm: jetzt pass einmal auf, du kriegst von mir jetzt den besten Tipp deines Lebens.

gonsky

Und. Was war das für ein Tipp.

schellak

Die sitzen da so am Küchentisch mitten in der Nacht, genauso wie wir grad, und der schaut seinen Spezi ganz erwartungsvoll an.

Gonsky sitzt da und schaut Schellak erwartungsvoll an:

gonsky

Na?

schellak

Da sagt der zu seinem Spezi:

gonsky

Was sagt er. Jetzt red endlich.

schellak

Und der sagt: "Du musst tun, was du tun musst."

gonsky

Das sagt der?

schellak

Genauso sagt ers.

gonsky

Elli, hab ichs dir eigentlich schon einmal gesagt.

schellak

Was.

gonsky

Was du für mich bist.

schellak

Weiß nicht ob ich das unbedingt hören will.

gonsky

Aber du weißt es.

schellak

Eh.

Gonsky gibt ihm einen herzhaften Schmatz. Schellak wischt sich ab.

schellak

Geh spinnst du, pfui Teufel.

Gonsky hat am Handgelenk die gleiche Tätowierung wie Schellak.

 

Int. wohnung schellak - bad – tag

Schellak und Kitty gemeinsam in der Badewanne. Kitty mit Walkman.

kitty

Noch ein Geheimnis. Jetzt du.

schellak

Noch ein Geheimnis.

kitty

Ja, du bist dran. Verrat mir noch eins.

schellak

Ich hab keins.

kitty

Dann denk dir eins aus.

schellak

Na gut, wer ist das. Pass auf. Wer steht total auf dich und ladet dich heut am Abend zum Essen ein und danach ins Kino.

kitty

Keine Ahnung. Wer?

schellak

Kleiner Tipp?

kitty

Okay. Kleiner Tipp.

schellak

Du sitzt mit ihm in der Badewanne.

kitty

Und.

schellak

Manchmal gehst du mit ihm in die Badewanne, und manchmal gehst du mit ihm auch ins Bett.

kitty

Mein Walkman ladet mich ins Kino ein?

 

ext. stadtpark – tag

Gonsky sitzt auf einer Bank vor einem Ententeich und friert. Mit seiner Werkzeugtasche. 

Er sieht wie Marina herbei joggt. Sehr reserviert.

marina

Ich hoffe Sie frieren recht ordentlich.

gonsky

Ich hoffe es hat es mit der Scheidung geklappt.

Marina sieht dass er die Werkzeugbox mithat.

marina

Warum tragen Sie das Ding spazieren. Macht es Sie glücklich damit in der Kälte herum zu laufen?

Gonsky

Nein, macht es nicht. Das blöde Ding steht zwischen uns. Es macht mich unglücklich.

marina

Was glauben Sie denn, was Sie MICH gemacht haben.

gonsky

Ich weiß was du glaubst. Dass ich hinter dem Ding hergewesen wäre. Aber das stimmt nicht. Das ist mir wurscht. Die 70.000 Finderlohn sind mir völlig egal. Mir geht es nur um dich.

marina

Erzähl mir doch nichts. Wieso soll ich DIR irgendwas glauben.

gonsky

Weil ich dir beweisen will dass mir an dem Ding überhaupt nichts liegt. Nur an dir.

marina

Beweisen. Was denn.

gonsky

Ich schmeiß es weg.

marina

Mach damit was du willst.

Gonsky

Vielleicht da in den Teich zum Beispiel, das würde gehen. Wär der Teich für dich okay?

marina

Schmeiß dich am besten gleich dazu.

Gonsky wirft die Werkzeugtasche wirklich in den Teich. Langsam geht sie unter.

marina

Hast du den Verstand verloren!! Was hast du gemacht! Bist du wahnsinnig?!

gonsky

Pfeif auf das Ding.

marina

Heilige Sch-- die werden einen Taucher brauchen, wenn die das jemals wieder da rauskriegen wollen!

gonsky

Hast du gesagt ich soll damit machen was ich will? Oder nicht. Hast du’s gesagt?

marina

Ja, du Spinner. Ich habs gesagt.

Gonsky und Marina schauen zu wie die Werkzeugtasche gemächlich im Wasser versinkt. Beide frieren.

marina

Laufen wir ein Stück. Na los. Dann wird uns wärmer.

Sie zupft Gonsky am Ärmel.

marina

Na komm schon, du- du Spinner.

Sie läuft los, Gonsky folgt ihr mit wenig Enthusiasmus.

marina

Weißt du was, die Taucher- die werden sich ganz schön den Hintern abfrieren. Gibts für Taucheranzüge auch eine Art Heizung oder sowas?

gonsky

Bin ich- (schnauf) überfragt.

marina

Hast du Elektrotechnik studiert oder nicht.

Schnaufend bemüht sich Gonsky mit ihr Schritt zu halten.

marina

Und die Andromeda war wirklich in dem Koffer drin? Die echte Andromeda? Kein Schmäh.

gonsky

Nein.

marina

Was nein. Kein Schmäh oder nicht im Koffer.

gonsky

Schmäh erzählen ist was anderes als Lügen, richtig.

marina

Wars jetzt ein Schmäh dass du die Andromeda in den Teich geschmissen hast oder nicht.

gonsky

Nein.

marina

Was nein?

gonsky

Kein Schmäh.

Marina boxt ihn. Aber irgendwie versöhnlich. Sie laufen an der Strauss-Statue vorbei.

gonsky

Der Strauss-Schani kann jedenfalls nicht drin gewesen sein, weil der steht ja noch immer da. 

Sie laufen gemeinsam davon. SCHLUSSTOTALE. ENDE. -

Nein, es geht noch weiter:

 

int. cafe bea - tag

Bord mit Beas Porzellan-Figuren. Schellak, Gonsky am Dart-Spielen.

schellak

Es wäre ein super Pfusch, wir hätten Arbeit bis übers Jahr.

gonsky

Ich kann nicht. Ich geh wieder studieren.

schellak

Du fängst wieder zu studieren an. Wau.

gonsky

Ich will meine Elektrotechnik weiter machen. Ein Mann muss irgendwas fertig kriegen im Leben. Nicht erst im nächsten.

schellak

Schon klar. Unser Herr Theo hat ja bekanntlich einen Hang zum Akademikern.

Gonsky sieht draußen eine fesche BLONDINE, schießt den Dartpfeil versehentlich auf das Porzellanbord. Er trifft die Andromeda die dort steht. Sie kippt vom Bord, gleich fällt sie runter.

Bea erwischt die Andromeda grad noch vorm Runterfallen.

bea

Theo, Herrschaftzeiten! Geht das schon wieder los! Erst schenkst mir so ein schönes Stück und dann willst du mir das WIEDER ruinieren!

gonsky

Ah geh, der alte Kitsch.

bea

Du hast ja keine Ahnung, was so ein Stück in Wahrheit für einen Wert hat, du Depp.

gonsky

Wieviel kann so was schon wert sein. Ist wahrscheinlich innen eh nur aus Wachs

oder so Zeugs.

bea

Wenn du mir das auch noch hin machst, ich schwör dir: dann kriegst du aber Lokalverbot.

Sie stellt die Andromeda wieder zwischen die anderen Sachen, auf das Regal. Dort steht sie bis heute.

 

 

                           - ENDE -

 

 

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